Examensarbeit, 2004
92 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Geschichte der französischen Kolonisierung in Schwarzafrika
I.1 Erste Kontakte mit dem afrikanischen Kontinent
I.2 Erste Handelsposten Frankreichs an der afrikanischen Westküste im 17. Jahrhundert während des ersten empire colonial
I.3. Das zweite empire colonial (1885-1939)
I.3.1 Entwicklung unter der Restauration
I.3.2 Entwicklung unter dem Second Empire
I.3.3 Entwicklung unter der III. Republik
I.3.4 Der Auftritt Belgiens auf dem internationalen Parkett der Kolonialmächte und die Berliner Afrikakonferenz (1884-1885)
I.3.5 Weiterer Fortgang der französischen Kolonisierung bis 1939
I.4 Der Zweite Weltkrieg (1939-1945)
I.5 Die Ära der Dekolonisierung
I.6 Postkolonialer Mondialismus
II. Das französische koloniale System
II.1 Motivationsimpulse für die Errichtung der Kolonialreiche und die Maxime der Nutzung der Kolonien
II.2 Koloniale Ideologie und direkte Verwaltung
II.2.1 Zentralregierung der Kolonien
II.2.2 Lokale Praxis der Administration in den Kolonien
II.2.3 Rechtliche und soziale Unterschiede in den Kolonien
III. Die Implementierung der französischen Sprache in Schwarzafrika
III.1 Der Einfluss der Militärs bei der Verbreitung der französischen Sprache In Schwarzafrika
III.2 Die Anfänge der französischen Schulpolitik in Schwarzafrika
III.2.1 Das Engagement der Missionen
III.2.2 Jean Dard und die école mutuelle de Saint-Louis
III.2.3 Vor-und Nachteile der méthode mutuelle
III.2.4 Die Infragestellung der méthode mutuelle und deren Scheitern
III.3 Der Siegeszug der méthode directe und der Aufbau eines staatlichen Schulsystems in den Kolonien
III.3.1 Unterschiede zwischen dem belgischen und dem französischen Kolonialschulsystem
III.3.2 Entwicklung des kolonialen Unterrichtswesens nach 1945
III.4 Die Entwicklung des Unterrichtswesens nach der Dekolonisierung
IV. Heutiger Stellenwert der französischen Sprache im subsaharischen Afrika
IV.1 Stellenwert und rechtlicher Status des Französischen
IV.2 Sprecherzahlen
IV.3 Kontaktsituationen des Französischen mit afrikanischen Sprachen
IV.3.1 Sprachkontaktphänomene
IV.3.2 Varietäten des afrikanischen Kontinuums
IV.4 Charakteristika des Französischen im subsaharischen Afrika
IV.4.1 Phonetik
IV.4.2 Morphologie
IV.4.3 Syntax
IV.4.4 Lexik
IV.4.5 Die „manière africaine de saisir et concevoir les choses“
IV.4.6 Illustration der linguistischen Besonderheiten anhand eines Romanauszugs
Die Arbeit untersucht die historische Implementierung und den heutigen Stellenwert der französischen Sprache im subsaharischen Afrika, wobei sie insbesondere die kolonialen Strukturen und deren Nachwirkungen auf die Sprachverwendung beleuchtet.
III.2.2 Jean Dard und die école mutuelle de Saint-Louis
Wie bereits im ersten Teil dieser Arbeit erwähnt, durfte Frankreich nach den napoleonischen Kriegen im Sommer 1816 seine westafrikanischen Stützpunkte wieder in Besitz nehmen. Im Zuge dessen landete am 9. Oktober 1816 auch der aus der Bourgogne stammende Grundschullehrer Jean Dard auf der dem Senegal vorgelagerten Insel Gorée. Am 7. März 1817 eröffnete Dard in Saint-Louis, der damaligen Hauptstadt des Senegal, in angemieteten Räumen die erste französische Schule auf afrikanischem Boden. Beflügelt von dem Gedanken den afrikanischen Kindern die französische Sprache näher zu bringen, entschied sich Dard für die aus England stammende Methode Bell-Lancaster (benannt nach Andrew Bell (1753-1832) und Joseph Lancaster (1778-1838)), auch genannt méthode mutuelle und damit für die Errichtung einer école wolof-française. Dard war sich von Beginn seiner Tätigkeit an darüber im Klaren, dass die im französischen Mutterland praktizierte méthode directe, mit Hilfe deren man dort hervorragende Lernerfolge bei den Schülern erzielte, den afrikanischen Gegebenheiten nicht angepasst war und daher ungeeignet sein musste. Aufgrund dessen war die Entwicklung einer neuen Unterrichtsmethode angebracht. Dards méthode mutuelle war eine Methode der Zweisprachigkeit, bei der die afrikanischen Kinder zunächst nach der méthode directe in ihrer Muttersprache lesen und schreiben lernten. Erst nach Beherrschung der Muttersprache sollten sie dann durch eine méthode de traduction die französische Sprache erlernen.
Einleitung: Einführung in die Fragestellung, warum sich eine europäische Sprache trotz sprachlicher Vielfalt in Afrika implementieren konnte.
I. Geschichte der französischen Kolonisierung in Schwarzafrika: Überblick über die historische Entwicklung der Kolonialpräsenz von den ersten Handelsposten bis zur Dekolonisierung.
II. Das französische koloniale System: Analyse der kolonialen Verwaltungsstrukturen, Ideologien und ökonomischen Maximen.
III. Die Implementierung der französischen Sprache in Schwarzafrika: Untersuchung der Verbreitungsfaktoren durch Militär, Missionen und staatliche Schulpolitik.
IV. Heutiger Stellenwert der französischen Sprache im subsaharischen Afrika: Analyse des aktuellen Status, der Sprecherzahlen sowie der linguistischen Charakteristika und Kontaktphänomene.
Französische Sprachgeschichte, Schwarzafrika, Kolonialismus, Sprachkontakt, Afrique francophone, méthode mutuelle, méthode directe, Assimilation, Sprachpolitik, Postkolonialismus, Soziolinguistik, Sprachvarietäten, Frankophonie, Sprachunterricht.
Die Arbeit analysiert die historische Etablierung der französischen Sprache in Schwarzafrika unter Berücksichtigung der kolonialen Rahmenbedingungen und deren langfristige Folgen für die sprachliche Situation in den heutigen frankophonen Staaten.
Im Zentrum stehen die koloniale Geschichte, das französische Verwaltungssystem, die Entwicklung der Schulpolitik sowie der heutige Stellenwert und die soziolinguistischen Merkmale des Französischen in Afrika.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum sich das Französische als koloniales Erbe trotz der autochthonen sprachlichen Vielfalt als Amtssprache und Lingua franca in subsaharischen Staaten behaupten konnte.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung historischer Dokumente sowie linguistischer Studien zur frankophonen Situation in Afrika.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kolonialgeschichte, die Analyse der Bildungs- und Verwaltungspolitik der Kolonialmacht sowie die linguistische Untersuchung der aktuellen Sprachkontaktsituationen und der Charakteristika des subsaharischen Französisch.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Kolonialgeschichte, Sprachkontakt, Frankophonie, Assimilationspolitik und verschiedene Unterrichtsmethoden wie die méthode mutuelle und méthode directe.
Jean Dard war ein Pionier, der eine bilinguale Unterrichtsmethode (méthode mutuelle) entwickelte, die stärker auf die afrikanischen Gegebenheiten einging, jedoch später zugunsten des assimilatorischen Modells aufgegeben wurde.
Während die französische Politik extrem assimilatorisch war und die Nutzung afrikanischer Sprachen streng untersagte, war das belgische System eher segregativ geprägt und nutzte in den frühen Phasen verstärkt lokale Sprachen als Unterrichtssprache.
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