Magisterarbeit, 1999
138 Seiten, Note: 1,75
1 Einleitung
2 Theoretische Grundbegriffe der rezipientenorientierten Forschung
2.1 Vom Publikum zum aktiven Rezipienten
2.1.1 „Audiences“ als Konstrukt
2.1.2 Die Konzeption des aktiven Rezipienten
2.2 Rezeption und Text
2.2.1 Rezeption von Medieninhalten
2.2.1.1 Motive für die Rezeption
2.2.1.2 Das „Wie“ der Rezeption
2.2.2 Text und Polysemie des Textes
2.3 Fazit
3 Die Rezeptionsforschung
3.1 Der Gegenstand der Rezeptionsforschung
3.2 Ausgewählte Forschungsansätze
3.2.1 Cultural Studies
3.2.2 Die Geschlechterforschung
3.2.3 Der rezipientenorientierte Ansatz
3.3 Fazit
4 Die Messung von Rezeption
4.1 Rezipientenvariablen als dominante Wirkfaktoren
4.1.1 Situative Faktoren
4.1.2 Soziale Faktoren
4.1.2.1 Lebensalter
4.1.2.2 Soziales Geschlecht
4.1.2.3 Lebensstil und Lebenswelt
4.1.3 Psychische Faktoren
4.2 Messung der Wahrnehmung von Medieninhalten
4.3 Fazit
5 Das Konstrukt der Kontrollüberzeugung in der Rezeptionsforschung
5.1 Das Konstrukt der Kontrollüberzeugung
5.1.1 Die soziale Lerntheorie von Julian Rotter
5.1.2 Bedeutung der Kontrollüberzeugung
5.1.3 Messung der Kontrollüberzeugung
5.1.4 Unterschiede zwischen internen und externen Kontrollüberzeugungen
5.2 Die Bedeutung der Kontrollüberzeugung für die Rezeptionsforschung
5.2.1 Die Kontrollüberzeugung in der Kommunikationswissenschaft
5.2.2 Rolle der Kontrollüberzeugung bei der Rezeption von Medieninhalten
5.3 Fazit
6 Untersuchungsziel und Hypothesen
6.1 Untersuchungsziel
6.2 Hypothesen
7 Methode und Untersuchungsdesign
7.1 Wahl der Methode
7.2 Genereller Untersuchungsablauf
7.3 Messung der Kontrollüberzeugung
7.4 Darstellung der Befragtengruppe
7.4.1 Bildung der Versuchsgruppe
7.5 Untersuchungsdesign
7.5.1 Befindlichkeitstest
7.5.2 Auswahl der Fernsehausschnitte
7.5.2.1 Nachrichten: ARD Tagesschau („Konjunkturprognose 1999“ und „Übernahmegerüchte zurückgewiesen“)
7.5.2.2 Werbung: „VOLKSWAGENBANK direct“
7.5.2.3 Spielfilmausschnitt 1: „Vampyr“
7.5.2.4 Spielfilmausschnitt 2: Szene „Tischtennis“
7.5.2.5 Spielfilmausschnitt 3: Szene „Abendessen“
7.5.3 Fragebögen zur Fernsehnutzung, -bewertung und -rezeption
7.5.3.1 Fragen zur Fernsehnutzung
7.5.3.2 Fragen zur Fernsehbewertung
7.5.3.3 Fragen zur Fernsehrezeption
7.5.3.4 Reliabilität und Validität
7.6 Versuchsdurchführung
8 Ergebnisse
8.1 Die Verteilung der Kontrollüberzeugung innerhalb der Befragtengruppe
8.2 Ergebnisdarstellung des Hauptversuchs
8.2.1 Erste Eindrücke bei der Versuchsdurchführung
8.2.2 Fernsehnutzung und -bewertung (1. Fragebogen)
8.2.2.1 Fernsehnutzung
8.2.2.2 Einstellungen und Meinungen zum Fernsehen
8.2.3 Rezeption der Nachrichtenbeiträge (2. Fragebogen)
8.2.4 Rezeption der Werbung (3. Fragebogen)
8.2.5 Rezeption von „Vampyr“ (4. Fragebogen)
8.2.6 Rezeption der Szene „Tischtennis“ (5. Fragebogen)
8.2.7 Rezeption der Szene „Abendessen“ (6. Fragebogen)
9 Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse
10 Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals „Kontrollüberzeugung“ auf die Rezeption von Medieninhalten. Ziel ist es, zu erforschen, ob Individuen mit interner oder externer Kontrollüberzeugung Fernsehinhalte spezifisch bewerten, nutzen und wahrnehmen und ob sich hierbei unterschiedliche Rezeptionsstile identifizieren lassen.
Die Konzeption des aktiven Rezipienten
Wie eben dargestellt, besteht ein Problem bei der Definition des Publikums von Massenmedien darin, daß der Publikumsbegriff keine einzelnen Personen in ihrer „realen“ Rezeptionssituation abbilden oder erklären kann. Das Konzept eines „aktiven Rezipienten“ kann sich der Wirklichkeit eines Individuums bei der Beschäftigung mit Medien besser annähern. In diesem Abschnitt soll veranschaulicht werden, wie man sich diese „Aktivität“ von Rezipienten vorstellen kann.
Zunächst wurde Massenkommunikation als ein einseitiger Kommunikationsakt begriffen, bei dem keine direkte Interaktion zwischen Kommunikator und Informationsempfänger möglich ist, da beide nicht räumlich oder virtuell verbunden sind. Diese Sichtweise läßt sich auf das „Stimulus-Response-Modell“ zurückführen, das Massenkommunikation als einfache Wirkkette begreift: „[D]ie Rezipienten erscheinen darin als eine Art Spielbox, die beim Einwerfen einer Münze eine bestimmte Melodie ausspucken. Die Wirkungen des Massenmediums sind in diesem Modell garantiert, der Kommunikator kann quasi beliebig über Wirkungen und damit über die Rezipienten verfügen.“
Diese Ansicht war aber nicht haltbar. Im Rezipienten selber spielen sich gerade bei der und durch die Aufnahme von Medieninhalten komplexe Prozesse ab, die sich einerseits auf ihn persönlich auswirken und andererseits auf seine Art, mit Medien umzugehen, Einfluß nehmen. Diese sind gerade nicht durch einfache Wirkketten erklärbar: So ist der Rezipient, nachdem er eine bestimmte Medienbotschaft aufgenommen hat, nicht mehr derselbe wie davor. Sein Wissen, sein Interesse und seine Erwartungen an ein bestimmtes Medium oder dessen Inhalte haben sich verändert.
1 Einleitung: Hinführung zum Thema der Rezeptionsforschung und zur Forschungsfrage nach der Bedeutung der Kontrollüberzeugung für die Medienrezeption.
2 Theoretische Grundbegriffe der rezipientenorientierten Forschung: Erläuterung zentraler Begriffe wie Publikum, aktiver Rezipient und das Zusammenspiel von Rezeption und Text.
3 Die Rezeptionsforschung: Darstellung des Forschungsfeldes, der unterschiedlichen Ansätze (z.B. Cultural Studies) und der Bedeutung der Rezipientenseite.
4 Die Messung von Rezeption: Diskussion der methodischen Herausforderungen bei der Erfassung von Rezipientendispositionen und situativen Einflussfaktoren.
5 Das Konstrukt der Kontrollüberzeugung in der Rezeptionsforschung: Theoretische Herleitung der Kontrollüberzeugung nach Julian Rotter und deren Relevanz für die Kommunikationswissenschaft.
6 Untersuchungsziel und Hypothesen: Formulierung der zentralen Forschungsfrage und der daraus abgeleiteten Annahmen für den empirischen Teil.
7 Methode und Untersuchungsdesign: Beschreibung des Versuchsaufbaus, der Befragtengruppe und der Auswahl der Fernsehausschnitte.
8 Ergebnisse: Detaillierte Darstellung und Analyse der gewonnenen Daten aus der Befragung und dem Hauptexperiment.
9 Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse: Einordnung der Resultate in den theoretischen Rahmen und kritische Reflexion des Studiendesigns.
10 Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung psychischer Dispositionen für die Medienforschung.
Rezeptionsforschung, Mediennutzung, Kontrollüberzeugung, Locus of Control, aktiver Rezipient, Fernsehforschung, Medienpsychologie, psychologische Dispositionen, Identifikation, Medienwirkungen, Kommunikationswissenschaft, Wahrnehmung.
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Persönlichkeitsmerkmal „Kontrollüberzeugung“ – also das Gefühl eines Menschen, Kontrolle über sein Leben zu haben oder durch externe Faktoren beeinflusst zu werden – die Art und Weise beeinflusst, wie dieser Mensch Medieninhalte rezipiert, bewertet und nutzt.
Im Zentrum stehen die Rezeptionsforschung, die Medienpsychologie, das Konzept des aktiven Rezipienten und die sozialwissenschaftliche Analyse individueller Mediennutzungsmuster.
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Kontrollüberzeugung ein dominanter Wirkfaktor bei der Medienrezeption ist, der über einfache soziodemographische Merkmale wie Alter oder Geschlecht hinausgeht und spezifische Stile der Mediennutzung indiziert.
Die Arbeit kombiniert qualitative und quantitative Methoden. Es wird eine empirische Studie mit 20 Probanden durchgeführt, denen verschiedene Fernsehausschnitte präsentiert wurden, gefolgt von Fragebögen und offenen Interviews zur Erfassung der individuellen Rezeption.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bereich, der das Konstrukt der Kontrollüberzeugung fundiert, und einen praktischen Bereich, in dem die Wirkung dieses Konstrukts auf die Rezeption verschiedener Medienbeiträge (Nachrichten, Werbung, Spielfilm) untersucht wird.
Die wichtigsten Begriffe sind Kontrollüberzeugung (intern/extern), aktive Medienrezeption, Rezipientendispositionen, Medienidentifikation und psychologische Wirkungsfaktoren.
Die Untersuchung zeigt, dass „interne“ Personen kritischer und reservierter gegenüber dem Fernsehen auftreten, während „externe“ Personen das Medium eher als glaubwürdig einstufen und sich schneller unterhalten oder ablenken lassen.
Es wurde festgestellt, dass eine Tendenz zur Identifikation mit Fernsehakteuren besteht, die ein ähnliches Kontrollüberzeugungs-Muster aufweisen wie der Rezipient selbst; dies dient als Indikator für unterschiedliche Weltsichten.
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