Bachelorarbeit, 2016
55 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Bilanzierung der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen nach IFRS
2.1 Rechtliche Grundlagen nach dem Atomgesetz
2.2 Begriff der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen
2.3 Ansatz von Verbindlichkeitsrückstellungen
2.3.1 Gegenwärtige Verpflichtungen
2.3.2 Nutzenabfluss
2.3.3 Schätzung des Verpflichtungsbetrages
2.4 Abgrenzung der Rückstellungen von den Verbindlichkeiten
2.5 Bewertung - Best Estimate
2.6 Bildung, Inanspruchnahme und Auflösung von Rückstellungen
2.7 Ausweis und Erläuterungen von Rückstellungen
3 Bilanzpolitische Gestaltung der Rückstellungen nach internationaler Rechnungslegung
4 Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima und der Energiewende auf die Rückstellungen
4.1 Bilanzierende Versorgungsunternehmen und deren Kraftwerke in Deutschland
4.2 Maßgebliche Ereignisse der Energiewende für die Kernenergie
4.2.1 Ereignisse ab 2009
4.2.2 Die Katastrophe von Fukushima Daiichi
4.2.3 Ereignisse ab 2012
4.3 Auswirkungen auf die Rückstellungen
4.3.1 Auswertungsschema der Konzernberichte
4.3.2 Auswirkungen auf die Rückstellungen
5 Fazit
Die Arbeit untersucht, wie sich die Katastrophe von Fukushima und die daraus resultierende deutsche Energiewende auf die Zuführungen und Auflösungen von Rückstellungen für nukleare Entsorgungs- und Stilllegungsverpflichtungen in den Konzernabschlüssen der vier größten deutschen Energieversorgungsunternehmen (E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall) ausgewirkt haben.
2.3.1 Gegenwärtige Verpflichtungen
Das erste Kriterium zum Ansatz einer Rückstellung nach IAS 37.14 ist das Bestehen einer Außenverpflichtung (present oblogation). Diese wird in eine rechtliche Verpflichtung (legal obligation) und eine faktische Verpflichtung (constructive obligation) eingeteilt. Gemäß IAS 37.10 können rechtliche Verpflichtungen durch Verträge, Gesetze oder sonstige unmittelbare Auswirkungen anderer Rechtsgrundlagen entstehen, deren Verpflichtung sich das Unternehmen nicht entziehen kann. Vertragliche und gesetzliche sowie öffentlich-rechtliche Schuldverhältnisse gelten ebenfalls als Rechtsgrund. Hierbei muss der Gläubiger nicht bekannt sein, um bilanzbegründend zu wirken, was besonders im Fall des Umweltschutzes seine Wichtigkeit hat.
Eine faktische Verpflichtung ist eine gemäß IAS 37.10 durch Aktivitäten des Unternehmens entstehende Verpflichtung, wenn (a) das Unternehmen durch seine Handlungen in der Praxis, ein bestimmtes Verhalten der Vergangenheit, öffentlich angekündigte Maßnahmen, oder eine spezifische, aktuelle Aussage anderen Parteien gegenüber signalisiert hat bestimmte Verpflichtungen bereitwillig zu übernehmen, und (b) das Unternehmen damit bei den anderen Parteien eine gerechte Erwartung geweckt hat, diesen Verpflichtungen nachzukommen.
Nach IAS 37.14 a) müssen die gegenwärtigen Verpflichtungen aus einem vergangenem Ereignis (past event) entstanden sein. IAS 37.17 bezeichnet ein vergangenes Ereignis, welches zu einer gegenwärtigen Verpflichtung führt, als ein verpflichtendes Ereignis (obligation event). Weiterhin ist dieses Ereignis ein verpflichtendes Ereignis, wenn das Unternehmen keine Alternativen zur Begleichung dieser Verpflichtung zur Verfügung hat. Dies ist der Fall, wenn ein Rechtsweg zur Erfüllung dieser Verpflichtung vollzogen und durchgesetzt werden kann; oder durch ein Ereignis, oder eine Handlung des Unternehmens im Falle einer faktischen Verpflichtung eine gerechtfertigte Erwartung herbeiführt, derer das Unternehmen nachkommen wird.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die krisenhafte Entwicklung des Versorgersektors durch die deutsche Energiewende ein und definiert das Forschungsziel der Untersuchung von Rückstellungsbewegungen.
2 Bilanzierung der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen nach IFRS: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Anforderungen an die Bilanzierung nach dem Atomgesetz sowie die Ansatz- und Bewertungsvorschriften des IAS 37.
3 Bilanzpolitische Gestaltung der Rückstellungen nach internationaler Rechnungslegung: Es werden die Ziele und Instrumente der Bilanzpolitik sowie die bestehenden Gestaltungsspielräume bei der Bemessung von Rückstellungen in den IFRS dargelegt.
4 Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima und der Energiewende auf die Rückstellungen: Dieses Kernkapitel analysiert die politische Entwicklung der Energiewende und stellt die Auswirkungen auf die Rückstellungen der vier größten deutschen Energieversorger quantitativ dar.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach regulatorische Eingriffe die Unternehmen zu erheblichen, jedoch unterschiedlich gehandhabten Rückstellungsanpassungen veranlasst haben.
Rückstellungen, nukleare Entsorgungsverpflichtungen, IFRS, IAS 37, Energiewende, Kernkraftwerke, Bilanzpolitik, Fukushima, Stilllegung, Rückbau, Best Estimate, Diskontierungszins, Energieversorgungsunternehmen, Atomgesetz, Außenverpflichtung.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der durch die Katastrophe von Fukushima ausgelösten Energiewende auf die Bilanzierung nuklearer Rückstellungen bei deutschen Energiekonzernen.
Die zentralen Themen umfassen die IFRS-Bilanzierung, die bilanzpolitischen Spielräume der Unternehmen und die konkrete quantitative Analyse der Rückstellungsbewegungen von 2009 bis 2014.
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Ereignisse von Fukushima und die Änderungen in der deutschen Energiepolitik die Zuführungen und Auflösungen der nuklearen Entsorgungsrückstellungen beeinflusst haben.
Die Arbeit stützt sich auf eine quantitative Auswertung der Konzernberichte der vier größten Energieversorger und korreliert diese mit den politischen Ereignissen im Untersuchungszeitraum.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der IFRS-Bilanzierungsvorschriften und eine detaillierte empirische Untersuchung der Rückstellungsdaten unter Berücksichtigung des regulatorischen Umfelds.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rückstellungen, nukleare Entsorgung, IFRS, Energiewende, Bilanzpolitik und Energieversorgungsunternehmen charakterisiert.
Die Untersuchung zeigt, dass während ein Großteil der Konzerne auf regulatorische Eingriffe mit immensen Zuführungen reagierte, RWE eine abweichende Strategie verfolgte und kontinuierlich Rückstellungen auflöste.
Der Diskontierungszins hat maßgeblichen Einfluss auf die Barwerte der Rückstellungen; das Sinken des Zinsniveaus in Deutschland zwang die Unternehmen zu deutlichen Anpassungen ihrer Bewertungsparameter.
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