Diplomarbeit, 2004
106 Seiten, Note: 1
1. Einführung ins Creative Writing
2. Creative Writing in der Bundesrepublik Deutschland
2.1. Das IKS Institut für Kreatives Schreiben in Berlin
2.2. Der Segeberger Kreis
2.3. Kreatives Schreiben an den Volkshochschulen
2.4. Creative Writing an den Hochschulen
2.5. Deutsches Literaturinstitut Leipzig
2.6. Creative Writing an der Fachhochschule Wiesbaden
2.7. Kommentar
3. Schreibmethoden des Creative Writing
3.1. Cut-Up: Vom Schnitt der Zeilen
3.2. Vom Klangbild der Zeilenbrüche
4. Autobiografisches Schreiben
4.1. Die erste Kindheitserinnerung
4.2. „Wer bin ich?“
4.3. Der Zwei - Minuten - Text
4.4. „Zehn Höhepunkte aus meinem Leben“
4.5. Ein Geheimnis
5. Therapeutische Ansätze des Creative Writing
5.1. Das Cluster – Von der Ordnung im Chaos
5.2. Kindheitsmuster – die Ursprünge des natürlichen Schreibens
5.3. Die Interaktion der beiden Gehirnhälften
5.4. Fragen an Prof. Dr. Barbara Schulte – Steinicke
5.5. Das Cluster im autobiografischen Textlabor
5.6. Flow im Creative Writing
6. Heilende Poesie im Creative Writing
6.1. Die Prinzhornsammlung
6.2. Das Haiku – Meditation der Silben
6.2.1. Die Wurzeln der Haiku Dichtung
6.2.2. Was ist ein Haiku?
7. Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten
7.1. Erinnern
7.2. Wiederholen
7.3. Durcharbeiten
8. Creative Writing Seminar an der Fachhochschule Wiesbaden
8.1. Creative Writing Seminarplan „Wie schreibe ich einen guten Text?“
8.1.1. Die erste Sitzung
8.1.2. Reflexion der ersten Sitzung
8.2. Der Golfkrieg: Die aktuellen Ereignisse
8.2.1. Mein politisches Tagebuch – Aufzeichnungen von Dunja Sand
8.3. Reflexion der SeminarteilnehmerInnen Gabi Lauf und Dunja Sand
9. Das INKAS Institut für Kreatives Schreiben in Bad Kreuznach
9.1. Die Konzeption der intensiven Vermittlung von Creative Writing
9.2. Die einführenden Seminare mit thematischem Bezug
9.3. „edition maya“ – ein Verlag
9.3.1. Die Literaturzeitschrift eXperimenta
9.3.2. Die Lesungen
9.4. Intensive Vermittlung des Creative Writing - Reflexion von Theo Schmich
10. Die AutorInnenlesung
10.1. Die Idee
10.2. Das Publikum als Resonanzraum
10.3. Der Ort der Lesung
10.4. Das Zeitfenster
10.5. Die Öffentlichkeitsarbeit
10.6. Das Setting
10.7. Das Seminar zum Thema
11. Creative Writing als sozialpädagogisches Instrumentarium
11.1. Zehn Thesen zum Wert des therapeutischen Schreibens von Adams
11.2. Clustering ein Indikator der persönlichen Entwicklung
11.3. Fragen an Prof. Dr. Lutz von Werder
11.4. Ein Interview mit Helen Loewel, Autorin aus Berlin
11.5. Haiku - Dichtung in der Montessori Grundschule Wiesbaden
12. Interne Auswertung der Seminare
12.1. Das Schreib und Leseverhalten der SeminarteilnehmerInnen
12.2. Bewusstes literarisches Schreiben
12.3. Veränderung des Schreibstils
12.4. Zufriedenheit mit Aufbau und Inhalt der Seminare
12.5. Kommentar
13. Creative Writing mit Gruppen und die kritische Reflexion eigener Erfahrungen
14. Resümee
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Methoden des "Creative Writing" als sozialpädagogisches Instrumentarium. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und wie die Techniken des kreativen Schreibens genutzt werden können, um individuelle Entwicklungsprozesse von Klienten zu unterstützen und als psychosoziale Methode in die sozialpädagogische Praxis zu integrieren.
3.1. Cut-Up: Vom Schnitt der Zeilen
Das „Cut-Up“ wurde durch den rumänischen Dadaisten Tristan Tzara für die Dichtkunst etabliert. Er zerschnitt die Seite einer Tageszeitung, legte die Papierschnipsel, auf denen Sätze, Satzfragmente, Worte, Wortfetzen standen, in einen Hut, um sie danach wahllos wieder aus dem Hut zu ziehen und diese Zeilenstücke zu einem Gedicht zusammenzusetzen. Experimentelle DichterInnen haben diese Vorgehensweise übernommen, die auch in der modernen Lyrik noch praktiziert wird. William S. Burroughs, ein amerikanischer Dichter, ging sogar so weit, einen ganzen Roman mit dem Titel Nova Express, der erstmals im Jahre 1964 erschienen ist, in Cut-Up-Technik zu schreiben. In einem Interview, erklärt er die Technik des Cut-Up so:
„Ich würde einfach sagen, dass meine interessanteste Erfahrung mit den früheren Techniken die Erkenntnis war, dass man bei Cut-Up nicht einfach völlig zufällige Nebeneinanderstellungen von Wörtern erhält, sondern, das sie etwas bedeuten und dass sich diese Bedeutungen oft auf ein zukünftiges Ereignis beziehen (Burroughs: Gespräche mit Daniel Odier: 12).
Das Cut-Up also ein Runenorakel der Neuzeit? SchriftstellerInnen und DichterInnen, die sich dieser Technik bedienen, arbeiten ähnlich wie FilmemacherInnen: Bilder, Szenen und „O-Töne“1 werden geschnitten (Cut) und dann wieder zu einem lyrischen Gesamtwerk zusammengefügt. Der Schnitt der Zeilen lässt ebenso wie der Zeilenbruch ein neues Bild bei den RezipientInnen entstehen. Das Gedicht im Kopf entsteht da, wo der Schnitt ist. Im Klartext: Unter dem gedruckten Vers verbirgt sich noch ein anderes Gedicht, das nur darauf wartet, abgerufen zu werden.
1. Einführung ins Creative Writing: Definition des Begriffs sowie Einordnung der Methode in den US-amerikanischen Kontext und ihre heutige Verbreitung im deutschen Bildungssektor.
2. Creative Writing in der Bundesrepublik Deutschland: Überblick über die historische Entwicklung der Schreibbewegung in Deutschland und Vorstellung relevanter Institute.
3. Schreibmethoden des Creative Writing: Darstellung experimenteller Techniken wie "Cut-Up" und die Bedeutung von Zeilenbrüchen für die Wahrnehmung von Lyrik.
4. Autobiografisches Schreiben: Erläuterung von Methoden, die den persönlichen Erfahrungsfundus nutzen, um schreibend innere Entwicklungsprozesse anzustoßen.
5. Therapeutische Ansätze des Creative Writing: Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Gestalttherapie und Schreiben, insbesondere durch Methoden wie das "Clustering".
6. Heilende Poesie im Creative Writing: Analyse der heilenden Wirkung von Sprache und Texten auf die Seele sowie Vorstellung historischer und moderner Dichtformen wie des Haiku.
7. Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten: Beschreibung der psychoanalytisch geprägten Triade als Grundstruktur für die Arbeit an der eigenen Lebensgeschichte.
8. Creative Writing Seminar an der Fachhochschule Wiesbaden: Praktischer Erfahrungsbericht aus der Leitung studentischer Seminare und der Reflexion der dort entstandenen Texte.
9. Das INKAS Institut für Kreatives Schreiben in Bad Kreuznach: Vorstellung des didaktischen Konzepts und der Verlagsarbeit des Instituts.
10. Die AutorInnenlesung: Leitfaden zur Organisation, Durchführung und Reflexion von Lesungen als Teil des Schreibprozesses.
11. Creative Writing als sozialpädagogisches Instrumentarium: Zusammenfassende Diskussion über den Wert therapeutischen Schreibens und Ergebnisse von Fallbeispielen.
12. Interne Auswertung der Seminare: Statistische Analyse des Schreib- und Leseverhaltens sowie der Zufriedenheit von Seminarteilnehmenden.
13. Creative Writing mit Gruppen und die kritische Reflexion eigener Erfahrungen: Persönliche Rückschau des Autors auf seine Entwicklung als Kursleiter und Schriftsteller.
14. Resümee: Zusammenfassende Antwort auf die Ausgangsfrage und Ausblick auf die Integration des Creative Writing in den sozialpädagogischen Berufsalltag.
Creative Writing, Kreatives Schreiben, Autobiografisches Schreiben, Sozialpädagogik, Schreibwerkstatt, Gestalttherapie, Haiku, Clustering, Freewriting, Schreibblockaden, Selbsterkenntnis, Heilende Poesie, Literatur, Schreibforschung, Lebensgeschichte.
Die Arbeit untersucht das kreative Schreiben als Instrumentarium innerhalb der Sozialpädagogik, um persönliche Reflexionsprozesse und die kreative Entfaltung von Individuen zu unterstützen.
Zu den Schwerpunkten gehören Methoden des autobiografischen Schreibens, therapeutische Ansätze im Schreibprozess, die Organisation von Schreibseminaren sowie der Vergleich zwischen US-amerikanischer Schreibkultur und deutschen Ansätzen.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Creative Writing als wirksame Methode in der sozialpädagogischen Praxis eingesetzt werden kann, um Menschen bei der Bewältigung ihrer Lebensgeschichte zu helfen.
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literaturanalyse zu Schreibtheorien sowie einer aktionsorientierten Untersuchung, die auf eigenen Erfahrungen des Autors als Dozent und Kursleiter beruht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Schreibmethoden, therapeutische Anwendungsmöglichkeiten, Berichte aus der Seminarleitung an der FH Wiesbaden und dem INKAS-Institut sowie Tipps zur praktischen Organisation von Autorenlesungen.
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie "Creative Writing", "autobiografisches Schreiben", "sozialpädagogisches Instrumentarium", "Clustering" und "Heilende Poesie".
Clustering wird als wirkungsvolles gestalttherapeutisches Werkzeug hervorgehoben, das visuelle und kognitive Aspekte verknüpft, um das "Chaos der Gefühle" zu ordnen und den Schreibprozess in Gang zu bringen.
Haiku dienen als methodisches Mittel, um durch die strenge Begrenzung auf drei Zeilen und siebzehn Silben eine meditative Konzentration zu erzielen und das kreative Potenzial der Schreibenden gezielt zu aktivieren.
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