Bachelorarbeit, 2016
84 Seiten, Note: 1,0
1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger
2. Arbeit und Leben als theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Die Konstitution von Arbeit und Leben
2.2 Die neuen Anforderungen der deutschen Arbeitsgesellschaft
2.2.1 Die Entgrenzung von Arbeit
2.2.2 Die Herleitung einer subjektorientierten Perspektive
2.3 Das Zwischenfazit
3. Die Reproduktion als individuelle Leistung
3.1 Verfall von Arbeitskraft?
3.2 Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft
3.3 Die Erkenntnis der Studie: Existenz bestimmter Handlungsmuster
4. Das Untersuchungsfeld und Hypothesen: Hochqualifizierte Alleinselbständige im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien
4.1 Die Internetbranche: Ein weites Feld
5. Das Forschungsdesign
5.1 Das Untersuchungsziel
5.2 Die Erhebung
5.3 Die Auswertung
6. Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft bei hochqualifizierten Alleinselbständigen
6.1 Die Entgrenzung von Arbeit bei Alleinselbständigen
6.2 Kurzvorstellung der Fälle und Überprüfung der stabilisierenden Fluchtpunkte
6.2.1 Fall A
6.2.2 Fall B
6.2.3 Fall C
6.2.4 Fall D
6.2.5 Fall E
6.3 Die Zusammenfassung
7. Der Vergleich und die Interpretation der Ergebnisse
7.1 Der Vergleich mit den Ergebnissen der Basisstudie
7.2 Die Schlussfolgerungen
8. Das Fazit: Guter Ansatz mit leichter Unschärfe
Die vorliegende Arbeit untersucht die individuelle Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger unter den Bedingungen einer zunehmend entgrenzten Arbeitswelt. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie diese Gruppe ihre Arbeits- und Lebenskraft regeneriert und welche stabilisierenden Handlungsmuster dabei identifiziert werden können, um daraus arbeitsmarktpolitische Schlussfolgerungen für eine neue Arbeitsgesellschaft abzuleiten.
1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger
Knapp 45 Millionen Erwerbspersonen werden in Deutschland 2014 gezählt (destatis.de a, 29.02.2016). Sie haben mit der Einbringung ihrer Arbeitskraft 2014 einen großen Anteil an der Erzeugung eines Bruttoinlandsproduktes in der Höhe von fast drei Billionen Euro (destatis.de b, 29.02.2016). Was würde es für die deutsche Gesellschaft bedeuten, wenn diese Arbeitskraft nach und nach verfällt?
Der hohe Lebensstandard der deutschen Gesellschaft, den einschlägige Indizes immer wieder attestieren, hängt, je nach Messansatz teils mehr teils weniger, aber immer auch von der wirtschaftlichen Leistung ab. Auch beim Index der OECD-Studie „How’s Life 2015?“ geht dieser Faktor mit in die Analyse ein. Mit einem ganzheitlichen Ansatz soll sie Erkenntnisse über das subjektiv empfundene Wohlbefinden von Menschen liefern. Sie zeigt, dass in Ländern, in denen das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner vergleichsweise hoch ist, auch andere das subjektiv empfundene Wohlbefinden positiv beeinflussende Faktoren höher sind (OECD 2015: 28). Nimmt die Wirtschaftsleistung eines Landes eben durch den Verfall der Arbeitskraft ab, ist also zu erwarten, dass auch das subjektiv empfundene Wohlbefinden abnimmt. In diesem Zusammenhang darf beispielsweise allein die starke Zunahme der Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland seit 2006, die eine Statistik von AOK-Versicherten aufzeigt, als alarmierend gelten (Graphik 1).
Ursache dieser Entwicklung scheint ein tiefgreifender Wandel der Arbeits- und Lebenswelt zu sein. Dieser ist vor allem durch weitreichende Veränderungen in der Arbeitsorganisation geprägt, wodurch sich konstitutive Bedingungen von Arbeit verändern. Erwerbstätige werden heute vor neue Anforderungen gestellt, denen sie nicht gewachsen scheinen. Dieser Prozess, der unter anderem Flexibilisierungsprozesse bedingte Veränderungen in der Strukturierung von Arbeit zusammengeheißt (vgl. Voß 1998: 473). Bisher war in dieser Hinsicht das Normalarbeitsverhältnis strukturbend für die deutsche Arbeitsgesellschaft. Mit über 24 Millionen Personen, die in dieser Beschäftigungsart angestellt sind, bildet diese Gruppe nach wie vor die größte unter den deutschen Erwerbstätigen (destatis.de c, 29.02.2016). Jedoch gerät eines, dies für die gesamte Gesellschaft prägende Konstrukt, gerade durch den arbeitsorganisatorischen Wandel ins Wanken.
1. Das Erkenntnispotenzial der Untersuchung der individuellen Reproduktionsleistung hochqualifizierter Alleinselbständiger: Einleitung in die Relevanz der Reproduktion von Arbeitskraft für die Gesellschaft und Definition der Problemstellung.
2. Arbeit und Leben als theoretischer Bezugsrahmen: Theoretische Fundierung durch die Begriffe Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit unter historischer Perspektive.
3. Die Reproduktion als individuelle Leistung: Untersuchung der Belastungsfaktoren von Arbeitskraft und die theoretische Herleitung der Reproduktion als Fähigkeit zur Selbstorganisation.
4. Das Untersuchungsfeld und Hypothesen: Hochqualifizierte Alleinselbständige im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien: Definition der Zielgruppe und Charakterisierung der spezifischen Arbeitsbedingungen in der Internetbranche.
5. Das Forschungsdesign: Vorstellung des qualitativen methodischen Vorgehens anhand von Interviews und Inhaltsanalyse.
6. Die Reproduktion der Arbeits- und Lebenskraft bei hochqualifizierten Alleinselbständigen: Empirische Darstellung der Ergebnisse anhand von fünf Fallstudien.
7. Der Vergleich und die Interpretation der Ergebnisse: Zusammenführung der Ergebnisse und Abgleich mit den Erkenntnissen der Basisstudie von Heiden und Jürgens.
8. Das Fazit: Guter Ansatz mit leichter Unschärfe: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf arbeitsmarktpolitische Implikationen.
Alleinselbständige, Reproduktionsleistung, Entgrenzung von Arbeit, Subjektivierung, Arbeitskraftunternehmer, Selbstorganisation, Lebenskraft, Internetbranche, Qualitative Inhaltsanalyse, Arbeitsweltwandel, Work-Life-Balance, Selbststeuerung, Arbeitsorganisation, Salutogenese, Flexibilisierung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie hochqualifizierte Alleinselbständige unter den Bedingungen der entgrenzten Arbeitswelt ihre Arbeitskraft und Lebenskraft durch individuelle Reproduktionsleistungen erhalten und stabilisieren.
Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte der Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit, der Wandel der Arbeitsgesellschaft sowie die spezifischen Bewältigungs- und Reproduktionsstrategien von Soloselbständigen.
Ziel ist es zu ergründen, welche stabilisierenden Handlungsmuster Alleinselbständige entwickeln, um den Anforderungen ihrer Tätigkeit gerecht zu werden und daraus Schlussfolgerungen für zukünftige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen abzuleiten.
Die Arbeit verfolgt einen explorativen, qualitativen Forschungsansatz. Es wurden leitfadengestützte Interviews mit Alleinselbständigen geführt, die anschließend mittels einer typisierenden Strukturierung nach Philipp Mayring inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der empirischen Analyse von fünf Fallbeispielen aus der Internetbranche, deren individuelle Strategien zur Grenziehung und Selbstorganisation systematisch untersucht und mit existierenden theoretischen Mustern abgeglichen werden.
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf Begriffe wie "Entgrenzung von Arbeit", "Arbeitskraftunternehmer", "Subjektivierung" und das Konzept des "stabilisierenden Fluchtpunktes" nach Heiden und Jürgens.
Während abhängige Beschäftigte oft durch betriebliche Strukturen fremdgesteuert sind, müssen Alleinselbständige ihre Arbeitsabläufe und die Regenerationsphasen vollständig eigenverantwortlich strukturieren, was neue Anforderungen an die Selbstorganisation stellt.
Technik wird sowohl als Ermöglicher für flexible Arbeitsformen (Homeoffice, ortsunabhängiges Arbeiten) als auch als Faktor für die ständige Verfügbarkeit diskutiert, wobei die Affinität zur Technik bei den Befragten eine bedeutende Rolle spielt.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für den Erhalt der Arbeitskraft in der Zukunft mehr Freiräume für die subjektive Gestaltung der Arbeitsbedingungen geschaffen werden müssen und das Bildungssystem Kompetenzen zur Selbstreflexion und Selbststeuerung stärker fördern sollte.
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