Magisterarbeit, 2013
109 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Stand der Migrationsforschung
2.1 Der Eingliederungsdiskurs in der Migrationsforschung
2.1.1 Erste Assimilationstheorien
2.1.2 Abkehr vom klassischen Assimilationsgedanken
2.1.3 Der deutsche Integrationsdiskurs
2.1.4 Neuere Ansätze
2.2 Der Sozialkapitalansatz in der Netzwerktheorie
2.2.1 Handlungen im Netzwerk
2.2.2 Der Sozialkapitalbegriff
2.2.3 Generierung von Sozialkapital
2.2.4 Negative Effekte von Sozialkapital
2.3 Transnationalismus
2.3.1 Das Konzept des Transnationalismus
2.3.2 Transnationale Identität
2.3.3 Transnationale Akteure und Strukturen
2.4 Probleme seitens der Aufnahmegesellschaft
2.4.1 Fremdenfeindlichkeit als gesamtgesellschaftliche Problematik
2.4.2 Die Konstruktion des Fremden
2.4.3 Ethnozentrismus
2.4.4 Nationale Identität und deutsche Besonderheiten
3 Migrantenselbstorganisationen in Deutschland
3.1 Typen und grundlegende Informationen
3.2 Die Debatte um die Migrantenselbstorganisationen
3.3 Migrantenselbstorganisationen und die deutsche Öffentlichkeit
3.3.1 Wechselwirkungen
3.3.2 Zur Unterscheidung von Privatem und Öffentlichem
3.3.3 Die ethnische Öffentlichkeit
4 Potentiale der Migrantenselbstorganisationen
4.1 Aufstiegschancen durch Interessenvertretung
4.2 Förderung von Transnationalität
4.3 Migrantenselbstorganisationen als Brückenbauer
5 Lateinamerikanische Migrantenselbstorganisationen in Deutschland
5.1 Lateinamerikanische Migration
5.1.1 Lateinamerika: Von der Einwanderungs- zur Auswanderungsregion
5.1.2 Die lateinamerikanische Migration nach Deutschland
5.1.3 Die lateinamerikanische Gemeinde in Deutschland
5.2 Forschungsdesign
5.2.1 Untersuchungsmethodik
5.2.2 Auswertungsverfahren
5.2.3 Auswahl der Interviewpartner
5.2.4 Durchführung der Interviews
5.3 CAARNE und Xochicuicatl: Zwei lateinamerikanische Migrantenorganisationen in Berlin
5.3.1 Grundlegende Daten
5.3.2 Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
5.3.3 Grenzen der Arbeit
5.3.4 Netzwerke und Sozialkapital
5.3.5 Transnationalität
5.3.6 Abschließende Bewertung
6 Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern die Mitgliedschaft in einer Migrantenselbstorganisation (MSO) die Erfolgschancen von Migranten in Deutschland beeinflusst. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie MSOs als Ressourcenquelle für Sozialkapital und transnationale Aktivitäten fungieren können, anstatt lediglich als Hindernisse für eine gesellschaftliche Integration wahrgenommen zu werden.
2.2.2 Der Sozialkapitalbegriff
Es existieren zurzeit mehrere anerkannte Definitionen für den Begriff des Sozialkapitals. Bourdieu legt in seiner Definition den Fokus auf das Potential zur Generierung von Ressourcen, weshalb sich seine Definition mit Blick auf die Thematik dieser Arbeit zur genaueren Betrachtung anbietet. Bourdieu beschreibt Sozialkapital als:
„die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“ (Bourdieu 1983: 190f).
In Bourdieus Definition werden erneut die Parallelen zwischen dem Sozialkapitalbegriff und der Netzwerktheorie offensichtlich. Der Fokus richtet sich weg vom Individuum, hin zu den Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren und den Ressourcen, die aus diesen Beziehungen erwachsen. Zwar kann Sozialkapital von einem einzelnen Akteur eingesetzt werden und ihm damit persönlich individuellen Nutzen bringen. Entsprechend dem netzwerktheoretischen Grundgedanken ist das soziale Kapital allerdings, im Gegensatz zum ökonomischen Kapital, nicht als Besitz eines Einzelnen zu verstehen. Es existiert einzig in den sozialen Beziehungen, die das Individuum unterhält, als eine Art Kollektivgut (vgl. Marx 2010: 97). Anders ausgedrückt kann eine Person alleine kein Sozialkapital generieren. Sie braucht dafür immer mindestens eine zweite Person, zu der sie in einer Beziehung steht. Genau wie der netzwerktheoretische Ansatz fragt der Sozialkapitalansatz also nach den Inhalten und Potentialen von Beziehungen. Die Netzwerktheorie und der Sozialkapitalansatz können sich somit dahingehend ergänzen, dass sie mit unterschiedlichen Werkzeugen und theoretischem Hintergrund einen Blick auf dieselben zwischenmenschlichen bzw. institutionellen Beziehungen erlauben (vgl. ebenda: 96).
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die kontroverse Debatte um die Rolle von MSOs für die Erfolgschancen von Migranten und führt in die zentralen Konzepte Sozialkapital und Transnationalität ein.
2 Stand der Migrationsforschung: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über verschiedene Ansätze der Migrationssoziologie, von klassischen Assimilationstheorien über Netzwerktheorien bis hin zu modernen transnationalen Perspektiven.
3 Migrantenselbstorganisationen in Deutschland: Es wird die Heterogenität von MSOs beleuchtet und ihre Rolle in der deutschen Öffentlichkeit sowie die Debatte um ihre integrative oder desintegrative Wirkung dargestellt.
4 Potentiale der Migrantenselbstorganisationen: Das Kapitel untersucht die Chancen, die von MSOs ausgehen, insbesondere durch Interessenvertretung, die Förderung transnationaler Aktivitäten und ihre Rolle als Brückenbauer.
5 Lateinamerikanische Migrantenselbstorganisationen in Deutschland: Dieser Teil präsentiert ein exploratives Forschungsdesign und stellt zwei untersuchte MSOs in Berlin exemplarisch vor, um die theoretischen Überlegungen in der Praxis zu prüfen.
6 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach MSOs als wichtige Ressourcenquelle und Vermittler dienen, und betont, dass keine generelle segregierende Wirkung festgestellt werden konnte.
Migrantenselbstorganisationen, MSOs, Sozialkapital, Transnationalität, Migrationsforschung, Integration, Assimilation, Netzwerktheorie, Erfolgschancen, Interessenvertretung, Ethnozentrismus, Identität, Ressourcen, Lateinamerikanische Migration, Partizipation
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss Migrantenselbstorganisationen (MSOs) auf die Erfolgschancen und die soziale Mobilität ihrer Mitglieder haben und ob sie eher integrationsfördernd oder -hemmend wirken.
Die zentralen Themenfelder umfassen die soziologische Migrationsforschung, die Bedeutung von Sozialkapital in Netzwerken, das Konzept des Transnationalismus sowie die öffentliche Debatte um Integration und Parallelgesellschaften.
Das primäre Ziel ist es, die Rolle von MSOs als Ressourcenquelle und Vermittlungsinstanz zu bewerten und ein differenzierteres Verständnis ihrer Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse von Migranten zu gewinnen.
Neben einer theoretischen Literaturanalyse nutzt die Arbeit einen qualitativen Ansatz in Form von Experteninterviews mit Vertreterinnen zweier lateinamerikanischer Organisationen in Berlin.
Der Hauptteil behandelt sowohl theoretische Grundlagen (Eingliederungsdiskurs, Netzwerktheorie, Transnationalismus) als auch die praktische Analyse der Strukturen, Arbeitsweisen und Erfolgschancen von MSOs, spezifisch am Beispiel lateinamerikanischer Organisationen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Migrantenselbstorganisationen (MSOs), Sozialkapital, Transnationalität, Integrationsdiskurs sowie Netzwerkanalysen.
Sie dienen als explorative Untersuchungsgruppe, da sie in Deutschland bisher kaum wissenschaftlich erforscht sind und aufgrund ihrer kulturellen Prägung eine hohe Relevanz für netzwerktheoretische Analysen aufweisen.
Der Autor stellt fest, dass keine segregierende Wirkung durch die Organisationen selbst nachgewiesen werden kann. MSOs agieren meist aufgeschlossen gegenüber der Aufnahmegesellschaft und fungieren eher als Brückenbauer denn als Integrationshürde.
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