Bachelorarbeit, 2015
85 Seiten, Note: 1,2
1. Einleitung
2. Theoretische Ansätze zur musikalischen Kreativität
2.1. Allgemein psychologische Grundlagen zur musikalischen Kreativität
2.2. Abgrenzung: Improvisation und Komposition
2.3. Entwicklung der musikalischen Kreativität
2.4. Kreativer Prozess
2.5. Bedeutung von sozialem Umfeld, Kultur und Domäne
2.6. Persönlichkeit des kreativen Künstlers
3. Aktuelle Situation in Deutschland
3.1. Kompositionsunterricht an Musikschulen
3.2. Kompositionsunterricht an Hochschulen
3.3. Kompositionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen
3.4. Kompositionsprojekte, -klassen und -wettbewerbe
3.5. Zusammenfassung
4. Über die Legitimation von Kompositionsunterricht
4.1. Allgemeinpädagogische und individualpsychologische Aspekte
4.1.1 Pädagogische Aspekte
4.1.2. Persönlichkeitsbildung
4.2. Musikpädagogische Aspekte
4.2.1. Musikalische Bildung
4.2.2. Rezeptionsbereitschaft und ästhetische Bildung
4.2.3. Kritische Aspekte und Diskussion
4.3. Der Aspekt des sozialen Lernens
4.4. Kulturpolitische Aspekte
5. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Relevanz und Legitimation von Kompositionsunterricht für Kinder und Jugendliche. Angesichts einer in der Musikpädagogik oft vernachlässigten Förderung produktiver Fähigkeiten verfolgt die Thesis das Ziel, den Mehrwert des Musikerfindens für die Persönlichkeits- und Sozialkompetenzentwicklung sowie für musikalische Lernergebnisse wissenschaftlich zu untermauern und aufzuzeigen, warum dieser Bereich einen wertvollen Bestandteil musikpädagogischer Konzepte darstellen sollte.
2.1. Allgemein-psychologische Grundlagen zur musikalischen Kreativität
Mit Kreativität wird in der Wissenschaft die menschliche Fähigkeit zu schöpferischen Denken und Handeln beschrieben (vgl. Bullerjahn 2010: 240). Kreativität ist ein Begriff für „ein Gefüge intellektueller und nichtintellektueller (motivationaler, einstellungs,- und temperamentsmäßiger) Persönlichkeitszüge, die als Grundlage für produktive, originale, schöpferische Leistungen angesehen werden“ (Dorsch et al. 2009). Die musikalische Kreativität bildet einen Teilbereich der musikalischen Begabung (vgl. Bullerjahn 2010: 240). Jedoch wird der Begriff und seine vielversprechenden Erwartungen dadurch kritisiert, dass dieser noch sehr ungeklärt sei und damit auch die Forderungen und Behauptungen ungedeckt blieben (vgl. Hentig 1998: 32 ff.).1 Darüber hinaus sei das deutsche Wort Kreativität nur die Eindeutschung des Begriffes creativity, was eine nicht adäquate Übersetzung des Begriffes darstelle, da dieser sich in der Bedeutung unterscheide (ebd.).2 Daher werden häufig alternative Begriffe wie „generative musikalische Performanz“ und „musikalische Produktivität“ bedeutungsgleich mit Kreativität verwendet (vgl. Bullerjahn 2011: 23).
Viele bringen mit einem Komponisten schnell den Begriff „Genie“ in Verbindung und implizieren damit, das ein Komponist ohne besondere Anstrengung (Gottesgabe) besondere Potentiale habe (vgl. auch Bullerjahn 2004). Damit wird der Glaube an die eigene Kreativität erstickt und die Arbeit, die hinter einer besonderen musikalisch-produktiven Leistung steckt, missachtet. Jedoch hat sich spätestens nach der Kreativitätsforschung von Guilford1 in den 1950er Jahren – zumindest in der Wissenschaft – die Annahme stark gemacht, jeder habe das Potential zu schöpferischen Denken und Handeln und damit auch zu musikalischer Produktivität (vgl. Hickey 2002, 2003; Petrat 2000; Bullerjahn 2011, 2005, 2010; Lehmann 2008; Azzara 2002; Guilford 1950, 1959; Liewald 1998 uvm).
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung musikalischer Kreativität und stellt die These auf, dass Kompositionsunterricht einen wertvollen Teil der Musikpädagogik bilden sollte.
2. Theoretische Ansätze zur musikalischen Kreativität: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen, den kreativen Prozess sowie die Einflüsse von Umwelt und Persönlichkeit auf das schöpferische Handeln.
3. Aktuelle Situation in Deutschland: Es wird untersucht, wie Komposition an Musikschulen, Hochschulen und Schulen gefördert wird und welche Rolle Projekte wie "Response" dabei einnehmen.
4. Über die Legitimation von Kompositionsunterricht: Das Kapitel diskutiert die pädagogischen, psychologischen und musikdidaktischen Argumente, die für eine stärkere Einbindung des Musikerfindens sprechen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse, die den Bedarf an einer pädagogischen Neuausrichtung in der Musiklehre hervorhebt.
Kompositionsunterricht, musikalische Kreativität, Musikerfinden, Musikpädagogik, Persönlichkeitsbildung, Improvisation, Musikschulen, ästhetische Bildung, Sozialkompetenz, Produktivität, generative Fähigkeiten, Musikschulen, Kulturpolitik, Musikunterricht, schöpferisches Handeln.
Die Arbeit untersucht die Legitimation und Bedeutung von Kompositionsunterricht für Kinder und Jugendliche im deutschen Bildungssystem.
Die Arbeit verknüpft theoretische Konzepte der musikalischen Kreativität mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen Unterrichtssituation und einer pädagogischen Begründung für die Förderung des Musikerfindens.
Die zentrale Frage ist, inwieweit Kompositionsunterricht als wertvoller Bestandteil der Musikpädagogik legitimiert werden kann, um über die reine Reproduktion von Musik hinauszugehen.
Es handelt sich um eine literatur- und konzeptbasierte Analyse, die Ergebnisse aus der Musikpsychologie, pädagogischen Studien sowie Evaluationsdaten von Kompositionsprojekten wie „Response“ und „Schüler komponieren“ zusammenführt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der gegenwärtigen Situation in verschiedenen Bildungsinstitutionen sowie eine detaillierte Diskussion pädagogischer, psychologischer und sozialer Argumente für den Kompositionsunterricht.
Schlüsselbegriffe sind Musikpädagogik, Kreativitätsförderung, Persönlichkeitsentwicklung, Musikerfinden und ästhetische Bildung.
Die Arbeit versteht Improvisation und Komposition als Punkte auf einem Kontinuum, wobei die Improvisation oft als intuitiver Anstoß für den bewussteren Kompositionsprozess dient.
Das Umfeld (Lehrer, Eltern, Institutionen) wird als entscheidender Faktor identifiziert, der Kreativität entweder durch starre Vorgaben hemmen oder durch offene Anreize fördern kann.
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