Bachelorarbeit, 2014
49 Seiten, Note: 1.7
1. Aufbruch nach Italien
1.1 Die Autoren und ihre Motive
1.2 Durch Italien nach Rom
1.3 Das Ziel der deutschen Pilger: Venedig
2. Italienfaszination
2.1 Historischer und mythischer Magnet
2.2 Zentrum der Christenheit
2.3 Weltliche Erlebnisse, Kunst, Kultur und Wirtschaft
3. Wertung eines Italienerlebnisses
3.1 Lobpreisung
3.2 Kritik
3.3 Italienbild zwischen Heimat und Fremde
Die vorliegende Arbeit untersucht das spezifische Bild Italiens, wie es sich in den Reise- und Pilgerberichten deutscher Autoren des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts widerspiegelt. Ziel ist es, die Wahrnehmung des nahen, doch kulturell andersartigen Landes durch die Analyse von Reiseerlebnissen, religiöser Motivation und weltlicher Faszination zu durchleuchten und dabei einzugrenzen, inwieweit Italien als Fremd- oder Heimatbild konstruiert wurde.
1.1 Die Autoren und ihre Motive
Diese Arbeit behandelt das Thema anhand von vier Hauptwerken deutscher Pilgerberichte des 15. sowie beginnenden 16. Jahrhunderts. Es erachtet sich als wichtig, zum besseren Verständnis des Reiseweges, der Umstände und Zielsetzungen, die Autoren kurz darzustellen und ihre Intentionen sowie ihre Voraussetzungen zur Bildung eines Italienbildes nachvollziehbar zu machen.
Der erste wichtige Autor ist der selbstdeklarierte Pilger und Dichter Arnold von Harff. Zu Beginn und zum Schluss seines Werkes bezeichnet er sich als ebensolcher. Der junge Edelmann besaß die besten Voraussetzungen zum Bestreiten und Verfassen einer solchen strapaziösen und abenteuerlichen Reise. Er wuchs am Niederrhein bei Kaster nahe Bedburg auf und schrieb sich mit zwölf Jahren in der Artistenfakultät der Universität Köln ein. Dort absolvierte er ein Grundstudium, legte aber kein besonderes Examen ab. Immerhin konnte er sich so eine bestimmte Bildung aneignen, welche ihm beim Verfassen seines Pilgerberichtes zugutekommen sollte. Im Alter von 16 Jahren trat er in den Dienst des Jülicher Herzogs, welchem er auch seinen Reisebericht widmete. Nach der Rückkehr von seiner Reise verfasste Arnold sein Reisetagebuch, welches zu dieser Zeit äußerst hoch geschätzt wurde und sozusagen sein einziger großer Verdienst für seine Heimat blieb, da er früh mit 34 Jahren 1505 verstarb.
Eben weil er auch aus adeligem Hause stammte, das auf eine 170 jährige Geschichte zurückgreifen konnte, besaß er somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein solches Unternehmen, die finanziellen Möglichkeiten. Die eigentlichen durchschnittlichen Pilger jener Zeit waren auf Spenden und etwaige Hilfe von Außenstehenden angewiesen. Man musste sich auf seine Pilgergruppe verlassen oder man war der Fremde völlig schutzlos ausgeliefert. Arnold von Harff hatte es in dieser Hinsicht komfortabler: Er reiste stets mit Kaufleuten, da diese Sprache, Landschaft und Wege kannten und darüber hinaus auch noch sehr gesellige Zeitgenossen waren.
1. Aufbruch nach Italien: In diesem Kapitel werden die vier zentralen Autoren (Arnold von Harff, Konrad Grünemberg, Felix Fabri, Bernhard von Breydenbach), ihre biografischen Hintergründe, ihre Reisebeweggründe sowie die Reiserouten nach Italien und Venedig vorgestellt.
2. Italienfaszination: Das Kapitel beleuchtet, weshalb Italien auf die Pilger eine solche Anziehungskraft ausübte, wobei die historische und mythische Ausstrahlung, die religiöse Bedeutung als Zentrum der Christenheit sowie weltliche Erlebnisse in Kunst, Kultur und Wirtschaft im Fokus stehen.
3. Wertung eines Italienerlebnisses: Hier werden die subjektiven Wertungen der Pilger analysiert, wobei zwischen der Lobpreisung Venedigs, kritischen Stimmen gegenüber römischen oder lokalen Zuständen und der abschließenden Einordnung des Italienbildes im Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremde unterschieden wird.
Italienbild, Pilgerberichte, Spätmittelalter, Venedig, Rom, Arnold von Harff, Pilgerreise, Reliquien, Renaissance, Frömmigkeit, Reisebericht, Fremdbild, Heimatbild, Kulturraum, Bernhard von Breydenbach
Die Arbeit analysiert, wie deutsche Pilger des 15. und 16. Jahrhunderts das Land Italien in ihren Reiseberichten wahrgenommen, bewertet und literarisch festgehalten haben.
Die zentralen Felder umfassen die individuelle Motivation der Reisenden, die religiöse Bedeutung Italiens als Zentrum der Christenheit sowie die weltliche Faszination für die aufkommende Renaissance und die wirtschaftliche Macht der Stadtstaaten.
Ziel ist es, das spezifische Italienbild dieser Pilger zu rekonstruieren und zu prüfen, ob Italien eher als vertraute christliche Heimat oder als fremde, faszinierende Welt wahrgenommen wurde.
Der Autor führt eine textanalytische Untersuchung von vier repräsentativen Pilgerberichten durch, wobei er diese mit dem historischen Kontext und aktueller Forschungsliteratur vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Autoren, die Analyse der spezifischen Italienfaszination und die kritische Wertung des Erlebten durch die Pilger.
Zu den prägenden Begriffen zählen Italienbild, Pilgerberichte, Spätmittelalter, Venedig, Rom, sowie das Spannungsfeld zwischen religiöser Erbauung und weltlicher Kritik.
Venedig fungierte für die Pilger als unverzichtbarer Knotenpunkt für die Weiterreise ins Heilige Land, bot aber durch seinen Reichtum, seine Handelsstrukturen und Feste auch ein eigenständiges, faszinierendes Erlebnis, das über die rein religiöse Intention hinausging.
Die Pilger, insbesondere Arnold von Harff, zeigen eine zunehmende Skepsis gegenüber der römischen Kurie und dem Verhalten lokaler geistlicher Würdenträger, was als Vorbote für eine reformatorische Kritik gewertet werden kann.
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