Bachelorarbeit, 2016
53 Seiten
1. Einleitung
2. Orpheus im Wandel der Zeit
3. Orpheus in der Lyrik Rainer Maria Rilkes
3.1: Erster Teil, I: Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!
3.2: Erster Teil, II: Und fast ein Mädchen wars und ging hervor
3.3: Erster Teil, III: Ein Gott vermags. Wie aber, sag mir, soll
4. Orpheus in der Lyrik Gottfried Benns
4.1: Orphische Zellen
4.2: Orpheus' Tod
5. Orpheus in der Lyrik Georg Trakls
5.1: Passion
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Funktionen und Deutungskonstellationen des Orpheus-Mythos innerhalb der Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn und Georg Trakl zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
3.1: Erster Teil, I: Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!
Das erste Sonett handelt von der Magie des orphischen Gesangs, welcher die wilden Tiere besänftigt. Es soll jedoch nicht die äußere Betrachtungsweise dargestellt, sondern eine Vorstellung über das innere Geschehen geschaffen werden. „und da ergab sich, daß sie nicht aus List/aus Angst in sich so leise waren,/sondern aus Hören.“ Diese innere sowie äußere Spannung stellt sich als typisch für Rilke dar. Er verwischt die Übergänge durch Enjambements und beginnt im ersten Vers mit einem Ausruf. Insgesamt zeigen sich Rilkes Sonette als weniger streng im Bezug auf die Form. Die Quartette folgen meist dem Schema abab cdce/fgh hgf, während das Reimschema der Terzette meist noch freier gestaltet. Da sich die beiden Quartette nicht gegenseitig widerspiegeln, wie es in der traditionellen Form geläufig wäre, wird an dieser Stelle eine flüssigere Rede des lyrischen Ichs gewährleistet, welche durch die Enjambements unterstützt wird. Die häufig dreisilbigen, daktylischen Versfüße weisen auf Rilkes Freiheiten im Bereich der Metrik hin, obwohl er sich an das grundsätzliche Schema des Sonetts hält. Diese Eigenwilligkeit innerhalb der Sonettinterpretation deutet auf das vom Dichter angestrebte „komplexe Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation und zwischen allgemeinen Regeln und individueller Freiheit“ hin.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Kernmotiv des orphischen Mythos ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, die Funktion des Mythos in den ausgewählten lyrischen Werken darzustellen.
2. Orpheus im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Rezeption des Orpheus-Mythos von der Antike über die Renaissance und Aufklärung bis zur Romantik.
3. Orpheus in der Lyrik Rainer Maria Rilkes: Eine detaillierte Analyse der ersten drei Sonette des Ersten Teils der Sonette an Orpheus, wobei der Fokus auf Rilkes persönlicher Mythos-Umdeutung und dem Thema der Transzendenz liegt.
3.1: Erster Teil, I: Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!: Analyse des ersten Sonetts, das die Magie des Gesangs und die Verbindung zwischen Innen- und Außenwelt thematisiert.
3.2: Erster Teil, II: Und fast ein Mädchen wars und ging hervor: Untersuchung des zweiten Sonetts, das das lyrische Ich und das Motiv der Vergänglichkeit sowie die Rolle Wera Oukama Knoops beleuchtet.
3.3: Erster Teil, III: Ein Gott vermags. Wie aber, sag mir, soll: Analyse des dritten Sonetts, welches die zentrale Frage nach dem menschlichen Dasein und dem Wesen des Gesangs stellt.
4. Orpheus in der Lyrik Gottfried Benns: Auseinandersetzung mit der spezifischen, von persönlichem Leid geprägten Orpheus-Rezeption Gottfried Benns.
4.1: Orphische Zellen: Interpretation der Ballade Orphische Zellen und ihrer Bedeutung für die Isolation des lyrischen Ichs.
4.2: Orpheus' Tod: Analyse des Gedichts Orpheus' Tod hinsichtlich der Thematisierung von Treue, Machtlosigkeit und der künstlerischen Veredelung.
5. Orpheus in der Lyrik Georg Trakls: Untersuchung der ambivalenten und chiffrenhaften Darstellung des Mythos bei Trakl.
5.1: Passion: Interpretation des Gedichts Passion unter besonderer Berücksichtigung der inzelstüen Liebe und der biblischen sowie antiken Bezüge.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die orphische Thematik um 1900 aufgrund des Traditionsbruchs und der Suche nach einer neuen künstlerischen Leitidee eine besondere Relevanz besaß.
Orpheus, Mythos, Lyrik, Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn, Georg Trakl, Transzendenz, Gesang, Sonette an Orpheus, Orphische Zellen, Passion, Moderne, Tradition, Dasein, Symbolik
Die Arbeit untersucht die Rezeption des Orpheus-Mythos in der Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn und Georg Trakl zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Orpheus-Figur, das Verhältnis von Kunst und Dasein, das Thema der Transzendenz sowie die Auseinandersetzung mit Tradition und Moderne.
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Funktionen und Deutungen des Orpheus-Mythos in den Werken der drei genannten Lyriker herauszuarbeiten.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der ausgewählten Gedichte im Kontext ihrer Entstehungszeit und literarhistorischen Einbettung.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Werke von Rilke (Sonette), Benn (Balladen/Gedichte) und Trakl (Passion), wobei jeweils die spezifische mythologische Ausgestaltung und deren Bedeutung für den Dichter betrachtet wird.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orpheus, Mythos, Transzendenz, Gesang, Moderne und künstlerische Identität charakterisiert.
Rilke vergöttlicht den Sänger, um die Transzendierung der Vergänglichkeit darzustellen, und stellt dabei stärker das subjektive Erleben und die innere Wandlung in den Vordergrund als die klassische Erzählung.
Trakls Gedicht Passion wird als Verarbeitung seiner inzestuösen Beziehung zu seiner Schwester Gretl gedeutet, die in die mythologische Erzählung des Orpheus integriert wird.
Benn verbindet den Mythos mit persönlichem Leid und der Isolation des Dichters, wobei er den Mythos als Mittel nutzt, um das „Ganze“ in einem flüchtigen künstlerischen Moment zu fassen.
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