Masterarbeit, 2015
78 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Traditionelle Begriffe zur Beschreibung der Mitte: „Stand“, „Klasse“ oder „Schicht“?
2.1 Schichtthese vs. Individualisierungsthese
3. Verschiedene Definitionsansätze des Mitte-Begriffs
3.1 Quantitative Herangehensweisen
3.2 Analysen auf Grundlage von Einkommensunterschieden
3.3 Umfragen
3.4 Einkommensverteilung innerhalb der Mitte
4. Qualitative Herangehensweisen
4.1 Sozialstrukturanalyse
4.2 Die Berufe der Mitte
4.3 Die Mitte als politischer (Kampf-)Begriff und politisches Thema
4.4 Die Mitte als gesellschaftliches Ideal
4.5 Die Milieus und Lebensstile der Mitte
4.5.1 Die Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
4.5.2 Die Milieutheorie nach Pierre Bourdieu
4.6 Die Mitte als Garant sozialer Sicherheit
4.7 Das Selbstbild der Mitte
4.8 Kritische Stimmen zur Mitte
5. Verschiedene Sichtweisen auf die Mitte in verschiedenen Sozialstrukturen
5.1 Sozialstrukturen in Europa
5.2 Die Mitte als deutsches und westeuropäisches Phänomen
5.2.1 Der Sonderfall der Neuen Bundesländer
5.3 Die Mitte außerhalb Europas: American Middle Class und Global Middle Classes
5.3.1 Die nordamerikanische „Middle Class“
5.3.2 Neue Globale Mittelklassen
6. Soziale Entwicklungen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten
6.1 Die Bildungsexpansion
6.2 Arbeit und berufliche Qualifikation
6.3 Bürgertum und Mitte
6.3.1 „Neue Bürgerlichkeit“
6.4 Wohlstand
6.5 Die Rolle der Arbeiter und der Migranten
6.5.1 Die Entwicklung der Arbeiterschicht
6.5.2 Die Rolle der Migranten
6.6 Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft
7. Zunehmende Verunsicherung in der Bevölkerung
8. Fazit
9. Quellen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen neuer Entwicklungen innerhalb der Mittelschicht auf das Selbstbild der Angehörigen der gesellschaftlichen Mitte. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der Mitte als Idealbild und ihrer soziologischen Realität vor dem Hintergrund zunehmender Krisendiskurse zu analysieren und zu klären, ob tatsächlich eine nachhaltige Spaltung oder Auflösung dieser Schicht stattfindet.
4.5.1 Die Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
„Ulrich Beck beschreibt den Abschied von der traditionellen Klassengesellschaft und das Heraufziehen einer ‚Risikogesellschaft‘, die die Menschen in immer stärker individualisierte Lebenssituationen setzt.“ (Tilmann 2000: 193)
Ulrich Beck (1986: 101) prognostiziert in seinem berühmten Werk weiterhin, dass Klassenbewusstsein, Abstiegsangst und Aufstiegsorientierung zunehmend durch Ängste und Verunsicherung um die erworbenen Privilegien ersetzt würden (Beck 1986, wie zuvor). Wie rund drei Jahrzehnte später die Debatte um die Krise der Mitte zeigt, ist dies jedoch, wenn überhaupt, nur teilweise eingetroffen. Heute besteht recht großer Konsens darüber, dass die Lebensalge der Menschen keinesfalls hundertprozentig individualisiert wurden: „Aber so ganz individuell sind diese Lebenslagen der Menschen normalerweise nicht“ (Joas (Hrsg.) 2007: 249). Auch wenn sich Lebensumstände vor allem durch Veränderungen in der Arbeitswelt und im sozialen Gefüge sehr wohl deutlich mehr individualisiert haben und, wie gezeigt, soziale Sicherheit zunehmend entfällt, zeigt die aktuelle Diskussion um die Krise der Mitte, dass das Bewusstsein der eigenen Schichtzugehörigkeit und die Angst vor sozialem Abstieg bei gleichzeitiger Hoffnung auf sozialen Aufstieg sehr wohl bis heute deutliche Kontinuität haben. Gleichwohl hat sich die These der Individualisierung von Lebenslagen und der steigenden Risiken aber sicher zumindest teilweise bewahrheitet, da, wie in weiteren Verlauf dieser Arbeit gezeigt wird, die Lebenslagen der Menschen und auch der Mitte sich in der Tat hin zu mehr Individualität und weniger Absicherung entwickelt haben.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die soziologische Forschung zur gesellschaftlichen Mitte ein und formuliert die zentrale Fragestellung hinsichtlich der Auswirkungen aktueller Entwicklungen auf das Selbstbild der Mittelschicht.
2. Traditionelle Begriffe zur Beschreibung der Mitte: „Stand“, „Klasse“ oder „Schicht“?: Dieses Kapitel erläutert historische Begriffe wie Klasse, Stand und Schicht und deren Eignung zur Beschreibung der heutigen Mitte.
3. Verschiedene Definitionsansätze des Mitte-Begriffs: Hier werden quantitative und qualitative Herangehensweisen, insbesondere einkommensbasierte Analysen, zur Annäherung an den schwer definierbaren Begriff der Mitte dargestellt.
4. Qualitative Herangehensweisen: Dieses Kapitel vertieft das Verständnis der Mitte durch sozialstrukturelle Ansätze, die Rolle von Berufen, politischen Idealen, Milieutheorien und das Selbstbild der Betroffenen.
5. Verschiedene Sichtweisen auf die Mitte in verschiedenen Sozialstrukturen: Hier wird der Blick auf Europa, den Sonderfall Ostdeutschland und globale Entwicklungen (USA, Schwellenländer) geweitet.
6. Soziale Entwicklungen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten: Dieses Kapitel analysiert zentrale Einflussfaktoren wie die Bildungsexpansion, Arbeitsweltveränderungen, Bürgertum, Wohlstand und die Rolle von Migranten.
7. Zunehmende Verunsicherung in der Bevölkerung: Abschließende Betrachtung der allgemeinen gesellschaftlichen Verunsicherung und deren Rückwirkung auf die Mitte.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Kern der Mitte trotz der Krisendebatte stabil bleibt, sich jedoch der Aspekt der Sicherheit verändert hat.
Gesellschaftliche Mitte, Mittelschicht, Soziale Ungleichheit, Individualisierung, Sozialstrukturanalyse, Wohlfahrtsstaat, Risikogesellschaft, Bildungsexpansion, Prekärer Wohlstand, Soziale Mobilität, Milieutheorie, Habitus, Statusverlust, Krisendiskurs, Soziale Sicherheit.
Die Arbeit analysiert die „gesellschaftliche Mitte“ als soziologisches Phänomen und untersucht, inwiefern die oft proklamierte Krise oder Auflösung der Mittelschicht tatsächlich stattfindet oder ob Kontinuitäten überwiegen.
Zentrale Themen sind die Definition der Mitte, die Bedeutung von Bildung und Arbeit, der Wandel sozialer Sicherungssysteme sowie der Einfluss soziologischer Theorien (z.B. Beck, Bourdieu) auf das Verständnis sozialer Schichtung.
Die Forschungsfrage lautet: Welche Auswirkungen haben die neuen Entwicklungen innerhalb der Mittelschicht auf das Selbstbild der Angehörigen der gesellschaftlichen Mitte selbst?
Der Autor nutzt eine Kombination aus quantitativen Methoden (Einkommensstatistik, Umfrageergebnisse) und qualitativen Herangehensweisen (Sozialstrukturanalyse, Literaturdiskurs), um die Komplexität der Mitte abzubilden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (Stand, Klasse, Schicht), die methodische Analyse der Mitte (quantitativ vs. qualitativ) sowie die Untersuchung spezifischer sozialer Entwicklungen wie Bildungsexpansion und Tertiärisierung.
Begriffe wie "Risikogesellschaft", "Prekärer Wohlstand", "Bildungsexpansion" und "Individueller Habitus" sind zentral für die Argumentation des Autors.
Der Autor verwendet den Begriff "Mitte", da er ihn als wertneutraler und weniger politisch aufgeladen ansieht als "Klasse" (marxistisch geprägt) oder "Schicht" (fokussiert auf vertikale Hierarchien).
Der Osten wird als "Sonderfall" betrachtet, da dort ein historisch begründetes, abweichendes Verständnis der Mitte existiert und den dortigen Angestellten teilweise ein klassisches Mittelschichtsbewusstsein fehlt.
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