Wissenschaftlicher Aufsatz, 2000
16 Seiten
1. Fernsehen als Sozialisationsagent
2. Talkshows im Nachmittagsprogramm
3. Daten und Methode
4. Ergebnisse
4.1 Soziale Konflikte
4.2 Sex und Sexualität
4.3 Schwangerschaft
4.4 Intoleranz / Vorurteile und Aggression / Gewalt
4.5 Aussehen und Süchte
4.6 Lebenskrisen
4.7 Sonstige negative Normabweichung und sonstige Themen
5. Einordnung der Ergebnisse und Relevanz für die Sozialisation
Die Arbeit untersucht die inhaltliche Beschaffenheit von nachmittäglichen TV-Talkshows im deutschsprachigen Raum und analysiert deren potenzielle Auswirkungen auf die Sozialisationsprozesse von Kindern und Jugendlichen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit die dort präsentierten Themen und dargestellten Normabweichungen als indirekte Sozialisationsinstanzen fungieren können.
Fernsehen als Sozialisationsagent
Wohl kaum ein anderer Bereich hat in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften (Pädagogik, Psychologie und Soziologie) eine derart zentrale Bedeutung wie die Sozialisation. Die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen ist mehrdimensional und wird über verschiedene Sozialisationsagenten - wie etwa die Familie oder die Schule - vermittelt (Habermas, 1971, 132). Typisch für die familiale und die schulische Sozialisation ist, daß sie zum einen intentional abläuft. Das heißt, daß der Sozialisationsagent (bspw. der Lehrer oder die Mutter) versucht, zielgerichtet und im Idealfall positiv auf die Entwicklung des Kindes einzuwirken. Die Erreichung des jeweiligen Sozialisationsszieles wird unterstützt durch die Möglichkeit, Kontroll- und Sanktionsmechanismen einzusetzen (Habermas, 1971, 140, Krebs, 1981).
In diesem Sinne kann dem Fernsehen lediglich der Status eines indirekten Sozialisationsagenten zugesprochen werden. „Wenn das Fernsehen hier als Sozialisationsagent angesprochen wird, dann im Hinblick darauf, daß beim Fernsehkonsum indirekte Sozialisationsprozesse stattfinden, die weder intendiert sind, noch mittels sozialer Kontrollmechanismen sanktionsiert werden können.“ (Krebs, 1981). Denn auch wenn Lernprozesse qua Konditionierung oder Trial-and-Error durch das Fernsehen nicht möglich sind, kann der Rezipient (jeden Alters) eine Vielzahl von Codes, Regeln, Verhaltensweisen und Normen anderer durch symbolische Kommunikation lernen. Diese sozialen Lernprozesse werden kognitiv gespeichert und können dauerhafte Handlungsorientierungen mit der Möglichkeit des Transfers auf zukünftige reale Situationen initiieren (Krebs, 1981).
Fernsehen als Sozialisationsagent: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Einordnung des Fernsehens als indirekten Sozialisationsagenten und dessen Bedeutung für das soziale Lernen.
Talkshows im Nachmittagsprogramm: Hier wird der Bedarf für eine empirische Inhaltsanalyse von Talkshows begründet, da für dieses Genre bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen.
Daten und Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen bei der Erhebung und Kategorisierung von insgesamt 428 Talkshow-Titeln im Zeitraum von März bis Mai 1998.
Ergebnisse: Das umfangreichste Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der Themenvielfalt, wobei soziale Konflikte und sexuelle Themen den größten Raum einnehmen.
Einordnung der Ergebnisse und Relevanz für die Sozialisation: Das Fazit verknüpft die empirischen Befunde mit medienpädagogischen Ansätzen und warnt vor einer drohenden Kontrollverschiebung in der Erziehung.
Sozialisation, Medienkonsum, Talkshows, Medienwirkungsforschung, Sozialisationsagent, Medieninhaltsanalyse, soziale Konflikte, Sexualität, Fernsehen, Medienpädagogik, Normabweichung, Jugendliche, TV-Inhalte, Indirekte Sozialisation
Die Arbeit analysiert, welche Themen in nachmittäglichen deutschen Talkshows dominieren und welche Rolle diese Medieninhalte als indirekte Sozialisationsinstanzen für Kinder und Jugendliche spielen.
Die Analyse zeigt, dass soziale Konflikte, sexuelle Themen, Schwangerschaft, Intoleranz, Gewalt sowie Lebenskrisen und negative Normabweichungen die Hauptinhalte bilden.
Das Ziel ist es, die Relevanz der dargestellten Talkshow-Inhalte für die Sozialisation zu bestimmen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Eltern als Kontrollinstanz durch die Mediennutzung im Kinderzimmer zunehmend an Einfluss verlieren.
Es wurde eine deskriptive, univariate Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der die Titel von 428 Talkshows als Indikator für den Inhalt herangezogen und in einem Kategorisierungsschema ausgewertet wurden.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten statistischen Auswertung und Präsentation der verschiedenen Themenkategorien, illustriert durch zahlreiche Fallbeispiele aus den Sendungstiteln.
Die zentralen Schlagworte sind Sozialisation, Medienkonsum, Talkshows, Medienwirkungsforschung, soziale Konflikte und Medienpädagogik.
Das Fernsehen ist indirekt, da es keine zielgerichteten, intentionalen Erziehungsbemühungen verfolgt und keine sozialen Kontroll- oder Sanktionsmechanismen besitzt, um die Wirkung der gesendeten Inhalte zu steuern.
Der Autor warnt davor, dass durch das Vorhandensein von TV und Internet im Kinderzimmer die elterliche Interpretations- und Kontrollfunktion schwindet, wodurch das Kind den gezeigten normabweichenden Werten der Talkshows unkommentiert ausgesetzt ist.
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