Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004
31 Seiten, Note: ohne
0 Einleitung
I Die deutsche Tradition der Apolitie
II Gerhart Hauptmanns Apolitie
III Historischer Rahmen
IV Hauptmanns Oberschlesienreden
V Die Grundprinzipien Hauptmanns Gedankenwelt
VI Hauptmann Kulturbegriff
VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik
VII.I Realpolitik
VII.II Kulturpolitik
VIII Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung des Verhältnisses des Dichters Gerhart Hauptmann zur Politik und erarbeitet sein spezifisches Politikverständnis vor dem Hintergrund der deutschen Kulturtradition und der Ereignisse rund um das oberschlesische Plebiszit im Jahr 1921.
VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik
Hauptmanns Verhältnis zur Politik war, wie insbesondere Teil II dieses Beitrages zeigte, ein kritisches. Seine differenzierte Position zur Politik wird auch an folgender Grundsatzäußerung deutlich: Politik ist „äußerste Charakterverderbnis“ und „Morast“, sie „entzweit sofort und stellt in den Kampf etc.“ (nach Erdmann 1997: 161). Vor diesem Hintergrund und unter Beachtung seines Begriffes der Kultur unterscheidet Hauptmann zwei Arten von Politik, eine den Charakter verderbende und in den Kampf stellende, die er Realpolitik nennt, und eine „echte Politik“ (nach Erdmann 1997: 161), die er Kulturpolitik bezeichnet.
Der Begriff „Realpolitik“ wurde erstmal von Ludwig August von Rochau verwendet. In seiner Schrift „Grundsätze der Realpolitik“ (Rochau 1853) empfahl Rochau dem deutschen liberalen Bürgertum, sich von den hohen – aber weltfremden – Idealen von Demokratie und Freiheit abzuwenden und sich stattdessen lieber mit dem preußischen Polizei- und Militärstaat zu arrangieren. Dieser habe sich mit der erfolgreichen blutigen Niederschlagung der Revolution von 1848 zur Genüge legitimiert.
Der Ursprung der Realpolitik liegt für Rochau im dynamischen Grundgesetz des Staatswesens. Dieses geht aus der Einsicht hervor, dass „das Gesetz der Stärke über das Staatsleben eine ähnliche Herrschaft ausübt wie das Gesetz der Schwere über die Körperwelt“ (ebd. 25 – HiO), nämlich die unbeschränkt bestimmende. Da allein die Macht fähig sei, zu herrschen, könnten ideale Größen in der Politik nur dann umgesetzt werden, wenn sie Macht besitzen. Mit den „Grundsätzen der Realpolitik“ wollte Rochau keineswegs ein bestimmtes politisches Verfahren unter mehreren möglichen erläutern oder empfehlen. Vielmehr erhob er den Anspruch, die Prinzipien der allein „richtige[n] Politik“ (ebd. 32, vgl. Sellin 1992: 866) zu entwickeln. Auch wollte Rochau die Politik keinesfalls der „sittlichen Pflicht“ entbinden. Er wollte nur aufzeigen, „dass es eine Grenze gibt, an welcher die tatsächliche Möglichkeit der Erfüllung dieser Pflicht aufhört“ (ebd. 31).
0 Einleitung: Einführung in das widersprüchliche Verhältnis von Gerhart Hauptmann zur Politik und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
I Die deutsche Tradition der Apolitie: Analyse der historischen deutschen Kulturtradition, die den Dichter als unpolitisch und die Politik als zweitrangig betrachtete.
II Gerhart Hauptmanns Apolitie: Untersuchung der unpolitischen Haltung Hauptmanns im Kaiserreich und seiner bewussten Distanzierung von tagespolitischen Einflüssen.
III Historischer Rahmen: Darstellung der geopolitischen Situation nach dem Ersten Weltkrieg und der spezifischen Problematik des Plebiszits in Oberschlesien.
IV Hauptmanns Oberschlesienreden: Analyse des Übergangs Hauptmanns zum in die Politik greifenden Dichter anhand seiner öffentlichen Reden zum Plebiszit.
V Die Grundprinzipien Hauptmanns Gedankenwelt: Herausarbeitung von "Frieden" und "Einheit" als zentrale Säulen im politischen Denken des Autors.
VI Hauptmann Kulturbegriff: Definition der Kultur bei Hauptmann als Ausdruck geistigen Überflusses und ihre enge Verbindung mit dem Menschsein.
VII Hauptmanns Politikbegriff. Die Unterscheidung Realpolitik und Kulturpolitik: Gegenüberstellung der verwerflichen Realpolitik und der erstrebenswerten Kulturpolitik.
VIII Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse bezüglich Hauptmanns Entwicklung und seines politiktheoretischen Verständnisses.
Gerhart Hauptmann, Apolitie, Kulturpolitik, Realpolitik, Oberschlesien, Plebiszit, deutsche Kulturtradition, politisches Denken, Weimarer Republik, Dichtung und Politik, Friedensidee, nationale Einheit, Macht, Geist, Ideale.
Die Arbeit analysiert die politische Entwicklung des Dichters Gerhart Hauptmann von einer betont apolitischen Haltung während des Kaiserreiches bis hin zu seinem engagierten öffentlichen Auftreten anlässlich der Abstimmung über Oberschlesien 1921.
Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik, die Bedeutung der deutschen Kulturtradition für das Selbstverständnis von Künstlern und die theoretische Unterscheidung zwischen Real- und Kulturpolitik.
Das Ziel ist es, den Politikbegriff Hauptmanns zu ergründen und aufzuzeigen, wie seine normativen Vorstellungen von "Frieden" und "Einheit" sein politisches Handeln in der Weimarer Zeit leiteten.
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und politiktheoretische Analyse, die Hauptmanns Äußerungen, Reden und Zeitzeugnisse vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher und politischer Strömungen einordnet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Apolitie, die historische Einbettung der Oberschlesien-Frage und eine detaillierte Analyse von Hauptmanns Begriffen der Real- und Kulturpolitik.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Apolitie, Kulturpolitik, Realpolitik und das spezifische Verständnis von geistiger versus territorialer Einheit geprägt.
Hauptmann betrachtet den Kompromiss als notwendiges, aber charakterloses Übel der Realpolitik, das die konsequente Umsetzung ideeller Ziele verhindert und den Dichter vom "reinen" Schaffen entfremdet.
Für Hauptmann war der Erhalt Oberschlesiens ein Akt der Wiederherstellung einer natürlichen deutschen Einheit und ein notwendiges Aufbegehren gegen die aus seiner Sicht ungerechte und fremdbestimmte Politik der Alliierten nach dem Versailler Vertrag.
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