Examensarbeit, 2013
68 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Partizipation in der Schule
2.1 Zur Definition des Behinderungsbegriffs
2.2 Der Weg zum gemeinsamen Lernen
2.3 Integration versus Inklusion
2.4 Konzepte zum Umgang mit Vielfalt in der Schule
3. Stand der inklusiven Entwicklung im Land Sachsen Anhalt
4. Kinder und Jugendliche mit Gefühls- und Verhaltensstörungen
4.1 Ausgangslage
4.1.1 Persönliche Dimension
4.1.2 Dimension des sozialen Umfelds
4.1.3 Gesellschaftliche Dimension
4.2 Begriffsklärung
4.3 Ursachen von Gefühls- und Verhaltensstörungen
4.4 Die Schule für Erziehungshilfe
4.4.1 Zielgruppe der Schule für Erziehungshilfe
4.4.2 Ziele und Aufgaben der Schule für Erziehungshilfe
4.5 Sonderpädagogischer Förderbedarf beim Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
4.5.1 Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs
4.5.2 Formen sonderpädagogischer Förderung
5. Entwicklung eines Konzepts einer inklusiven Schule mit besonderer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen mit Gefühls- und Verhaltensstörungen
5.1 Die Schule für Alle
5.1.1 Raum und Zeit
5.1.2 Beziehung
5.1.3 Schulleben
5.1.4 Profession
5.1.5 Ernährung
5.1.6 Gestaltung des Unterrichts
5.1.7 Benotung
5.1.8 Außerschulische Angebote
5.1.9 Kooperation
5.1.10 Neue Aufgabe der Diagnostik
5.2 Zusammenfassung
6. Schulentwicklung in der Praxis am Beispiel des Schulversuchs der Integrativen Gesamtschule Halle/Saale
6.1 Die Ausgangslage integrativer Entwicklungen
6.2 Rahmenbedingungen des Landesschulversuchs
6.3 Die Schulentwicklung während des Landesschulversuchs
6.3.1 Verlauf des Schulversuchs
6.3.2 Wissenschaftliche Begleitung
6.3.3 Ergebnisse des Schulversuchs aus Sicht der Schüler, Lehrer und Eltern
6.4 Fazit des Schulversuchs
7. Diskussion
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Anforderungen an inklusive Schulen im Hinblick auf die soziale und emotionale Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Gefühls- und Verhaltensstörungen. Ziel ist es, auf Basis einer Analyse der Lebenslagen und einer theoretischen Fundierung ein schulisches Konzept zu entwerfen, das diesen besonderen Bedürfnissen in einer inklusiven Umgebung gerecht wird, und dieses durch Praxiserfahrungen eines Schulversuchs kritisch zu reflektieren.
4.1 Ausgangslage
Wir leben in einer komplexen, hochtechnisierten Gesellschaft. Die Industrialisierung und Urbanisierung hat das menschliche Leben stark verändert. Menschen leben gemeinsam in riesigen Großstädten, sind in durch moderne Medien in Sekunden miteinander im Gespräch, haben in wenigen Stunden einen halben Kontinent bereist um sich anschließend zwischen hunderten von Produkten im Supermarkt zu entscheiden. Künstliche, mediale Welten ersetzen reale Erfahrungsräume. Das Wissen der Gesellschaft wächst und damit auch die Komplexität der Lebensformen. „Subjektiv ist die Welt unüberschaubarer, unsicherer und gefährlicher, die Zukunft unklarer, Beziehungen komplexer und fragiler, Werte und Normen sind unverbindlicher geworden“ (Wieland 2011, S.30)
Sich in diese Strukturen einzufinden stellt für die Entwicklung eines Menschen eine große Herausforderung dar. Die Veränderung der Lebensformen führt dementsprechend auch zu einer Veränderung von Familie und Kindheit (vgl. Guth/Schulte 2009), denn jedes Individuum steht in einer Wechselwirkung zwischen sich und seiner Persönlichkeitsentwicklung, sowie seinem sozialen Umfeld und der Gesellschaft. In diesem Kontext findet kindliche Entwicklung statt. Unser soziales Verhalten, Handeln und Erleben ist daher ein Produkt von Entwicklungsprozessen, welches durch unsere Erfahrungs- und Lebenswelt beeinflusst werden kann. Das soziale Verhalten und Erleben ist damit auch ein veränderbares Konstrukt.
Betrachtet man diese Grundlage von sozialem Verhalten, Handeln und Erleben ergeben so ist es das Produkt von drei verschiedenen Dimensionen: der persönlichen Dimension, der Dimension des sozialen Umfelds und der gesellschaftlichen Dimension. In Wechselbeziehung dieser Dimensionen möchte ich im Folgenden auf Kinder und Jugendliche mit Gefühls- und Verhaltensstörungen eingehen.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandlungsprozess des deutschen Schulsystems hin zur Inklusion unter besonderer Berücksichtigung der wachsenden Zahl an Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich soziale und emotionale Entwicklung.
2. Partizipation in der Schule: Es werden der Behinderungsbegriff, der geschichtliche Weg zum gemeinsamen Lernen sowie der Unterschied zwischen Integration und Inklusion erörtert.
3. Stand der inklusiven Entwicklung im Land Sachsen Anhalt: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Erfahrungen aus dem Modellversuch „Grundschulen mit Integrationsklassen“ in Sachsen-Anhalt.
4. Kinder und Jugendliche mit Gefühls- und Verhaltensstörungen: Hier werden die Lebenslagen und Ursachen von Gefühls- und Verhaltensstörungen analysiert, die Schule für Erziehungshilfe porträtiert und die Feststellung von Förderbedarf sowie Förderformen diskutiert.
5. Entwicklung eines Konzepts einer inklusiven Schule mit besonderer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen mit Gefühls- und Verhaltensstörungen: Es wird ein eigenes, ideales Schulkonzept („Schule für Alle“) mit Aspekten wie Raumgestaltung, Beziehungskultur, professionellem Teamansatz und Unterrichtsgestaltung entworfen.
6. Schulentwicklung in der Praxis am Beispiel des Schulversuchs der Integrativen Gesamtschule Halle/Saale: Die Arbeit prüft ein reales Beispiel für integrativen Unterricht und zieht Schlussfolgerungen aus dessen Erfolg und den dabei aufgetretenen Barrieren.
7. Diskussion: Abschließend werden die Grenzen der Integration in der Realität reflektiert und der notwendige Paradigmenwechsel im aktuellen Schulsystem resümiert.
Inklusion, Integration, Sonderpädagogik, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Gefühls- und Verhaltensstörungen, Schule für Alle, Schulentwicklung, Förderbedarf, Regelschule, Lernumgebung, individuelle Förderung, Modellversuch, Sachsen-Anhalt, Diagnostik, Pädagogenteam.
Die Arbeit untersucht, wie Inklusion in der schulischen Praxis konkret gestaltet werden kann, um Kindern und Jugendlichen mit Gefühls- und Verhaltensstörungen gerecht zu werden und ihre soziale und emotionale Entwicklung optimal zu fördern.
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von Integration und Inklusion, die Analyse der Lebenswelten von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten, die Rolle der Sonderpädagogik sowie die praktische Umsetzung inklusiver Schulmodelle.
Das Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts für eine "Schule für Alle", das spezifisch die Bedürfnisse von Kindern mit Gefühls- und Verhaltensstörungen integriert, sowie der Vergleich dieses Modells mit realen Erfahrungen aus Schulentwicklungsprojekten.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse zum Inklusionsdiskurs und den Ursachen von Verhaltensstörungen sowie der Auswertung von Fallbeispielen und Evaluationsberichten, insbesondere des Landesschulversuchs der IGS Halle/Saale.
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Inklusionskonzepten, die Analyse der Lebenslagen betroffener Kinder, die Darstellung spezialisierter Förderangebote und die Entwicklung eines eigenen Entwurfs für eine inklusive "Schule für Alle".
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Inklusion, Sonderpädagogik, emotionale und soziale Entwicklung, Verhaltensstörungen, Schulentwicklung und individuelle Förderung geprägt.
Das ökologische Modell betrachtet Störungen als Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Systeme (Umwelt, Familie, Schule). Es begründet den Auftrag, nicht das Kind zu therapieren, sondern die Strukturen der Schule so anzupassen, dass sie eine förderliche Umgebung für das Kind bieten.
Die Arbeit betont, dass die vielfältigen Aufgaben einer inklusiven Schule nicht von Einzelkämpfern bewältigt werden können. Ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Regelschullehrern, Sonderpädagogen und weiteren Fachkräften, ist essenziell, um eine individuelle Unterstützung aller Kinder zu gewährleisten.
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