Bachelorarbeit, 2015
33 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Einordnung Foucaults in die Politische Theorie
2.1. Der „Antikontraktualist“ Foucault
2.2. Der „Experimentator“ Foucault
2.3. Machtanalyse statt Machttheorie
3. Macht und Widerstand
3.1. Traditioneller Macht- und Widerstandsbegriff
3.2. Foucaults Machtbegriff
3.2.1. Gleichzeitigkeit von Macht und Widerstand
3.2.2. Produktivität der Macht
3.2.2.1. Das Sexualitätsdispositiv
3.2.2.2. Die Illusion der Befreiung
3.2.3. Implikationen für den Widerstandsbegriff
3.2.3.1. Widerstand als Ethos
3.2.3.2. Widerstand als Kritik
4. Kritik an Foucault
4.1. Fraser
4.2. Habermas
4.3. Lemke
5. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das innovative Potenzial von Michel Foucaults Macht- und Widerstandskonzeption, insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeiten individuellen Widerstands jenseits klassischer normativistisch-liberaler Begründungspflichtigkeit.
3.2.3.1. Widerstand als Ethos
In einem Interview, in dem Foucault die Erweiterung seiner Machtanalytik hin zum Subjekt implizit andeutet, macht er deutlich, dass sich das Subjekt einerseits „über Praktiken der Unterwerfung konstituiert“ und „auf autonomere Art und Weise – über Praktiken der Befreiung und der Freiheit“ (Foucault 1984c: 138). Hier wird meines Erachtens deutlich, dass es nicht nur ein reines, von der Macht produziertes Disziplinarindividuum gibt, sondern auch die jeweilige Möglichkeit, die im Individuum selbst liegt, ein „philosophische[s] ethos […] als eine Grenzhaltung“ (Foucault 1984a: 702; Kursivdruck im Original) auszubilden. Es gelte, sich in „permanente[r] Kritik unserer selbst […] [im] Modus eines reflexiven Verhältnisses zur Gegenwart“ (Foucault 1984a: 700) zu üben. Foucault macht deutlich, dass es sich dabei ,,nicht um ein Verweigerungsverhalten“ handele, vielmehr gelte es ,,an den Grenzen [zu] sein“ (Foucault 1984a: 700). Es gehe darum, eine „experimentelle Haltung“ (Foucault 1984a: 703) einzunehmen und somit eine „kritische Ontologie unserer selbst“ (Ebd.) auszubilden, die uns dazu animieren solle, „eine historisch-praktische Erprobung der Grenzen, die wir überschreiten können [vorzunehmen], und damit […] [um eine] Arbeit von uns selbst an uns selbst, insofern wir freie Wesen sind“ (Foucault 1984a: 704).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung ein, wie Widerstand in Foucaults omnipräsentem Machtnetz überhaupt möglich und normativ zu begründen ist.
2. Einordnung Foucaults in die Politische Theorie: Hier wird dargelegt, warum Foucault sich als Antikontraktualist und Experimentator versteht und stattdessen eine Machtanalyse anstelle einer starren Machttheorie propagiert.
3. Macht und Widerstand: In diesem Hauptkapitel wird aufgezeigt, dass bei Foucault Macht und Widerstand in einem relationalen, produktiven Verhältnis stehen, wobei Konzepte wie Ethos und Kritik als Widerstandsformen entwickelt werden.
4. Kritik an Foucault: Dieses Kapitel behandelt die kritischen Positionen von Nancy Fraser und Jürgen Habermas sowie die entlastende Interpretation durch Thomas Lemke.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das innovative Potenzial von Foucaults Ansatz, das darin besteht, das Subjekt jenseits normativer Zwänge als Kunstwerk zu begreifen.
Michel Foucault, Machttheorie, Widerstand, Gouvernementalität, Machtanalyse, Disziplinarmacht, Sexualitätsdispositiv, Ethos, Kritik, Subjektivierung, Normativität, Thomas Lemke, Jürgen Habermas, Nancy Fraser, Machtbeziehungen.
Die Arbeit analysiert Foucaults Macht- und Widerstandsbegriff, um aufzuzeigen, wie individueller Widerstand auch ohne explizite liberale Normen möglich und sinnvoll ist.
Die zentralen Felder sind die Einordnung Foucaults in die politische Theorie, die Relation von Macht und Widerstand sowie die Kritik an der normativen Ausrichtung etablierter Gesellschaftstheorien.
Das Ziel ist es, das innovative Potenzial von Foucaults machtanalytischem Ansatz hervorzuheben, das besonders in seinem Spätwerk durch die Hinwendung zum Subjekt und zur Ethik deutlich wird.
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, indem sie Foucaults Texte und die Sekundärliteratur zu seinem Machtverständnis systematisch auf ihr Potenzial für Widerstandskonzepte untersucht.
Im Hauptteil werden Foucaults Machtbegriff, seine theoretische Abgrenzung gegenüber klassischen Theorien und die spezifischen Widerstandsformen „Ethos“ und „Kritik“ detailliert erarbeitet.
Wichtige Begriffe sind Machtanalyse, Widerstand, Ethos, Kritik, Disziplinarmacht, Gouvernementalität und die Abkehr von klassischen normativen Begründungsmodellen.
Habermas kritisiert Foucaults Machtbegriff als normativ „leer“, während Foucault Macht als produktives, kapillar wirkendes Netz begreift, das Kommunikation und Subjekte erst hervorbringt, statt sie nur zu unterdrücken.
Es dient als Beispiel dafür, wie Macht nicht nur unterdrückt, sondern durch Diskurse Wissen und Identitäten „produziert“, um die Illusion einer rein „natürlichen“ Sexualität zu entlarven.
Die Grenzhaltung (Ethos) ist entscheidend, da sie dem Individuum ermöglicht, sich reflexiv zu den Machtmechanismen seiner Zeit zu verhalten, ohne auf vordefinierte, universelle Normen zurückgreifen zu müssen.
Dies beschreibt Foucaults ethisches Angebot, die eigene Existenz und das Selbstbild bewusst aus den von Machtstrukturen vorgegebenen Nützlichkeitskriterien zu lösen und sich stattdessen aktiv selbst zu gestalten.
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