Magisterarbeit, 2004
134 Seiten, Note: 1,3
I Einleitung
II Schamerfahrungen im individuellen und gesellschaftlichen Kontext
1. Scham im individuellen Kontext
1.1 Scham als unentbehrliche Wächterin der Privatheit
1.2 Scham in Verbindung mit einer (problematischen) Ich-Beziehung
1.3 Globalität des Schamcharakters
2. Scham im gesellschaftlichen Kontext
2.1 Grundlage der sozialen oder moralischen Normübertretung
2.2 Prozeduren der Beschämung (Gesichtsverlust / Isolationsgedanke)
2.3 Schamabwehr
3. Korrelation von Schwäche und Macht in Schamsituationen
4. Abgrenzung des Schamaffekts gegen verwandte Affekte
4.1 Situationen der Peinlichkeit vs. Schammomente
5. Schuld vs. Scham
III Franz Kafka (1883-1924)– „Der Proceß“ u.a.
1. Scham als stärkste Gebärde in Franz Kafkas Texten
1.1 Rolle der Scham im Proceß-Roman
1.2 Scham und Perversion im Proceß-Roman
1.3 Schlüsselszenen der Scham im Proceß-Roman
1.3.1 Prügler-Episode
1.3.2 Im Dom – Vor dem Gesetz
1.3.3 Ende des Romans – Vernichtung durch Scham
2. Josef K.s einjähriger Weg in die Scham
2.1 Kodifizierte Gebärden und Rätselhaftigkeit des Gerichts
2.2 Wie ihn das Gericht bewusst akuten Schamsituationen aussetzt
2.3 Die in Scham übergehende Schuld Josef K.s
IV Italo Svevo alias Ettore Aron Hektor Schmitz (1861-1928) – „Zeno Cosini“
1. Beschämender Facettenreichtum des Antihelden Zeno Cosini
1.1 Zeno – Der scheiternde Antiheld
1.2 Zeno – Der komisch-lächerliche Antiheld
1.3 Zeno – Der einsame Antiheld
1.4 Zeno – Der schuldige Antiheld
1.5 Zeno – der infantile Antiheld
1.6 Zeno – Der aufgrund von Scham maskierte Antiheld
2. Beschämungen Zenos innerhalb der Gesellschaft
2.1. Frauenfiguren - Mutterersatzfiguren
2.1.1 Ada
2.1.2 Augusta
2.1.3 Carla
2.2 Rivalen
2.2.1 Väter und Väterrollen
2.2.2 Guido
3. Schamflucht / Schamabwehr
3.1 Zenos (Selbst-)Inszenierungen
3.2 Beschämendes Versteckspiel Zenos – Fiktion einer Krankheit
3.3 Aspekte der Erinnerung/Zeit vs. Fiktion des Romans
4. Ende des Romans – Vernichtung der Scham
V Schluss
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse und der Vergleich von Schamstrukturen in Franz Kafkas „Der Proceß“ und Italo Svevos „Zeno Cosini“, um zu untersuchen, wie diese Affekte die gescheiterten Existenzen ihrer Protagonisten bestimmen und maskieren.
Kodifizierte Gebärden und Rätselhaftigkeit des Gerichts
Das Gestische als stärkste Gebärde in Kafkas literarischem Werk spielt in seinem Proceß-Roman in Bezug auf die Erschaffung von Schamsituationen seitens des Gerichtswesens eine nicht unerhebliche Rolle. Die Macht des Gerichts, Josef K. aus seinem Alltag und letztendlich auch aus seinem Leben durch unabwendbare und unaufhörliche Beschämungen herauszulösen, besteht vor allem in der Unverständlichkeit und Undurchschaubarkeit dieser Macht, welche jenseits jeder Logik liegt. Die unauflösbare Verschränkung von Recht und Macht, Logik und Leben sowie Schuld und Scham weist Josef K. von Anfang an die Position des Verlierers zu.
Denn während der Verhaftete nach den realen, logischen, rechtlichen und moralischen Ansichten und Einstellungen handelt, beruft sich das Gericht stets auf die eigene Unverbindlichkeit. Dies zeigt sich auch in den Gesten des Gerichts, welche nicht kodifizierbar sind und nicht den üblichen Situationen angepasst werden – den Vorfällen wird der Sinn abgezapft, resümiert Benjamin. Der Protagonist wird verunsichert, sozialer Schutz und gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten werden ihm entzogen, er wird systematisch in die machtlose Isolation getrieben.
Er wird des Wertes seines Daseins beraubt und ihm wird glauben gemacht, den tragischen Verlauf seines Prozesses eigenständig nahezu nicht beeinflussen zu können. Die Zeichenwelt des Gerichts bleibt Josef K. grundlegend verschlossen, auch Situationen oder Gegebenheiten, die mit selbigem in Zusammenhang stehen, verlieren sich in der Unüberschaubarkeit des Gestischen. Neben der Kategorisierung der meist bärtigen Gerichtsvertreter (P S. 38, 58, 197) und puppenhaften Frauenfiguren geben meist Gebärden Auskunft über das hierarchische Verhältnis der Romanfigur zum Gerichtswesen. Die Inkonsequenz, erst sei es nicht üblich, bei der Verhandlung zu sitzen (P S. 19), später, in den Gerichtskanzleien, wird ihm hingegen eine Sitzgelegenheit angeboten (P S. 79), geht einher mit dem absichtlich inszenierten Verwirrspiel des Gerichts und der Macht- beziehungsweise Sinnberaubung Josef K.s.
I Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest, in dem Scham als unüberwindbarer, die Existenz der Protagonisten bestimmender Affekt bei Kafka und Svevo definiert wird.
II Schamerfahrungen im individuellen und gesellschaftlichen Kontext: Dieses Kapitel expliziert die komplexen Ursprünge und Abwehrmechanismen des Schamaffekts, sowohl auf psychologischer Ebene des Subjekts als auch durch soziale Normierungen.
III Franz Kafka (1883-1924)– „Der Proceß“ u.a.: Das Kapitel analysiert die systematische psychische Vernichtung Josef K.s durch ein ungreifbares Gericht, das ihn in eine endlose Spirale von Schuld und Scham drängt.
IV Italo Svevo alias Ettore Aron Hektor Schmitz (1861-1928) – „Zeno Cosini“: Hier wird Zenos komisch-tragisches Scheitern in einer leistungs- und erfolgsorientierten Welt beleuchtet, wobei seine Krankheit und Maskeraden als zentrale Schamabwehr fungieren.
V Schluss: Das Fazit bestätigt, dass die Unfähigkeit der Antihelden, Scham zu überwinden, zwangsläufig zu ihrer sozialen und existentiellen Isolation und Vernichtung führt.
Scham, Schuld, Kafka, Svevo, Antiheld, Beschämung, Machtgefüge, Identitätskonflikt, Schamabwehr, Isolation, Maskerade, psychische Strategie, soziale Norm, Selbstbild, Existenzvernichtung
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Scham bei den Autoren Franz Kafka und Italo Svevo und analysiert, wie diese ihre Antihelden in eine ausweglose, beschämende Existenz zwingen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Psychologie der Schamerfahrung, dem Machtverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft sowie den verschiedenen Strategien der Schamabwehr wie Maskierung und Selbsttäuschung.
Ziel ist es, die Schamstrukturen in den Romanen zu identifizieren und zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie diese Strukturen die gescheiterten Leben der Hauptfiguren bestimmen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch psychologische und psychoanalytische Forschungsliteratur (u.a. von Wurmser, Landweer, Neckel) theoretisch untermauert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum Schamphänomen und zwei vertiefende Analyseteile zu Kafkas „Der Proceß“ und Svevos „Zeno Cosini“.
Zentrale Begriffe sind Scham, Schuld, Identitätsverlust, soziale Isolation, Maskerade sowie die psychische Strategie der Abwehr.
Während Josef K. an der ungreifbaren Macht des Gerichts scheitert und seine Schuld internalisiert, flüchtet Zeno in eine komplexere, selbst erschaffene Fiktion von Krankheit, um seiner sozialen Minderwertigkeit zu entgehen.
Frauen fungieren für beide Protagonisten oft als ambivalente Mutterersatzfiguren und Instrumente des Gerichtssystems oder der sozialen Erwartungen, die den Konflikt um Identität und Scham zusätzlich verschärfen.
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