Magisterarbeit, 2003
136 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: ereignisgeschichtlicher Abriss
2. Das Problem der Gattung
2.1. Historisches und literarisches Erzählen
2.2. Der historische Roman
2.3. Gattungsbestimmung der beiden Werke
2.3.1. Os sertões: Wissenschaft und Fiktion
2.3.2. La guerra del fin del mundo: Intertextualität und Referentialität
3. Ideologische und literaturtheoretische Voraussetzungen
3.1. Das Wissenschaftsverständnis und die politische Haltung Euclides da Cunhas
3.2. Die Romantheorie Mario Vargas Llosas
4. Darstellungsästhetische Aspekte
4.1. Erzählsituation und Sprache in beiden Werken
4.2. Struktur und Argumentationsführung
4.2.1. Os sertões: spannende Argumente
4.2.2. La guerra del fin del mundo: spannende Geschichten
5. Personen und Personengruppen im Vergleich
5.1. Die Besetzer von Canudos
5.1.1. Die sertanejos
5.1.2. Antonio Consejero
5.2. Galileo Gall
5.3. Moreira César und die Soldaten
5.4. Rufino und Jurema
5.5. Der kurzsichtige Journalist
5.6. Der Baron von Cañabrava
6. Wirklichkeit, Wahrheit und Geschichtskonzeption
6.1. Versionen der Wahrheit
6.2. Möglichkeiten, Grenzen und Sinn der Geschichtsschreibung
6.3. Die Geschichtskonzeption in beiden Werken
6.4. Fiktion und Wirklichkeit
7. Zusammenfassung: Vargas Llosas „nueva novela histórica“ und Da Cunhas Größe
Die Arbeit vergleicht die historiographische Darstellung des Canudos-Krieges in Euclides da Cunhas Os sertões (1902) mit dem historischen Roman La guerra del fin del mundo (1981) von Mario Vargas Llosa. Ziel ist es, die spezifische Vermischung von Historiographie und Fiktion in beiden Werken zu analysieren und zu untersuchen, wie sich die jeweilige wissenschaftliche bzw. poetologische Grundhaltung der Autoren auf die Darstellung der historischen Ereignisse, Personen und das Konzept der „Wahrheit“ auswirkt.
2.3.1. Os sertões: Wissenschaft und Fiktion
Um die Textgattung von Os sertões klassifizieren zu können, müssen, wie bereits angedeutet, drei Diskurstypen unterschieden werden: ein allgemein wissenschaftlicher (Geologie, Geographie, Biologie, Soziologie), ein historiographischer und ein literarischer. Folgender Textausschnitt soll zunächst als Beispiel für den wissenschaftlichen Diskurs dienen:
Há também a presunção derivada de situação anterior, exposta em dados positivos. As pesquisas de Frederick Hartt, de fato, estabelecem, nas terras circunjacentes a Paulo Afonso, a existência de inegáveis bacias cretáceas; e sendo os fósseis que as definem idênticos aos encontrados no Peru e México, e contemporâneos dos que Agassiz descobriu no Panamá – todos estes elementos se acolchetam no deduzir-se que vasto oceano cretáceo rolou as suas ondas sobre as terras fronteiras das duas Américas, ligando o Atlântico ao Pacífico (OS, A terra, 29).
Unabhängig davon, ob die Thesen richtig oder falsch sein mögen, ist offensichtlich, dass der Autor versucht, die Realität zu erfassen, zu erklären und zu beschreiben. Er ist auf der Suche nach empirischen Fakten („dados positivos“) und stützt sich mit der Nennung anderer Wissenschaftler auf bereits Untersuchtes und vermeintlich Bewiesenes. Vergleiche mit schon Bekanntem sollen das noch Unbekannte verstehbar machen. Das Forschungsobjekt steht in objektivierender Distanz zum Autor. Die Sprache ist unpersönlich und denotativ, was vor allem an den verwendeten Fachausdrücken deutlich wird („bacias cretáceas“), und erhebt durch die Aussagesätze Anspruch auf Glaubwürdigkeit und Autorität über das Gesagte. Auch der typisch fachsprachliche nominale und unpersönliche Stil ist an Stellen wie „Há também a presunção“ oder „no deduzir-se“ erkennbar.
1. Einleitung: ereignisgeschichtlicher Abriss: Einführung in das historische Ereignis des Canudos-Krieges und die beiden Hauptwerke, die sich damit befassen.
2. Das Problem der Gattung: Theoretische Untersuchung der Abgrenzung von historischem und literarischem Erzählen sowie Definition des historischen Romans.
3. Ideologische und literaturtheoretische Voraussetzungen: Analyse der wissenschaftsphilosophischen und politischen Fundamente, auf denen die Darstellung von Da Cunha und Vargas Llosa basiert.
4. Darstellungsästhetische Aspekte: Vergleich der Erzählperspektiven, der Sprache und der erzähltechnischen Struktur beider Werke.
5. Personen und Personengruppen im Vergleich: Gegenüberstellung der zentralen Akteure und Gruppierungen (z.B. Consejero, Moreira César, der Journalist) unter Berücksichtigung ihrer ideologischen Rollen.
6. Wirklichkeit, Wahrheit und Geschichtskonzeption: Theoretische Reflexion über das Verhältnis von Fiktion und Realität sowie die Konstruktion von historischer Wahrheit.
7. Zusammenfassung: Vargas Llosas „nueva novela histórica“ und Da Cunhas Größe: Abschließende Würdigung der literarischen Bedeutung beider Werke und ihrer Einordnung in den Kontext der lateinamerikanischen Literaturgeschichte.
Canudos-Krieg, Euclides da Cunha, Mario Vargas Llosa, Os sertões, La guerra del fin del mundo, Historiographie, Fiktion, Historischer Roman, Positivismus, Literaturtheorie, Intertextualität, Wahrheit, Wirklichkeit, Fanatismus, Lateinamerikanische Literatur.
Die Magisterarbeit untersucht vergleichend, wie Euclides da Cunha in seinem Werk Os sertões und Mario Vargas Llosa in La guerra del fin del mundo das historische Ereignis des Canudos-Krieges in Brasilien darstellen.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Fiktion und Historiographie, die unterschiedlichen wissenschaftlichen und ideologischen Voraussetzungen der Autoren sowie die erzählerische Gestaltung von historischen Wahrheiten.
Ziel ist es, die spezifische Machart beider Werke unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Textsorten zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie jeweils das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und künstlerischer Freiheit bewältigen.
Die Autorin nutzt die Methode der Komparatistik, um die Werke intertextuell zu vergleichen und auf Basis literaturtheoretischer Konzepte – wie jener von Stanzel zur Erzählsituation oder Genette zur Intertextualität – einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Darstellungsästhetik, den Vergleich der Protagonisten, die Problematik der Gattungsbestimmung sowie eine tiefgehende Reflexion über Konzepte von Wirklichkeit, Wahrheit und Geschichtsschreibung.
Die wichtigsten Schlagworte sind: Canudos-Krieg, Intertextualität, Historischer Roman, Positivismus, Wahrheitskonstruktion und literarische Fiktion.
Die Arbeit stellt fest, dass Da Cunha versucht, den Krieg durch eine positivistische, deterministische Brille zu erklären, dabei jedoch durch seinen patriotischen Eifer und die Einmischung literarischer Elemente seine eigene wissenschaftliche Objektivität ironischerweise selbst untergräbt.
Vargas Llosa nutzt Os sertões als Hauptquelle, dekonstruiert dessen positivistische Strenge jedoch, indem er die Geschichte multiperspektivisch und durch fiktive, psychologisch motivierte Handlungsstränge ergänzt, um so menschliche Dimensionen des Krieges zugänglich zu machen, die für die reine Geschichtsschreibung unsichtbar bleiben.
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