Masterarbeit, 2016
68 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Moral
2.1 Moralisches Denken und moralisches Handeln
2.1.1 Moralischer Konflikt und moralische Urteilsbildung
2.1.2 Zur Beziehung moralischen Denkens und moralischen Handelns
2.1.3 Kohlbergs Stufentheorie moralischer Entwicklung
2.1.4 Theorien zur moralischen Motivation
2.2 Das Happy-Victimizer-Phänomen
2.2.1 Der Ursprung des Happy-Victimizer-Phänomens
2.2.2 Das Happy-Victimizer-Phänomen im Erwachsenenalter
2.2.3 Der Happy Victimizer und alternative Urteilsmuster
2.2.4 Die Einordnung in Kohlbergs Entwicklungsstufenmodell
2.3 Korruption als moralischer Regelverstoß
2.3.1 Begriffsverständnis und Folgen
2.3.2 Einflussfaktoren und Rechtfertigungsstrategien
2.3.3 Strafrechtliche Verfolgung von Korruption in der Schweiz
3 Fallbeispiel: Fifa
3.1 Organisation und Aufbau des Weltfußballverbands Fifa
3.2 Überblick über Korruptionsvorwürfe der Fifa
3.3 Sepp Blatters Karriere bei der Fifa
4 Untersuchungsansätze zum Happy-Victimizer-Phänomen bei Sepp Blatter
4.1 Fallbeispiel
4.2 Untersuchung zum Happy-Victimizer-Phänomen
4.2.1 Bedingung 1: Der Regelübertritt
4.2.2 Bedingung 2: Das Regelwissen
4.2.3 Bedingung 3: Die Emotionsattribution
4.2.4 Situative Aspekte
4.2.5 Rationalisierungsstrategien nach Rabl (2009)
4.2.6 Mangelnde Glaubwürdigkeit
4.2.7 Kritische Auseinandersetzung mit dem Ergebnis
4.3 Alternativer Untersuchungsansatz über Kohlbergs Stufe 2
5 Fazit
Die Arbeit untersucht auf theoretischer Ebene, wie das Verhalten von korrupt handelnden Akteuren unter Berücksichtigung der Ethik eines Unternehmens durch moralische Urteilsstrukturen erklärt werden kann. Dabei wird insbesondere das "Happy-Victimizer-Phänomen" (HVP) auf den Korruptionsskandal um den ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter angewendet, um zu prüfen, ob sein Handeln als Ausdruck einer spezifischen moralischen Urteilsstruktur verstanden werden kann.
4.2.4 Situative Aspekte
In diesem Kapitel werden die Aspekte, welche in Heinrichs et al. (2015) als situativ relevant für das HVP herausgestellt werden, übertragen auf den betrachteten Fall, näher untersucht. Denn zu klären sind noch jene Aspekte, welche die zunächst widersprüchlich erscheinenden positiven Emotionsattributionen Sepp Blatters mit dem Fall ebenfalls beeinflusst haben könnten. Nach Heinrichs et al. (2015) tritt das HVP häufiger auf, wenn der potenziell Geschädigte der Versuchsperson fremd bzw. ihr unsympathisch ist oder sich die Versuchsperson von diesem benachteiligt fühlt. Ebenso können vorangegangene unfaire Handlungen oder frühere Schädigungen in wirtschaftlichen Kontexten respektive die jeweilige Intensität der moralischen Konfliktsituation die Erscheinungshäufigkeit des HVP fördern. Diese Aspekte werden im Folgenden erläutert:
1. Wenn der potenziell Geschädigte der Versuchsperson fremd und/oder unsympathisch ist bzw. sie sich von ihm benachteiligt fühlt
Als Geschädigte im betrachteten Fall wird vordergründig die Fifa als eingetragener Verein verstanden. Zu ihrer Last geht die Zahlung an Michel Platini und ihre Reputation wird durch Bekanntwerden des Korruptionsvorwurfes gegen den Fifa-Präsidenten massiv geschädigt. Als Versuchsperson gilt in diesem Fall Sepp Blatter, der die Fifa über Jahre zu dem entwickelt, was sie heute ist: Ein milliardenschwerer Konzern, der mit dem Monopol auf die Fußballweltmeisterschaft die Unterhaltungsindustrie dominiert.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Korruptionsproblematik bei der Fifa ein und stellt das Happy-Victimizer-Phänomen als theoretischen Erklärungsansatz vor.
2 Moral: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen moralischen Denkens und Handelns, insbesondere Kohlbergs Stufentheorie und das Happy-Victimizer-Phänomen, und setzt diese in Bezug zu Korruption.
3 Fallbeispiel: Fifa: Hier werden die Strukturen der Fifa sowie die Korruptionsgeschichte des Weltfußballverbands und die Karriere von Sepp Blatter dargestellt.
4 Untersuchungsansätze zum Happy-Victimizer-Phänomen bei Sepp Blatter: Dieses Kapitel analysiert das Verhalten von Sepp Blatter anhand der Bedingungen des HVP sowie unter Einbeziehung von Rationalisierungsstrategien und situativen Aspekten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Anwendbarkeit des HVP auf den Fall Blatter sowie Implikationen für zukünftige Reformen bei der Fifa.
Happy-Victimizer-Phänomen, Korruption, Sepp Blatter, Fifa, moralische Urteilsbildung, moralisches Handeln, Lawrence Kohlberg, Unternehmensethik, Rationalisierungsstrategien, moralische Motivation, Regelverstoß, Ethikkommission, moralische Konfliktsituation, moralische Entwicklung, wirtschaftlicher Kontext.
Die Arbeit untersucht die moralpsychologischen Hintergründe von korruptem Verhalten, wobei der Fokus auf dem sogenannten "Happy-Victimizer-Phänomen" liegt.
Die zentralen Themen sind die kognitive Moralpsychologie, die Analyse von Korruptionsphänomenen in wirtschaftlichen Strukturen und die Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit.
Ziel ist es, theoretisch zu ergründen, ob das korrupte Handeln von Akteuren wie Sepp Blatter mit bestimmten moralischen Urteilsstrukturen erklärbar ist.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse sowie eine qualitative Fallstudie, die Aussagen des ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit entwicklungspsychologischen Modellen vergleicht.
Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende theoretische Einordnung von Moral und HVP, die Analyse des Fifa-Korruptionsskandals und eine Untersuchung der Begründungsstruktur von Sepp Blatter hinsichtlich der Bedingungen des Happy-Victimizer-Phänomens.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Happy-Victimizer-Phänomen, Korruption, moralische Urteilsbildung, Sepp Blatter und Unternehmensethik charakterisieren.
Das Phänomen wird primär als eine spezifische Form moralischen Denkens in die Stufe 2 (instrumentell-relativistische Ordnung) von Kohlbergs Entwicklungsstufenmodell eingeordnet.
Die Strategien dienen dazu, Blatters Äußerungen zur Rechtfertigung seines Handelns (z.B. "Legalität" oder "Appell an höhere Ziele") als Mechanismen zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes trotz moralischer Regelverstöße zu entlarven.
Dieser Fall bietet eine moralische Konfliktsituation im wirtschaftlichen Kontext, die geeignet ist, um zu prüfen, ob die für das HVP notwendigen Bedingungen (Regelübertritt, Regelwissen, positive Emotionsattribution) vorliegen.
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