Examensarbeit, 2000
135 Seiten, Note: Sehr gut; 1. Staatsexamen: 1,6
1. Einleitung
2. Charakteristische Merkmale schreckenerregender Literatur
3. Der Unterschied von Terror und Horror und die Wirkung des Sublimen
4. Mehrdeutigkeit und Unbestimmbarkeit
4.1. Unglaubwürdige Erzähler
4.2. Affinität und Spiegelungen
4.3. Die psychologische Seite des Schreckens
5. Die Rezeption des Schreckenerregenden
6. Der Schrecken der Seele: The Fall of the House of Usher
6.1. Poes schreckenerregende Erzählungen
6.2. Das Spiegellabyrinth des House of Usher
6.3. Rationalität versus Imagination
6.4. Madeline Usher – die schöne, tote Frau
6.5. Die Darstellung des lebenden Todes
6.6. Die Einheit in der Mehrdeutigkeit
7. Der Schrecken des Wahnsinns: The Yellow Wallpaper
8. Der Schrecken des Fremden im Selbst: The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde
8.1. Der Ausschluss von Frauen und von Sexualität
8.2. Verbergen und Verschweigen
8.3. Doppelungen und Doppelgänger
8.4. Die duale Natur des Dr Jekyll
8.5. My Hyde - die Verkörperung des Bösen
9. Der Schrecken der Ungewissheit: The Turn of the Screw
9.1. Die viktorianische Gouvernante
9.2. Die Governess - Heldin oder Wahnsinnige?
9.3. Kinder und Geister als Agenten des Bösen
9.4. Die “Meisterfalle” für Interpreten
9.4.1. Das Problem der Glaubwürdigkeit
9.4.2. Doppelungen und Spiegelungen
9.4.3. “The story won’t tell”
10. Schlussbemerkungen
11. Fremdsprachliche Zusammenfassung
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Strategien der "Imaginerung des Schreckenerregenden" in englischen und amerikanischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts. Der Fokus liegt darauf, wie Autoren wie Poe, Gilman, Stevenson und James durch Mehrdeutigkeit, psychologische Verunsicherung und Spiegelungen Ängste evozieren und den Leser aktiv in den Entschlüsselungsprozess einbinden.
Charakteristische Merkmale schreckenerregender Literatur
Nach dem mittelalterlichen Weltbild waren die Grenzen zwischen Himmel, Erde und Unterwelt (bzw. Hölle) durchlässig und das Übernatürliche ein Bestandteil der Realität. Nach der Aufklärung, in der die Realität auf das Irdische begrenzt wird, setzt Ende des 18. Jahrhunderts mit der Romantik eine Gegenbewegung ein, die als Reaktion gegen die rationale Stringenz der Aufklärung betrachtet wird: das verdrängte Übernatürliche kehrt in Gestalt des Schauerromans zurück, und mit ihm eine Betonung der Imagination gegenüber der Vernunft. Besonders die ersten Schauerromane (gothic novels) dokumentieren die nostalgische Rückorientierung bzw. Wiederentdeckung des Mittelalters. So wählte Horace Walpole für seinen Roman The Castle of Otranto (1764) die mittelalterliche Kulisse eines italienischen Schlosses und verlegte die Zeit der Handlung in das 12. Jahrhundert. Dieser erste Schauerroman beinhaltet zahlreiche genreprägende Themen und Konventionen: Die Kulisse für das Gespenstische bilden düstere, mittelalterliche Bauwerke mit unterirdischen Gewölben und Geheimgängen, das Erhabene wird in einer Ehrfurcht gebietenden umgebenden Landschaft offenbar. Auf der Figurenebene sind die verfolgte, empfindsame Heldin und der gewissenlose Bösewicht die häufigsten Erscheinungen.
Ann Radcliffe erweitert mit The Mysteries of Udolpho (1794) das Repertoire, indem sie vor allem die Wirkung des Schreckenerregenden auf die Gefühle ihrer Heldin (und des Lesers) in den Mittelpunkt stellt und sublimen Schauer mit rationaler Erklärbarkeit verbindet, denn am Ende dieser gothic novels können alle mysteriösen Ereignisse auf natürliche Weise erklärt werden.
1. Einleitung: Einführung in das Spannungsverhältnis von Realität und Imagination in der phantastischen Literatur des 19. Jahrhunderts.
2. Charakteristische Merkmale schreckenerregender Literatur: Untersuchung der historischen Entwicklung vom klassischen Schauerroman zur Geistergeschichte.
3. Der Unterschied von Terror und Horror und die Wirkung des Sublimen: Analyse der emotionalen Abstufungen von Grauen und der ästhetischen Kategorien des Schreckens.
4. Mehrdeutigkeit und Unbestimmbarkeit: Erörterung der narrativen Techniken, die den Status des Erzählten unsicher machen.
5. Die Rezeption des Schreckenerregenden: Untersuchung der Rolle des Lesers und seiner individuellen Auseinandersetzung mit dem phantastischen Text.
6. Der Schrecken der Seele: The Fall of the House of Usher: Analyse von Poes Erzählung als psychologisches und symbolisches Abbild des geistigen Zerfalls.
7. Der Schrecken des Wahnsinns: The Yellow Wallpaper: Untersuchung der Unterdrückung und Selbstkonstruktion der Protagonistin im Kontext viktorianischer Geschlechterrollen.
8. Der Schrecken des Fremden im Selbst: The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde: Analyse der Doppelgänger-Problematik und der Aufspaltung der menschlichen Natur.
9. Der Schrecken der Ungewissheit: The Turn of the Screw: Auseinandersetzung mit der extremen Unbestimmbarkeit und der Rolle der Gouvernante als zentrale Identifikationsfigur.
10. Schlussbemerkungen: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der narrativen Strategien und der bleibenden Faszination der behandelten Texte.
Phantastik, Schauerliteratur, gothic novel, Sublim, Terror, Horror, Mehrdeutigkeit, Unbestimmbarkeit, Doppelgänger, Psychologisierung, Wahnsinn, viktorianische Moral, Erzählerperspektive, Imagination, Realitätsstatus.
Die Arbeit untersucht, wie literarische Texte des 19. Jahrhunderts das "Schreckenerregende" imaginieren, indem sie die Grenze zwischen Realität und Übernatürlichem verwischen.
Im Mittelpunkt stehen die Wirkung von Angst und Schrecken auf den Leser, die Rolle der psychologischen Projektion und die Bedeutung von Mehrdeutigkeit für die Wirkung phantastischer Texte.
Das Ziel ist es, die Darstellungsstrategien der Autoren aufzuzeigen, mit denen sie beim Leser eine andauernde Unsicherheit und eine intensive emotionale Beteiligung erzeugen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die narratologische Ansätze mit psychoanalytischen Theorien (insbesondere von Freud) und rezeptionsästhetischen Überlegungen verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung und die detaillierte Analyse von vier exemplarischen Erzählungen von Poe, Gilman, Stevenson und James.
Begriffe wie Phantastik, Mehrdeutigkeit, Doppelgänger-Motiv, Wahnsinn und die Rezeption durch den Leser sind essenziell für das Verständnis der Untersuchung.
Der Terror wird als Zustand der Unsicherheit und phantastischen Vorstellungskraft definiert, während der Horror die direkte, oft körperliche Konfrontation mit dem schrecklichen Objekt bezeichnet.
Es fungiert als zentrales Beispiel für die Spiegelung der inneren Zerrissenheit der Protagonisten in der äußeren Architektur und Umgebung.
Der Text wird als Kritik an der viktorianischen Unterdrückung der Frau analysiert, wobei das Schreiben zur einzigen Möglichkeit der Selbstbehauptung innerhalb des Wahnsinns wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

