Bachelorarbeit, 2014
50 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Theoretischer Rahmen: Der vergesellschaftete Körper
1. Versuch einer Definition
2. Normen, Werte und Tabus
3. Weiblichkeit und Repräsentation
3.1 Die Angst vor dem Unterleib
3.2 Körper en vogue
Diskursive Feuchtgebiete: Normalität und Natürlichkeit
1. Die Erzählung
2. Vater der Natur – Mutter der Kultur
3. Die intime Rebellion der Helen Memel
4. Poetik des (versehrten) Körpers
5. Die Lust am Leib
Fazit: Rebellion gegen den vergesellschafteten Körper
Die vorliegende Arbeit untersucht Charlotte Roches Debütroman Feuchtgebiete als gegenhegemoniale Schrift im Kontext zeitgenössischer Körperdiskurse. Das primäre Ziel ist es, das subversive Potenzial und die Rebellion der Protagonistin Helen Memel gegen gesellschaftliche Normen, insbesondere in Bezug auf Hygiene und Sexualität, kritisch zu analysieren.
1. Die Erzählung
„Solange ich denken kann habe ich Hämorrhoiden.“, gesteht die Protagonistin Helen Memel gleich zu Beginn des Romans und stellt sich so dem impliziten Leser vor. Im direkten Anschluss berichtet die Ich- Erzählerin ausführlich von ihren Hämorrhoiden, wie sie aussehen und behandelt werden, um dazu überzugehen, dass sie trotz des Leidens erfolgreichen Analverkehr vollziehen kann. Die 18-jährige Heldin tritt dem Leser von Anfang an mit einer schonungslosen Offenheit entgegen und präsentiert damit einen Ausblick auf das Kommende. „Viele, viele Jahre habe ich gedacht, ich dürfte das keinem sagen.“, vertraut Helen dem Leser noch an, um sich diesem nunmehr extensiv zu offenbaren.
Die gesamte Erzählung findet im Rahmen des Krankenhausaufenthaltes der Protagonistin statt. Aufgrund einer beim Rasieren zugefügten Analfissur, die unter dem Druck der erwähnten Hämorrhoiden immer weiter einreißt, muss sich die Romanfigur einer Operation unterziehen und einige Tage auf der proktologischen Abteilung des Hospitals verbringen. Der Leser verfolgt in dieser Zeit die Gedanken der Patientin, die hedonistisch um den menschlichen Körper, Hygiene, Sexualität, aber auch um ihre Familie zirkulieren - wobei eine Kombination der Themenfelder unausweichlich ist. Das Krankenhaus als Wirkungskreis liefert Helen die Möglichkeit, sich der Lust an ihrem versehrten Körper zu widmen und Hygieneregeln, die hier einen besonders hohen Stellenwert haben, in Frage zu stellen beziehungsweise sich ihnen zu widersetzen.
„Ich liege hier so rum, und weil mir der Arsch so wehtut und jede Bewegung, bedecke ich mich nicht mehr. Jeder kommt rein, sieht meine klaffende Fleischwunde und ein Stück meiner Pflaume [einen Teil ihrer Vagina]. Da gewöhnt man sich schnell dran. Nix ist mehr peinlich. Ich bin Arschpatientin. Das sieht man und so benehme ich mich auch.“
Einleitung: Hinführung zur Fragestellung des vergesellschafteten Körpers anhand der Romane The Picture of Dorian Gray und Feuchtgebiete.
Theoretischer Rahmen: Der vergesellschaftete Körper: Erläuterung der soziologischen Grundlagen von Körperbildern, Habitus, Normen und Machtmechanismen nach Bourdieu, Elias und Foucault.
Versuch einer Definition: Theoretische Herleitung des Begriffs des vergesellschafteten Körpers im soziologischen Diskurs.
Normen, Werte und Tabus: Definition der soziokulturellen Mechanismen, die Körperverhalten reglementieren und Abweichungen als "abnormal" markieren.
Weiblichkeit und Repräsentation: Dekonstruktion historisch gewachsener und medial transportierter Weiblichkeitsbilder.
Die Angst vor dem Unterleib: Untersuchung der historischen Tabuisierung des weiblichen Genitalbereichs und der Menstruation.
Körper en vogue: Analyse des modernen Schönheitskults und der Disziplinierung durch den "Rasurzwang" und Fitnessideale.
Diskursive Feuchtgebiete: Normalität und Natürlichkeit: Überleitung zur Analyse des Romans als gegenhegemoniale Schrift.
Die Erzählung: Untersuchung der narrativen Technik und der Glaubwürdigkeit der Ich-Erzählerin Helen Memel.
Vater der Natur – Mutter der Kultur: Analyse der antagonistischen Mutter-Tochter-Beziehung als Spiegel von Kultur- und Naturpolen.
Die intime Rebellion der Helen Memel: Untersuchung von Helens Experimenten als bewusste Abkehr von eingelernten Hygieneregeln.
Poetik des (versehrten) Körpers: Analyse der sprachlichen Neuschöpfungen Helens zur Enttabuisierung ihres Genitals.
Die Lust am Leib: Betrachtung der Lust und Selbstexploration der Protagonistin als aktiver Akt der Selbstbestimmung.
Fazit: Rebellion gegen den vergesellschafteten Körper: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse über das subversive Potenzial des Romans.
Feuchtgebiete, Charlotte Roche, Helen Memel, vergesellschafteter Körper, Körperdiskurse, Hygiene, Weiblichkeit, Tabubruch, Disziplinierungsmacht, Habitus, Sexualität, Körperbilder, gegenhegemonial, Subversion, Körpertechniken.
Die Arbeit analysiert Charlotte Roches Roman Feuchtgebiete soziologisch, um zu untersuchen, wie die Protagonistin durch ihr Verhalten und ihre Sicht auf den eigenen Körper gesellschaftliche Normen und Tabus hinterfragt.
Die Arbeit behandelt die Bereiche Körpersoziologie, Hygienenormen, Weiblichkeitskonstruktionen, die Bedeutung von Ekel und Scham sowie die Macht der sozialen Disziplinierung.
Ziel ist es, den Roman als "gegenhegemoniale Schrift" zu identifizieren, die den "vergesellschafteten Körper" kritisiert und das subversive Potenzial von Helen Memels Erzählweise aufzuzeigen.
Die Arbeit verbindet interdisziplinär sozialwissenschaftliche Ansätze (u.a. von Pierre Bourdieu, Michel Foucault und Norbert Elias) mit literaturwissenschaftlichen Analysen des Romans.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Definition des vergesellschafteten Körpers) und einen empirischen Teil, in dem konkrete Aspekte des Romans – wie die Mutter-Tochter-Beziehung oder Helens "Muschistudien" – analysiert werden.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Feuchtgebiete, vergesellschafteter Körper, Tabubruch, Disziplinierung, Habitus, Hygiene und weibliche Körperinszenierung.
Die Mutter fungiert im Roman als Repräsentantin des "vergesellschafteten Körpers" und der kulturellen Normen, gegen die Helen Memel aktiv opponiert; ihr Verhalten macht Helens Rebellion erst greifbar.
Der "versehrte Körper" Helen Memels dient als Kontrastpunkt zur gesellschaftlichen Forderung nach einem makellosen, gesunden Äußeren; durch die Umdeutung der Versehrtheit entzieht sich die Protagonistin der gesellschaftlichen Abwertung.
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