Masterarbeit, 2014
135 Seiten, Note: 1,3
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
1.1 Beispiele von Cybermobbing
1.2 Relevanz und Ziel der Arbeit
1.3 Forschungsstand
1.4 Verwendetes Korpus
1.5 Aufbau und Struktur der Arbeit
2. Cybermobbing
2.1 Was ist Cybermobbing?
2.2 Das Prekäre an Cybermobbing
2.3 Verletzungspotential und Auswirkungen von Cybermobbing
3. Gewaltsprache
3.1 Gewalt und Sprache – Gegensätze?
3.1.1 Gewalt
3.1.2 Sprache und ihr Handlungspotenzial
3.2 Was ist Gewaltsprache?
3.3 Warum kann Sprache verletzen?
4. Strategien verbaler Gewalt
4.1 Pejoration des Eigennamens
4.1.1 Schimpfwörter
4.1.2 Metaphern und Vergleiche
4.1.3 Kategorisierung und Stereotypisierung
4.1.4 Pronominale Anrede
4.2 Grammatik verbaler Gewalt
4.2.1 Komparativ und Diminuitiv
4.2.2 Partikeln
4.3 Gewaltpotenzial bestimmter Sprechakte
4.3.1 Sprechakt ‚Beschimpfen, Beleidigen‘
4.3.2 Sprechakt ‚Auslachen‘
4.3.3 Sprechakt ‚aggressives Kritisieren‘
4.3.4 Sprechakt ‚aggressives Auffordern‘
4.3.5 Sprechakt ‚Drohen‘
4.3.6 Sprechakt ‚Widersprechen‘
4.4 Kurzes Resümee der herausgearbeiteten Strategien
5. Analyse der sprachlichen Gewalt zweier Facebook-Accounts
5.1 Hat die Gewaltsprache ihre Wirkung erzielt?
5.2 Das Gewaltpotenzial einiger Kommunikationsbedingungen
5.2.1 Physische Nähe bzw. Distanz und Vertraut- bzw. Fremdheit
5.2.2 Privatheit bzw. Öffentlichkeit und Endgültigkeit
5.2.3 Dialogizität bzw. Monologizität
5.2.4 Synchronität bzw. Asynchronität
5.2.5 Spontanität und freie Themenentwicklung
5.2.6 Emotion
5.2.7 Gewaltpotenzial der Oraliteralität der Facebook-Sprache
5.3 Verwendete Strategien verbaler Gewalt bei Melisa Omeragic
5.3.1 Sprechakt ‚Beschimpfen, Beleidigen‘
5.3.2 Sprechakt ‚Auslachen‘
5.3.3 Sprechakt ‚aggressives Kritisieren‘
5.3.4 Sprechakt ‚aggressives Auffordern‘
5.3.5 Sprechakt ‚Drohen‘
5.3.6 Sprechakt ‚Widersprechen‘
5.4 Verwendete Strategien verbaler Gewalt bei Conchita Wurst
5.4.1 Sprechakt ‚Beschimpfen, Beleidigen‘
5.4.2 Sprechakt ‚Auslachen‘
5.4.3 Sprechakt ‚aggressives Kritisieren‘
5.4.4 Sprechakt ‚aggressives Auffordern‘
5.4.5 Sprechakt ‚Drohen‘
5.4.6 Sprechakt ‚Widersprechen‘
5.5 Kurzer Vergleich des Gewaltpotenzials beider Facebook-Accounts
6. Fazit und Schluss
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch eine linguistische Analyse der Gewaltsprache beim Cybermobbing einen Beitrag zum Verständnis dieses komplexen Phänomens zu leisten und aufzuzeigen, wie sprachliche Gewalt konstruiert ist, um Präventionsmöglichkeiten zu unterstützen.
1.1 Beispiele von Cybermobbing
„Ich habe niemanden. Ich brauche jemanden“ (Mitic-Pigorsch, 2012). Amanda Todds schrieb diesen letzten Hilferuf auf Karteikarten, die sie schweigend in ihrem Youtube-Clip in die Kamera hält. Neun Minuten lang erzählen die Karteikarten von ihrer qualvollen Lebensgeschichte. So lernte sie einen jungen Mann im Internet kennen, vertraute ihm und schickte ihm, auf seine Bitte hin, Nacktaufnahmen von sich. Der junge Mann forderte mehr Bilder, bedrohte sie und leitete die Nacktaufnahmen, nachdem sie sich weigerte, weitere zu senden, schließlich an ihre Schulkameraden weiter. Die Fotos landeten sogar auf Facebook-Seiten, die für jeden öffentlich zugänglich waren. Ihre Mitschüler begannen sie zu beschimpfen, zu schlagen, zu demütigen. Der Horror endete jedoch nicht hinter verschlossenen Türen, sondern ging in der virtuellen Welt weiter. So entstanden im Internet eine regelrechte Hetzjagd und Verschwörung gegen die 15-jährige Kanadierin. Unzählige Schulwechsel änderten nichts an der Situation, bis Amanda letztlich zu Drogen und Alkohol griff, sogar versuchte, sich vergeblich mit Bleichmittel umzubringen. Ihr zweiter Selbstmordversuch war schließlich erfolgreich. Amanda Todds wurde nur 15 Jahre alt. Sie nahm sich am 10. Oktober 2012, nach jahrelangem qualvollem Mobbing und etwa einem Monat nach ihrem letzten Hilferuf, in Form des selbstgefilmten Youtube-Videos, das Leben. Der Fall Amanda Todds ist der weltweit Bekannteste im Kontext Cybermobbing, jedoch bei weitem nicht der einzige (vgl. Bradke, 2014, S. 3).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aktualität des Themas Cybermobbing ein und definiert die Relevanz sowie das Ziel der Arbeit, sprachliche Gewalt auf Facebook zu untersuchen.
2. Cybermobbing: Hier werden Definitionen von Cybermobbing erarbeitet, die Gefahren erläutert und die gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen auf die Opfer dargelegt.
3. Gewaltsprache: Dieses Kapitel verknüpft das Phänomen Cybermobbing mit linguistischen Theorien, um das Handlungspotenzial und die verletzende Wirkung von Sprache wissenschaftlich zu begründen.
4. Strategien verbaler Gewalt: Hier werden konkrete verbale und grammatikalische Mittel wie Schimpfwörter, Metaphern und spezifische Sprechakte systematisch aufgeführt, die zur Ausübung von Gewalt genutzt werden.
5. Analyse der sprachlichen Gewalt zweier Facebook-Accounts: Der empirische Teil untersucht konkret die Facebook-Diskussionen rund um Melisa Omeragic und Conchita Wurst auf ihre sprachliche Gewalt, Kommunikationsbedingungen und Gewaltintensität.
6. Fazit und Schluss: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Erkenntnis unterstrichen, dass prominente Personen eine intensivere verbale Gewalt erfahren als Alltagsmenschen, was Ansatzpunkte für die Prävention liefert.
Cybermobbing, verbale Gewalt, Gewaltsprache, Facebook, Sprechakt, Pejoration, Beleidigung, Aggression, Online-Kommunikation, Oraliteralität, linguistische Analyse, Prävention, Netzjargon, soziale Netzwerke
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse sprachlicher Gewalt im Kontext von Cybermobbing, insbesondere auf der sozialen Plattform Facebook.
Zentral sind die Definition von Cybermobbing, die psycholinguistische Wirkweise von Gewaltsprache sowie die Untersuchung, wie spezifische Kommunikationsbedingungen im Netz die Gewaltintensität beeinflussen.
Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sprachliche Gewalt konstruiert ist, um daraus Erkenntnisse für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen abzuleiten.
Die Autorin nutzt eine linguistische Analyse, gestützt auf Sprechakttheorien (Austin, Searle) und diskursanalytische Konzepte, um Beiträge auf zwei spezifischen Facebook-Accounts auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Strategien verbaler Gewalt und eine anschließende empirische Untersuchung der Facebook-Kommentare von Melisa Omeragic und Conchita Wurst.
Wichtige Begriffe sind Cybermobbing, verbale Gewalt, Sprechakte, Oraliteralität, soziale Netzwerke und Prävention.
Während sich die Angriffe gegen Melisa Omeragic primär auf ihr Aussehen und ihre Person beziehen, dient die Erscheinung von Conchita Wurst als Projektionsfläche für eine gesellschaftspolitische Debatte, was oft zu einer noch gewaltreicheren, ideologisch geprägten Sprache führt.
Die Autorin zeigt auf, dass die Internetsprache bei Facebook trotz ihrer schriftlichen Form viele Merkmale mündlicher Kommunikation (Spontanität, Emotionalität) aufweist, was eine unmittelbare, ungefilterte und dadurch besonders verletzende Kommunikation begünstigt.
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