Diplomarbeit, 2004
95 Seiten, Note: 2
A. Einführung in das Thema
B. Wer waren die schwarzen Darsteller in den NS-Filmen?
B.1. Schwarze Darsteller im NS-Film: Afro-Deutsche
B.1.a. Geschichte der Afro-Deutschen: Mittelalter
B.1.b. Geschichte der Afro-Deutschen: Deutsches Reich als Kolonialherr
B.1.c. Geschichte der Afro-Deutschen: Schwarze-Schmach
B.1.d. Geschichte der Afro-Deutschen: „Neger haben im nationalsozialistischen Deutschland keinen Grund zu grinsen.“
B.2 Schwarze Darsteller im NS-Film: Farbige Kriegsgefangene
C. „Schwarz-Weiß“: Film im Dritten Reich
C.1. Entstehungsbedingungen der Spielfilme mit schwarzen Darsteller im "Dritten Reich"
C.1.a Zentralisierung und Überwachung der Filmproduktion
C.1.b Nationalsozialistische Echtheitsansprüche bei Hippler
C.1.c NS-Kolonialpolitik
C.1.d Ein Feinbild entsteht
C.1.e Exkurs: Die Deutsche Wochenschau Nr. 513 vom 3. 7. 1940
C.2 Afro-Deutsche `Karriere`: Von der Völkerschau zum Film
C.2.a Vorschule für schwarzen Filmdarsteller: die Völkerschau
C.2.b. Filme mit Schwarzen ab 1912
C.2.c.1 Afro-Deutsche in dem Deutschen Film während des NS-Regimes
C. 2.c.2 Die Dreharbeiten aus der Sicht der schwarzen Darsteller
C.2.c..3 Exkurs: Alltäglicher Rassismus beim Film
C. 3 Filmanalysen
C.3.a Kolonial-Filme
C.3.a.1 Die Reiter von Deutsch-Ostafrika (1934, Deutschland, Regie: Herbert Selpin)
C.3.a.2 Carl Peters (1940/1941, Deutschland, Regie: Herbert Selpin)
C.3.a.3 Germanin - Die Geschichte einer kolonialen Tat (1942/43 Deutschland; Regie: Max W. Kimmich)
C.3.b Afrika mit abwesenden Schwarzen
C.3.b.1 Ohm Krüger (1940/1941, Deutschland, Regie: Hans Steinhoff)
C.3.b.2 Kongo Express (1939, Deutschland, Regie: Eduard von Borsody)
C.3.b.3 Quax in Afrika (1944, Deutschland, Regie: Hellmut Weiß)
C.3.c Afrikaner im Kostüm
C.3.c.1 Münchhausen (1942/1943 Deutschland, Regie: Josef von Báky)
C.3.c.2 Jud Süß (1940, Deutschland, Regie: Veit Harlan)
C.3.d Teilweise die Ausnahme: „Zentrale Rio“ (1939, Deutschland, Regie: Erich Engels)
D. Zusammenfassung
E. Quellenverzeichnis
E.1. Daten der analysierten Spielfilme
E.2. Literaturverzeichnis
E.3. Zeitschriftenaufsätze.
E.4. Fernsehen-, Video- und Internetquellen
E.5. Sekundärliteratur
Die Arbeit untersucht die Repräsentation schwarzer Menschen im deutschen NS-Spielfilm zwischen 1934 und 1944, wobei insbesondere die sozio-politischen Bedingungen, die rassistische Ideologie und die Diskrepanz zwischen systematischer Verfolgung und praktischem Einsatz als Darsteller analysiert werden.
C.1.a Zentralisierung und Überwachung der Filmproduktion
Das Nazi-Regime hatte sich schon vor 1933 intensiv darauf vorbereitet, die gesamte Filmindustrie überwachen zu können, und hatte schon bis zur Machtergreifung die kompletten, fertigen Organe dazu gebildet, die nur in den bestehenden Behörden angewendet werden mussten. Die Grundideologie des Kunstlebens des Reiches hatte nach dem Geschmack des Führers Joseph Goebbels zu überwachen. Er hatte die neue Richtung in seinen Reden unmittelbar nach der Machtergreifung angewiesen: „Allerdings ist Kunst nur dann möglich, wenn sie mit ihren Wurzeln in das nationalsozialistische Erdreich eingedrungen ist. (...) Wir denken gar nicht daran, auch nur im Entfernsten zu dulden, dass jene Ideen, die im neuen Deutschland mit Strumpf und Stiel ausgerottet werden, irgendwie getarnt oder offen im Film wieder ihren Einzug halten.“ Klare Sprache. In diesem Sinne wird die Filmproduktion unter Goebbels` Schirmherrschaft zentralisiert und bis ins kleinste Detail überwacht. Allerdings sagte Goebbels auch: „Das Schaffen des kleinen Amüsements, des Tagesbedarfs für die Langeweile und der Trübsal zu produzieren, wollen wir ebenfalls nicht unterdrücken. Man soll nicht von früh bis spät in Gesinnung machen.“
Goebbels beschrieb auch ganz genau, wie diese Filme funktionieren sollen: „Ich wünsche nicht etwa eine Kunst, die ihren nationalsozialistischen Charakter lediglich durch Zurschaustellung nationalsozialistischer Embleme und Symbole beweist, sondern eine Kunst, die ihre Haltung durch nationalsozialistischen Charakter und durch Aufraffen nationalsozialistischer Probleme zum Ausdruck bringt. Diese Probleme werden das Gefühlsleben der Deutschen und anderer Völker umso wirksamer durchdringen, je unauffälliger sie behandelt werden. Es ist im allgemeinen ein wesentliches Charakteristikum der Wirksamkeit, dass sie niemals als gewollt in Erscheinung tritt. In dem Augenblick, da eine Propaganda bewusst wird, ist sie unwirksam. Mit dem Augenblick aber, in dem sie als Propaganda, als Tendenz, als Charakter, als Haltung im Hintergrund bleibt und nur durch Handlung, durch Ablauf, durch Vorgänge, durch Kontrastierung von Menschen in Erscheinung tritt, wird sie in jeder Hinsicht wirksam.“
A. Einführung in das Thema: Die Einleitung beleuchtet die historische Präsenz von Afrikanern und Afro-Deutschen im deutschen Film der Weimarer Republik sowie die Etablierung rassistischer Stereotype durch die NS-Propagandamaschinerie.
B. Wer waren die schwarzen Darsteller in den NS-Filmen?: Dieses Kapitel untersucht die schwierige Identifizierung schwarzer Akteure, da diese in den Filmen meist anonym blieben, und beleuchtet ihre prekäre Lebenslage im nationalsozialistischen Deutschland.
B.1. Schwarze Darsteller im NS-Film: Afro-Deutsche: Die Autoren analysieren die Geschichte der Afro-Deutschen vom Mittelalter über die Kolonialzeit bis hin zu ihrer systematischen Verfolgung durch die NS-Rassenideologie.
B.2 Schwarze Darsteller im NS-Film: Farbige Kriegsgefangene: Hier wird der Zwangseinsatz schwarzer Kriegsgefangener als Statisten und Versuchspersonen in nationalsozialistischen Filmen thematisiert.
C. „Schwarz-Weiß“: Film im Dritten Reich: Der Hauptteil erläutert die ideologischen und produktionstechnischen Bedingungen der Filmwirtschaft unter Goebbels und deren Auswirkungen auf die Darstellung schwarzer Menschen.
C.1. Entstehungsbedingungen der Spielfilme mit schwarzem Darsteller im "Dritten Reich": Dieses Kapitel analysiert die Rolle der Zensur, der Reichsfilmdramaturgen und den propagandistischen Anspruch nationalsozialistischer Spielfilme.
C.2 Afro-Deutsche `Karriere`: Von der Völkerschau zum Film: Der Autor zeigt den Übergang von Darstellern aus Völkerschauen zum Film und die damit verbundenen Diskriminierungserfahrungen auf.
C. 3 Filmanalysen: Dieser umfangreiche Teil bietet detaillierte Fallanalysen ausgewählter Kolonial- und Kostümfilme wie „Carl Peters“, „Germanin“ oder „Jud Süß“ im Hinblick auf deren Darstellung schwarzer Charaktere.
D. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der medialen Darstellung, die trotz rassistischer Entwürdigung den schwarzen Darstellern eine widersprüchliche, aber existentielle Lebensgrundlage bot.
E. Quellenverzeichnis: Umfassende Auflistung der analysierten Spielfilme, Primärliteratur und Sekundärquellen.
NS-Film, schwarze Darsteller, Kolonialpropaganda, Afro-Deutsche, Nationalsozialismus, Rassenideologie, Filmzensur, Völkerschau, Rassendiskriminierung, Filmpropaganda, Carl Peters, Germanin, Jud Süß, Stereotype, koloniale Tat
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Repräsentation von schwarzen Menschen in deutschen Spielfilmen während der Zeit des Nationalsozialismus (1934–1944) und untersucht das Spannungsfeld zwischen rassistischer Ideologie und der faktischen Beschäftigung schwarzer Darsteller.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Afro-Deutschen, der Zwangseinsatz von Kriegsgefangenen, die Propagandastrukturen der Ufa und des Propagandaministeriums sowie die Analyse spezifischer Klischees in sogenannten Kolonialfilmen.
Ziel ist es, die systematische Abwertung und Instrumentalisierung schwarzer Menschen im NS-Kino zu dokumentieren und die (oft widersprüchliche) Situation der schwarzen Komparsen und Schauspieler als Betroffene dieser Ideologie aufzuzeigen.
Die Autorin nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse der Dramaturgie, Kameraeinstellungen und Dialogführung unter Einbeziehung zeitgenössischer Dokumente, Fachliteratur und Zeitzeugenaussagen, um die rassistischen Mechanismen in den Filmen freizulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen der NS-Filmproduktion, die Geschichte der Darstellung von Afrikanern und eine detaillierte Analyse von 21 relevanten Spielfilmen, darunter „Carl Peters“, „Germanin“ und „Ohm Krüger“.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie NS-Film, Rassenideologie, Kolonialpropaganda, schwarze Präsenz, Diskriminierung und koloniale Stereotype charakterisieren.
Völkerschauen dienten als „Vorschule“ für schwarze Darsteller. Viele der im Film eingesetzten Komparsen hatten ihre Wurzeln in diesen Unterhaltungsgeschäften, was eine Verbindung zwischen exotischer Schaustellung und filmischer Dekoration herstellte.
Der Film „Zentrale Rio“ (1939) wird als Ausnahme angeführt, da schwarze Akteure hier teilweise als Individuen mit einer gewissen Souveränität dargestellt werden, was den ideologischen Konventionen der Zeit widersprach.
Es gab einen Zwiespalt: Einerseits verfolgte das Regime eine rassistische Ausgrenzungspolitik, andererseits waren Behörden (wie das Auswärtige Amt) bestrebt, Afrikanern ein Einkommen zu sichern, um außenpolitisch keine negativen Bilder zu vermitteln.
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