Bachelorarbeit, 2016
31 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Soziohistorische Rahmenbedingungen
3. Expressionismus – ein Überblick
3.1. Die „expressionistische Generation“
3.2. Lyrik des Expressionismus
4. Die Großstädte und das Geistesleben
4.1. Rationalisierung
4.2. Individualismus und Freiheit
4.3. Entfremdung und Dissoziation
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das ambivalente Spannungsverhältnis der expressionistischen Lyriker zur modernen Großstadt. Ausgehend von Georg Simmels kulturphilosophischer Analyse des großstädtischen Geisteslebens wird erforscht, wie die Expressionisten die Erfahrungen von Industrialisierung, Urbanisierung und technischem Fortschritt in ihrer Literatur verarbeiteten und welche Rolle das Sujet der Großstadt als Ausdruck einer existenziellen Krise des modernen Subjekts einnimmt.
Die „expressionistische Generation“
Trotz Stilpluralismus und thematischer Heterogenität, stellt Paul Raabe in seinem bibliographischen Handbuch Die Autoren und Bücher des literarischen Expressionismus biographische Gemeinsamkeiten fest, unter deren Akzentuierung von einer „expressionistischen Generation“ (1985: 7) gesprochen werden kann:
„Die zwischen 1885 und 1896, also einem Zeitraum von 12 Jahren geborenen Autoren, die zwischen 1910 und 1921 Fünfundzwanzigjährigen, machen zwei Drittel aller am Expressionismus beteiligten Schriftsteller aus. […] Mehr als 80% aller späteren Autoren waren Akademiker. […] Fast alle kamen aus gutbürgerlichen Milieu, hatten höhere Schulen, meist Gymnasien besucht und waren oft Söhne von Akademikern. […] Jeder zehnte spätere Autor des Expressionismus war in der Hauptstadt des Reiches und Preußens geboren. Viele kamen in jungen Jahren nach Berlin oder studierten dort an der Universität.“ (Ebd.: 7f.)
Paul Raabe ergänzt, dass viele Expressionisten ihre Jugend in den strengen Schulen der Jahrhundertwende verbracht hatten und deren erstarrte Formen den „Oppositionsgeist“ mitgeprägt hätten, der sich gegen die Autorität der Gründergeneration richtete und mit dem ein Verlangen nach „Freiheit und neuer Gemeinschaft“ einherging (vgl.1985: 8). Dem Bürgertum waren die Expressionisten jedoch näher als sie selbst glaubten. Viele von ihnen gingen nach oder während der Zeit des Expressionismus einem bürgerlichen Beruf nach. Sie waren z.B. Ärzte, Juristen, Anwälte, Studienräte, Dozenten und Professoren (vgl. ebd.: 12).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die sozialgeschichtliche Situation Deutschlands zur Jahrhundertwende ein und formuliert die zentrale These der Arbeit hinsichtlich des ambivalenten Verhältnisses der Expressionisten zur Großstadt.
2. Soziohistorische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die rapide Verstädterung und Industrialisierung Deutschlands zwischen 1800 und dem Ersten Weltkrieg als Voraussetzung für die Entstehung der urbanen Moderne.
3. Expressionismus – ein Überblick: Dieser Abschnitt definiert den literarischen Expressionismus, untersucht die Gemeinsamkeiten der beteiligten Akteure und beleuchtet die Rolle der urbanen Zentren für das künstlerische Schaffen.
4. Die Großstädte und das Geistesleben: Dieses Kapitel verknüpft Georg Simmels soziologische Beobachtungen mit der expressionistischen Literatur und analysiert die Auswirkungen auf das moderne Subjekt hinsichtlich Rationalisierung, Individualität und Entfremdung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Großstadterfahrung der Expressionisten eine tiefgreifende Ambivalenz zwischen Freiheitsgewinn und existentieller Entfremdung widerspiegelt.
Expressionismus, Großstadtlyrik, Georg Simmel, Moderne, Industrialisierung, Ichdissoziation, Urbanisierung, Entfremdung, Reihungsstil, wilhelminische Gesellschaft, Großstadtbewusstsein, Kulturpessimismus, Subjekt, Bohème, Rationalisierung
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Auseinandersetzung expressionistischer Autoren mit der modernen Großstadt und untersucht, wie die soziokulturellen Veränderungen dieser Ära die Lyrik beeinflusst haben.
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Industrialisierung, die Rolle Berlins als kulturelles Zentrum, das Leben in der Bohème sowie das Spannungsverhältnis zwischen dem Individuum und der urbanen Masse.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu belegen, dass die Expressionisten die Großstadt nicht eindimensional wahrnahmen, sondern als einen ambivalenten Ort zwischen Abenteuer, Freiheit und existenzieller Bedrohung darstellten.
Die Untersuchung basiert auf einem sozialgeschichtlichen Ansatz, der Literatur als Ausdruck politischer, ökonomischer und sozialer Faktoren betrachtet und diese mit soziologischen Theorien, insbesondere von Georg Simmel, in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die soziohistorischen Rahmenbedingungen, einen Überblick über den Expressionismus sowie eine detaillierte Analyse der Großstadterfahrung hinsichtlich Rationalisierung, individueller Freiheit und psychologischer Dissoziation.
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Expressionismus, Großstadtlyrik, Moderne, Ichdissoziation und Entfremdung beschreiben.
Georg Simmels Essay „Die Großstädte und das Geistesleben“ dient als theoretisches Fundament, um die psychologischen Belastungen der Städter und deren Niederschlag in der expressionistischen Ästhetik zu erklären.
Die Arbeit zeigt, dass die Expressionisten das „Hässliche“ gezielt einsetzten, um sich von traditionellen bürgerlichen Normen abzugrenzen und die Zerissenheit des modernen Lebens radikal darzustellen.
Der Reihungsstil wird als formale Antwort auf die beschleunigte, wahrnehmungsintensive Lebenswelt der Großstadt interpretiert, um das Gefühl der Simultanität und des Kontinuitätsverlusts abzubilden.
Ja, die Arbeit geht kurz auf die Rolle der weiblichen Akteure sowie auf die Darstellung von Prostituierten ein, die als ambivalente Sinnbilder der Geldwirtschaft und der modernen Großstadt fungierten.
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