Masterarbeit, 2015
135 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 PISA & Co.
2.1 Das Programm
2.1.1 PISA im Vergleich zu anderen internationalen Schulleistungsvergleichen
2.1.2 PISA versus TIMSS
2.2 Die PISA Debatte
2.3 Konsequenzen aus PISA
2.3.1 Die Reformdebatte
2.3.2 Die Einführung von Bildungsstandards
2.3.3 Bildungsstandards und Output-Orientierung
2.3.4 Teaching to the Test
2.3.5 Die Entstehung eines Schulmarktes
2.4 Die Entstehung einer Testindustrie
2.4.1 Öffentliche Ausgaben
2.4.2 PISA als kulturindustrielles Phänomen
2.5 PISA als einflussreiches Unternehmen
3 Kritik und Medien
3.1 Methodische Kritik
3.2 Der Einfluss der Medien
4 PISA und Bologna als legitime Programme in einer neuen Weltkultur
4.1 Der Bologna-Prozess
4.1.1 Die Umstrukturierung des Hochschulstudiums nach marktwirtschaftlichen Prinzipien
4.1.2 Die unvermeidliche Anpassung an Makrobedingungen
4.1.3 Die Implementierung des Bologna-Prozesses in Deutschland
4.2 Der Legitimationsschwund nationaler Traditionen
4.2.1 Die Entwicklung einer modernen Weltkultur
4.2.2 PISA und Bologna als Instrumente transnationaler Regime
5 Fazit
Die vorliegende Masterthesis untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen und Implikationen der PISA-Erhebungen sowie des Bologna-Prozesses auf das deutsche Bildungs- und Hochschulwesen, wobei der Fokus auf den Prozessen der Standardisierung, Quantifizierung und Ökonomisierung liegt, um zu klären, warum diese internationalen Programme einen so massiven Einfluss auf nationale Strukturen ausüben konnten und welche Rolle dabei politische Legitimation sowie die Entwicklung einer modernen Weltkultur spielen.
2.1.2 PISA versus TIMSS
Die Ergebnisse der dritten internationalen Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie (TIMSS) von 1995 produzierten in Deutschland einen ersten medialen Aufschrei. Es wurde untersucht inwieweit deutsche Schüler in mathematikhaltigen Situationen kompetent sind. Dabei wurde diese funktionale Alltags-Mathematik-Kompetenz im Gegensatz zu PISA nicht zum einzigen Ziel des Mathematikunterrichts erhoben, sondern es wurde eben diese konkrete Dimension untersucht. Bei den PISA-Untersuchungen ist das Ziel ein deutlich anderes und bildet ein Novum unter den internationalen Schulleistungsvergleichsstudien. Unter Hinzuziehung von Experten und mathematikdidaktischer Expertise entstanden beispielsweise der Begriff und die Definition einer „mathematical literacy“, den die OECD folgendermaßen definiert:
„Mathematical literacy is an individual’s capacity to identify and understand the role that mathematics plays in the world, to make well-founded judgments and to use an engage with mathematics in ways that meet the needs of that individual’s life as a constructive, concerned and reflective citizen.“ (OECD 2003, S. 24)
Mathematische Grundbildung („mathematical literacy“) wird, wie auch die naturwissenschaftliche Grundbildung („scientific literacy“) oder die Lesekompetenz („reading literacy“) (ebd. S. 10), dabei zum alleinigen Ziel des jeweiligen Unterrichts erhoben. Dieser funktionale Anspruch an die mathematische Bildung hat sich mit den PISA-Studien zunehmend etabliert und wird nun auch normativ als Bildungsziel umgedeutet. (vgl. Jahnke 2007a, S. 16)
Zwar wurden die Ergebnisse von TIMSS in Deutschland besorgt registriert, aber TIMSS zog nicht im Ansatz derartige Reformmaßnahmen nach sich wie es PISA mit der Erhebung aus dem Jahr 2000 vermochte. Vielmehr bot die Zeit zwischen 1995 und 2000 für die Bildungsexperten und die Kultusministerien sich auf kommende internationale Vergleichsstudien mit entsprechenden bereits vorher zumindest grob ausgearbeiteten Maßnahmenkatalogen vorzubereiten. (vgl. Sill 2007, S. 394)
Es ist zu erwähnen, dass die PISA-Studien gegenüber vorigen internationalen Vergleichsstudien ein neues Testformat eingeführt haben: In früheren internationalen Vergleichstest wurden die Lehrpläne der Teilnehmerländer studiert und der größte gemeinsame Teiler für die Erstellung von Testitems genutzt. Die Testitems waren demnach unbedingter Bestandteil der jeweiligen Lehrplaninhalte und erhielten dadurch auch ihre Legitimation. PISA hingegen definierte selbst beispielsweise im Falle der Mathematik die „mathematical literacy“ und Konstruktionsprinzipien der Testitems sind weitestgehend unbekannt.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wendepunkt der deutschen Bildungsgeschichte durch den „PISA-Schock“ 2001 und führt in die zentralen Themen der Ökonomisierung und Standardisierung ein.
2 PISA & Co.: Dieses Kapitel analysiert das PISA-Programm, die entstandene Reformdebatte, die Einführung von Bildungsstandards und die wachsende Testindustrie als Werkzeuge ökonomischer Steuerung.
3 Kritik und Medien: Hier wird die methodische Kritik an PISA aufgearbeitet und dargelegt, wie Medien durch die mediale Aufbereitung des Themas PISA-Debatten ideologisch beeinflusst haben.
4 PISA und Bologna als legitime Programme in einer neuen Weltkultur: Dieses Kapitel betrachtet den Bologna-Prozess und PISA als Teile einer globalen Transformation, die nationale Traditionen durch ein transnationales, auf Humankapital fokussiertes Bildungsparadigma ersetzt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie PISA und Bologna das Bildungswesen einem funktionalistischen Diktat unterwerfen und zu einer globalen Herrschaftsstruktur führen, die lokale Traditionen entmachtet.
PISA, Bologna-Prozess, Bildungsstandards, Humankapital, Ökonomisierung, Bildungsreform, internationale Vergleichsstudien, Testindustrie, Standardisierung, Schulentwicklung, Leistungsvergleich, Globalisierung, Governance, pädagogische Autonomie, Schulmarkt.
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen im deutschen Bildungs- und Hochschulwesen, die durch internationale Vergleichsstudien wie PISA und Reformprogramme wie den Bologna-Prozess ausgelöst wurden.
Die zentralen Themen sind die Ökonomisierung von Bildung, die Umwandlung von Wissen in Humankapital, die Implementierung standardisierter Testverfahren sowie die Machtverschiebung von nationalen Bildungseliten zu transnationalen Akteursnetzwerken.
Ziel ist es zu klären, warum PISA und Bologna einen so enormen Einfluss auf deutsche Reformen ausüben konnten, obwohl die methodische Basis dieser Studien teilweise kritisiert wird und der direkte Nutzen für die Bildung fragwürdig erscheint.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von bildungspolitischen Dokumenten, Pressemitteilungen, offiziellen Beschlüssen sowie soziologischer Fachliteratur (u.a. Bourdieu, Münch) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der PISA-Strukturen, der Kritik an Testverfahren („teaching to the test“), die Entstehung einer Testindustrie sowie die parallele Untersuchung des Bologna-Prozesses und der Herausbildung einer neuen globalen Weltkultur in der Bildung.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsstandards, Humankapital-Paradigma, Ökonomisierung, internationale Vergleichsstudien, Testindustrie und die Ablösung lokaler Autoritäten durch globale Eliten charakterisiert.
Der „PISA-Schock“ dient als Ausgangspunkt für die Analyse der radikalen und schnellen bildungspolitischen Umbrüche, da er als Legitimationsgrundlage für massive Reformen diente, ohne dass die zugrunde liegenden Testergebnisse einer gründlichen wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen wurden.
Das New Public Management (NPM) fungiert als zentrales Steuerungsmodell, das die bürokratische Verwaltung durch Kennzahlen, Wettbewerb und Qualitätsmanagement ersetzt und somit Lehrer und Professoren einer neuen, stärker kontrollierten Leistungslogik unterwirft.
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