Examensarbeit, 2004
136 Seiten, Note: 1
Einleitung
1 Adoleszenz – eine notwendige Krise der Entwicklung
1.1. Definition Adoleszenz
1.2. Funktion der Adoleszenz
1.3. Die Probleme einer Generation
1.4. Veränderungen in der Adoleszenz
1.5. Psychische Störungen im Jugendalter
1.5.1. Identitätsstörung
1.5.2. Essstörungen
1.5.3. Depression
1.5.4. Suizid
1.6. Von den Schwierigkeiten ein Mädchen zu sein und eine Frau zu werden
1.6.1. Unterschiede in der Entwicklung von Jungen und Mädchen
1.6.2. Der weibliche Körper in unserer Gesellschaft
1.6.3. Die Bedeutung der Menstruation in der Entwicklung
1.6.4. Konflikte und Psychische Störungen junger Mädchen und Frauen
2 Was bedeutet selbstverletzendes Verhalten?
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Definition „selbstverletzenden Verhaltens“, „Selbstbeschädigung“ bzw. „Autoaggression“
2.3. Theorien selbstverletzenden Verhaltens – verschiedene Erklärungsansätze
2.3.1. Homöostatische Funktion oder Selbststimulationshypothese
2.3.2. Tiefenpsychologische Erklärungsversuche
2.3.3. Lernpsychologischer Ansatz nach Dollard
2.3.4. Narzissmus- und Objektbeziehungstheorie bzw. psychodynamische Modellvorstellung
2.3.5. Entwicklungspsychologische Interpretation
2.3.6. Lerntheoretische Hypothesen
2.3.6.1. Selbstverletzendes Verhalten als reaktives Verhalten
2.3.6.2. Selbstverletzendes Verhalten als operantes Verhalten
2.3.6.3. Modelllernen
2.3.7. Hypothese der biochemischen Verursachung – SVV als Suchtverhalten
2.3.8. Bindungstheorie
2.4. Formen selbstverletzenden Verhaltens
2.4.1. „Erlaubte“ Formen selbstverletzenden Verhaltens
2.4.1.1. Religiöse und rituelle Selbstverletzung
2.4.1.2. Schönheitsideale
2.4.1.3. Schönheitsoperationen
2.4.1.4. Extremsportarten
2.4.1.5. Äußerungsformen moderner Jugendkultur
2.4.2. „Krankhafte“ Formen selbstverletzenden Verhaltens
2.4.2.1. Formen heimlicher Selbstverletzung
2.4.2.2. Formen offener Selbstverletzung
2.4.2.3. Essstörungen
2.4.2.4. Stereotype Bewegungsstörungen mit selbstverletzendem Verhalten bzw. autoaggressive Stereotypien
2.5. Ursachen – die Wurzeln des selbstverletzenden Verhaltens
2.5.1. Deprivation/Isolation
2.5.2. Traumatisierung
2.5.2.1. Körperliche, sexuelle und seelische Gewalt
2.5.2.2. Unfälle und Krankheiten
2.5.3. Fallbeispiele
2.6. Prävalenz
3 Ritzen – eine besondere Form selbstverletzenden Verhaltens in der Adoleszenz
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Beschreibung des Phänomens „Ritzen“
3.2.1. Definition Ritzen
3.2.2. Der Akt des Schneidens
3.2.3. Der Teufelskreislauf „Ritzen“
3.3. Beschreibung der Betroffenen
3.3.1. Die Ritzerin und ihr Verhältnis zum eigenen Körper
3.3.2. Die Ritzerin mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
3.4. Funktionen des Ritzens
3.4.1. Ritzen als Antidepressivum – Funktion der Suizid- und der Psychoseprophylaxe
3.4.2. Ritzen als Selbstbestrafungsmechanismus
3.4.3. Funktion des seelischen Gewinns
3.4.4. Funktion der sexuellen Befriedigung
3.4.5. Ritzen als Kotrollmechanismus
3.4.6. Ritzen als Signal (Kommunikative Funktion)
3.4.7. Ritzen als Problemlöseversuch (Zusammenfassung)
3.5. Ritzen als Form aggressiven Verhaltens in der Jugend
3.6. Ritzen als geschlechtsspezifisches Verhalten
3.7. Ritzen versus Suizidalität
3.8. Der Zusammenhang von Ritzen und Essstörungen
3.9. Die Adoleszenz als Auslöser selbstverletzenden Verhaltens in Form von Ritzen
3.10. Folgen des Ritzens
3.11. Therapie
3.11.1. Anforderungen an den Therapeuten
3.11.2. Die therapeutische Arbeit
4 Schulische Intervention
4.1. Mögliche Veränderungen in der Schule
4.2. Probleme wahrnehmen und richtig handeln
4.2.1. Gründe zur Besorgnis – eine Checkliste für Lehrer
4.2.2. Was tun, wenn ein Schüler psychisch leidet?
4.2.2.1. Der Schulpsychologische Dienst
4.2.2.2. Beratungsstellen
4.2.3. Maßnahmen bei sexuellem Missbrauch von Schülerinnen
4.3. Zum Umgang mit Ritzerinnen in der Schule
4.3.1. Vorschläge von Betroffenen aus dem Internet
4.3.2. Rückschlüsse aus der Therapie
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens (SVV), insbesondere des Ritzens, bei Mädchen im Jugendalter. Ziel ist es, Lehrern und Pädagogen ein tieferes Verständnis für die Hintergründe dieses Verhaltens zu vermitteln und konkrete Handlungsstrategien für den schulischen Kontext aufzuzeigen, um betroffenen Schülerinnen frühzeitig Unterstützung anbieten zu können.
Die Adoleszenz als Auslöser selbstverletzenden Verhaltens in Form von Ritzen
Die erste Selbstverletzung in Form von Ritzen geschieht fast ausschließlich irgendwann während der Pubertät und wird später chronisch (vgl. ECKHARDT 1994, 44). Jugendliche in der Adoleszenz sind besonders anfällig für Störungen, in denen sie sich unmittelbar körperlichen Schaden zufügen oder in denen sie in ihrer Vorstellung ihr Körperbild verändern (vgl. LAUFER/LAUFER 1989, 9). Warum ist dies so?
Zu den äußeren Einflussgrößen, die SVV begünstigen, gehören immer wichtige Veränderungen, Wendepunkte im Leben oder belastende Situationen. Auch die Pubertät mit ihren starken und zahlreichen Veränderungen, kann zu SVV beitragen (vgl. MÜLLER-SCHLOTMANN 2003, 229).
Ritzen und andere Formen offenen SVVs können z.B. durch „Fortschritte in der Entwicklung, d.h. Aktualisierungen des Autonomie-Abhängigkeitskonfliktes“, wie er bei den meisten Adoleszenten besteht, ausgelöst werden (HEINEMANN/HOPF 2001, 137).
1 Adoleszenz – eine notwendige Krise der Entwicklung: Erläutert die Adoleszenz als lebensgeschichtliche Übergangsphase, die mit körperlichen, psychischen und sozialen Umbrüchen einhergeht und Identitätskrisen provozieren kann.
2 Was bedeutet selbstverletzendes Verhalten?: Definiert SVV und Autoaggression und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Theorien und Ursachenkomplexe, die das Entstehen dieses Verhaltens zu erklären versuchen.
3 Ritzen – eine besondere Form selbstverletzenden Verhaltens in der Adoleszenz: Konzentriert sich spezifisch auf das Ritzen, beschreibt das Phänomen, die betroffenen Personen sowie die vielfältigen Funktionen, die das Verhalten für die Jugendlichen erfüllt.
4 Schulische Intervention: Behandelt die Rolle der Schule und der Lehrkräfte, bietet Hilfestellungen zur Problemerkennung und konkrete Empfehlungen für das Handeln im pädagogischen Alltag bei Verdacht auf SVV.
Adoleszenz, Selbstverletzendes Verhalten, Ritzen, Autoaggression, Essstörungen, Pubertät, Identitätsfindung, Schulische Intervention, Traumatisierung, Bindungstheorie, Borderline, Psychische Störungen, Pädagogik, Körperbild, Suizidalität.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von selbstverletzendem Verhalten (SVV), insbesondere dem Ritzen, bei Mädchen in der Adoleszenz und leitet daraus notwendige Handlungsempfehlungen für den schulischen Alltag ab.
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklungsphase der Adoleszenz, die psychodynamischen Hintergründe von SVV, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sozialisation sowie die Möglichkeiten und Grenzen schulischer Intervention.
Das Ziel ist es, Pädagogen für das Thema SVV zu sensibilisieren, damit sie Anzeichen rechtzeitig wahrnehmen und professionell agieren können, ohne dabei die Grenzen ihrer eigenen Rolle als Lehrer zu überschreiten.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und zusätzlich Fallbeispiele sowie Erfahrungsberichte Betroffener einbezieht, um die theoretischen Aspekte zu verdeutlichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Entwicklung der Adoleszenz, Theorien zu SVV, Formen und Ursachen) und einen praktischen Teil, der das Phänomen „Ritzen“ sowie den Umgang damit im schulischen Umfeld detailliert betrachtet.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adoleszenz, Ritzen, Autoaggression, Identitätsfindung, Schulische Intervention und Traumatisierung geprägt.
Die Bindungstheorie dient dazu, unsichere Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit als Risikofaktoren für die spätere Entstehung von SVV zu identifizieren, da Betroffene oft nicht gelernt haben, auf gesunde Weise mit Stress und zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen.
Der Autor führt dies auf geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse zurück, bei denen Mädchen eher dazu angehalten werden, Aggressionen nach innen zu richten, während Jungen häufigere Möglichkeiten haben, diese durch expansives oder delinquentes Verhalten auszudrücken.
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