Examensarbeit, 2002
108 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. ELEMENTARE MOTIVATIONSPSYCHOLOGIE
2.1. Motivationstheoretische Konzepte
2.1.1. Triebtheoretische Auffassung von Motivation
2.1.2. Neugiermotivation
2.1.3. Intrinsische kontra extrinsische Motivation
2.1.4. Anreiztheoretischer Ansatz
2.1.5. Entscheidungstheoretische Konzepte
2.2. Leistungsmotivation
2.2.1. Risikowahl- Modell nach ATKINSON
2.2.2. Die Attributionstheorie von WEINER
2.2.3. Selbstbewertungsmodell nach HECKHAUSEN
3. STELLENWERT DER MOTIVATION FÜR DAS LERNEN
3.1. Definition Lernmotivation
3.1.1. Modell nach HECKHAUSEN
3.1.2. Modell nach KRAPP
3.2. Abgrenzung der Lernmotivation von der Leistungsmotivation
3.3. Intrinsische Lernmotivation
3.3.1. Abgrenzung intrinsischer von extrinsischer Motivation
3.3.2. Effekte und Vorteile für das Lernen
3.4. Konzeptionen der intrinsischen Lernmotivation
3.4.1. Triebe ohne Triebreduktion
3.4.2. Zweckfreiheit
3.4.3. Optimalniveau von Aktivation oder Inkongruenz
3.4.4. Selbstbestimmung
3.4.5. Freudiges Aufgehen in einer Handlung
3.4.6. Handlungsziel
3.4.7. Analyse der Selbstbestimmungstheorie
4. LEISTUNGSBEURTEILUNG UND ZENSUREN
4.5. Geschichtlicher Überblick über den Leistungsbegriff und die Entstehung von Zensuren
4.6. Zur Funktion von Zensuren
4.6.1. Selektion und Stigmatisierung
4.6.2. Sozialisation
4.6.3. Kontrolle
4.6.4. Prognose
4.6.5. Information und Rückmeldung
4.6.6. Disziplinierung
4.6.7. Motivation/ Anreiz
4.6.8. Resümee
4.7. Theoretische Grundlagen des Beurteilens
4.3.1. Objektivität
4.3.2. Reliabilität
4.3.3. Validität
4.3.4. Resümee
4.8. Kritische Stellungnahme
5. EINFLUSS DER ZENSUREN AUF DIE LERNMOTIVATION
5.1. Zensurengebung und Selbstbestimmung
5.2. Korrumpierungseffekt bzw. Überveranlassungseffekt
5.3. Leistungsbeurteilung und Kausalattributionen
5.4. Zensuren als extrinsisches Motivationsinstrument
5.5. Ausblick
6. ALTERNATIVE BEURTEILUNGSFORMEN
6.1. Lehrerkommentare zu Noten
6.1.1. Kritische Stellungnahme
6.2. Benotung unter drei Bezugsnormen
6.2.1. Die soziale Bezugsnorm
6.2.1. Die sachliche Bezugsnorm
6.2.2. Die individuelle Bezugsnorm
6.2.3. Praktische Konsequenzen
6.3. Verbale Beurteilungen
6.3.1. Lernentwicklungsbericht
6.3.2. Kritische Stellungnahme
6.4. Schülerselbstbewertung
6.4.1. Formen der Selbstbeurteilung
6.4.2. Voraussetzungen für die Selbstbeurteilung
6.4.3. Dokumentation von Leistungen als Selbstbeurteilung
6.4.4. Grenzen der Selbstbeurteilung
6.4.5. Beispiele für Checklisten zur Selbstbeurteilung
6.4.6. Kritische Stellungnahme
6.5. Umgang mit Fehlern
6.5.1. Kritische Stellungnahme
6.6. Ausblick
7. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Zensurengebung auf die Lernmotivation von Schülern und erörtert alternative Formen der Leistungsbeurteilung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Leistungsbeurteilung gestaltet sein muss, um sachbezogene Lernmotivation zu fördern und den negativen Auswirkungen des klassischen Notensystems entgegenzuwirken.
Die vier Typen der extrinsischen Verhaltensregulation
DECI und RYAN unterscheiden vier Typen extrinsischer Verhaltensregulation.
• Zur externalen Regulation zählen Verhaltensweisen, auf die die Person keinen direkten Einfluss hat. Eine Handlung wird aufgrund einer erwarteten Belohnung oder zur Vermeidung einer Bestrafung ausgeführt. Dieses Verhalten ist nicht autonom und nicht freiwillig.
• Die introjizierte Regulation bezieht sich auf Handlungen, die einem „inneren Druck“ folgen. Hierbei spielt die Selbstachtung eine zentrale Rolle. Man will sie sich bewahren, indem man ein bestimmtes Verhalten zeigt, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Eine introjizierte Handlungsregulation ist internal, da sie keine äußeren Handlungsanstöße wie Belohnungen oder Bestrafungen mehr fordert. Allerdings bleibt weiterhin vom individuellen Selbst separiert, da der Ort der Handlungsverursachung als external wahrgenommen wird.
• Wenn eine Handlung vom Selbst als persönlich wichtig erlebt wird, ist die Stufe der identifizierten Regulation erreicht. Man identifiziert sich mit den zugrunde liegenden Werten und Zielen und integriert sie in ein sein Selbstkonzept.
• Die integrierte Regulation ist die Form der extrinsischen Motivation mit der höchsten Selbstbestimmung. Sie ist das Ergebnis der völligen Integration von Zielen, Normen und Handlungsstrategien, mit denen sich die Person identifiziert hat und steht am Ende des Internalisierungsgeschehens (DECI & RYAN 1993, S. 227-228).
Das Verhalten, welches integriert reguliert wird, bildet zusammen mit der intrinsischen Motivation die Basis selbstbestimmten Handelns. „Der Unterschied ist, dass intrinsisch motivierte Verhaltensweisen autotelischer Natur sind, während integriertes extrinsisches Verhalten eine instrumentelle Funktion besitzt, aber freiwillig ausgeführt wird, weil das individuelle Selbst das Handlungsergebnis subjektiv hoch bewertet“ (DECI und RYAN 1993, S. 228).
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung und der zentralen Forschungsfrage bezüglich des Einflusses von Zensuren auf die Lernmotivation.
2. ELEMENTARE MOTIVATIONSPSYCHOLOGIE: Überblick über theoretische Konzepte der Motivation sowie der Leistungsmotivation, unter anderem durch Modelle nach Atkinson, Weiner und Heckhausen.
3. STELLENWERT DER MOTIVATION FÜR DAS LERNEN: Untersuchung der Lernmotivation und die Bedeutung intrinsischer Motivation für nachhaltiges Lernen und Selbstbestimmung.
4. LEISTUNGSBEURTEILUNG UND ZENSUREN: Historische Analyse des Notensystems und kritische Reflexion der verschiedenen Funktionen, die Zensuren im Schulalltag zugeschrieben werden.
5. EINFLUSS DER ZENSUREN AUF DIE LERNMOTIVATION: Analyse der negativen Wirkungen von Zensuren als extrinsisches Steuerungsmittel, insbesondere im Hinblick auf den Korrumpierungseffekt und die Kausalattribution.
6. ALTERNATIVE BEURTEILUNGSFORMEN: Diskussion von pädagogischen Alternativen wie Lehrerkommentaren, Anwendung verschiedener Bezugsnormen, verbalen Berichten und Formen der Schülerselbstbewertung.
7. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG: Zusammenfassendes Fazit zur Notwendigkeit einer lernförderlichen Umgestaltung der Leistungsbeurteilung und Plädoyer für eine neue Lernkultur.
Lernmotivation, Zensurengebung, Leistungsbeurteilung, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation, Selbstbestimmungstheorie, Schülerselbstbewertung, Lernentwicklungsbericht, Kausalattribution, pädagogische Diagnostik, Noten, Leistungsprinzip, Selbstkonzept, individuelle Bezugsnorm, Lernfortschritt.
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung des Einflusses, den die in der Schule übliche Zensurengebung auf die Lernmotivation von Schülern ausübt, und sucht nach Wegen, diese durch alternative Beurteilungsformen zu verbessern.
Zu den Schwerpunkten gehören motivationstheoretische Grundlagen, die Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation, die Funktionen von Zensuren sowie die Analyse alternativer Formen der Leistungsrückmeldung wie verbale Beurteilungen und Selbstbewertung.
Die zentrale Frage ist, inwiefern die Bewertung durch Noten die Lernmotivation hemmt oder fördert, und ob alternative Kontrollformen eine förderlichere Wirkung auf die effektive Lernleistung der Schüler haben können.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und -aufarbeitung psychologischer und schulpädagogischer Theorien, die durch die Diskussion empirischer Studien veranschaulicht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Motivationspsychologie, eine Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte und Funktion von Noten, eine Analyse des Zusammenhangs von Zensuren und Lernmotivation sowie eine umfangreiche Diskussion von pädagogischen Alternativkonzepten.
Besonders prägend für die Arbeit sind Begriffe wie Lernmotivation, intrinsische vs. extrinsische Motivation, Zensurengebung, Selbstbestimmungstheorie sowie alternative Leistungsbeurteilung und Bezugsnormorientierung.
Der Autor argumentiert, dass Noten als externe Steuerungsinstrumente eine ehemals vorhandene intrinsische Motivation korrumpieren und dazu führen, dass Schüler eher auf die Note als auf den Lerngegenstand fokussiert sind, was das natürliche Lernbedürfnis stört.
Er plädiert für Formen wie Lernentwicklungsberichte in Briefform, den Einbezug der individuellen Bezugsnorm zur Förderung des Selbstvertrauens sowie eine aktive Schülerselbstbewertung, bei der Schüler lernen, ihre eigenen Fortschritte zu reflektieren.
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