Examensarbeit, 1997
153 Seiten
1 Einleitung
2 Vorüberlegungen und methodische Grundlagen
2.1 Die Sprache der Speisezubereitung – eine Fachsprache?
2.2 Ein Erklärungsversuch für die Übernahme französischer Kochterminologie
2.3 Ziel und Aufbau der Arbeit
2.4 Zur Erstellung, zu den Auswahlkriterien und der Gliederung des Belegmaterials
2.5 Zur Forschungslage
3 Der französische Lehnwortschatz
3.1 Historie
3.2 Sprachpuristische Bestrebungen
4 Terminologische Grundlagen
4.1 Fremdwort – Lehnwort
4.2 Interferenz – Transferenz – Integration
5 Phonologische Transferenz und Integration
5.1 Die Oralvokale
5.1.1 Die betonten Vokale im Inlaut
5.1.2 Die betonten Vokale im Auslaut
5.1.3 Oralvokale in Silben ohne Hauptton
5.2 Die Nasalvokale
5.3 Die Halbkonsonanten
5.4 Die Konsonanten
5.4.1 Paradigmatische phonemische Transferenz und Integration
5.4.2 Syntagmatische phonemische Transferenz und Integration
5.5 Transferenz und Integration des Wortakzents
6 Grapho-phonemische Transferenz und Integration
6.1 Grapho-phonemische Regeln der Vokale
6.2 Grapho-phonemische Regeln der Konsonanten
6.3 “Stumme Buchstaben“
7 Graphematische Transferenz und Integration
7.1 Vokalische Grapheme
7.2 Konsonantische Grapheme
7.3 Verdoppelungen und Vereinfachungen
7.4 Exkurs: Auswirkungen der geplanten Rechtschreibreform auf das entlehnte Vokabular der Küche
8 Morphologische Transferenz und Integration
8.1 Wortarten
8.1.1 Substantive
8.1.2 Verben
8.1.3 Adjektive
8.2 Wortbildung
8.2.1 Komposition/Wortzusammensetzung
8.2.2 Derivation/Wortableitung
8.3 Grammatikalische Morpheme
8.3.1 Kasus- und Numerusintegration
8.3.2 Genusintegration
9 Lexikalisch-semantische Transferenz und Integration
9.1 Semantische Integration
9.2 Lexikalische Transferenzen
9.2.1 Fremdwörter ohne empfängersprachliches Bedeutungsäquivalent
9.2.2 Dubletten
10 Resümee
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Präsenz französischer Fachbegriffe in der modernen deutschen Sprache der Speisezubereitung wissenschaftlich zu untersuchen und dabei insbesondere die Mechanismen der sprachlichen Integration auf phonologischer, graphematischer, morphologischer und semantischer Ebene zu beleuchten.
2.2 Ein Erklärungsversuch für die Übernahme französischer Kochterminologie
Es stellt sich die Frage, welche Ausdrucksabsichten eine Sprachgemeinschaft verfolgt haben mag, da sie es vorzog, für einen so wichtigen Bereich der eigenen Kultur, den die Küche darstellt, ein derart umfangreiches Vokabular aus dem Französischen zu übernehmen. Die Entlehnung fremder Wörter beschränkt sich nicht auf die Übernahme der Lexeme selbst, sondern steht mit der jeweiligen fremden Kultur in engem Zusammenhang: Übernahmen neuer Produkte und damit Produktbezeichnungen auf der einen Seite, Übernahmen neuer Kulturformen, neuer Denkmuster und neuer Weltanschauungen, welche Neuerungen in der Kommunikation notwendig machen, auf der anderen Seite. Die Küche bzw. das Vokabular der Speisezubereitung fungiert dabei als ein Spiegel, der die Bedürfnisse der Gesellschaft reflektiert. Im Vorwort des Larousse gastronomique heißt es:
La cuisine est fille de son temps, elle ne cesse de s`adapter aux besoins nouveaux, aux goûts, aux désirs de la société, car ses liens avec la civilisation ont toujours été très étroits.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die linguistische Relevanz von Kochrezepten als Fachsprache ein und thematisiert das Verständnisproblem vieler Laien gegenüber der französischen Kochterminologie.
2 Vorüberlegungen und methodische Grundlagen: Dieses Kapitel diskutiert den Status der Küchensprache als Fachsprache und erläutert die methodischen Ansätze zur Untersuchung des Belegmaterials.
3 Der französische Lehnwortschatz: Hier wird die historische Entwicklung der Entlehnungen und der Einfluss sprachpuristischer Bemühungen seit dem Mittelalter skizziert.
4 Terminologische Grundlagen: Das Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Fremdwort, Lehnwort sowie die Unterscheidung zwischen Transferenz und Integration.
5 Phonologische Transferenz und Integration: Eine detaillierte Untersuchung darüber, wie französische Laute in das deutsche phonologische System integriert oder durch Transferenz beibehalten werden.
6 Grapho-phonemische Transferenz und Integration: Hier wird analysiert, wie die französische Orthografie die Aussprache im Deutschen beeinflusst und zu Leseaussprachen führt.
7 Graphematische Transferenz und Integration: Das Kapitel befasst sich mit den schreibweisenbedingten Anpassungen, einschließlich der Auswirkungen der Rechtschreibreform auf das kulinarische Vokabular.
8 Morphologische Transferenz und Integration: Dieses Kapitel widmet sich der Einordnung der Entlehnungen in deutsche Wortbildungsmuster, wie Komposition und Derivation.
9 Lexikalisch-semantische Transferenz und Integration: Abschließend werden Bedeutungswandel, Bedeutungsverengungen und der Gebrauch von Dubletten im Wortschatz untersucht.
10 Resümee: Diese Zusammenfassung fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung der Integrationsmechanismen in den verschiedenen Sprachebenen zusammen.
Französische Kochterminologie, Lehnwörter, Sprachkontaktforschung, Speisezubereitung, Phonologische Integration, Graphematik, Wortbildung, Semantik, Gastronomie, Sprachwandel, Sprachpurismus, Entlehnung, Transferenz, Fachsprache, Küchenlatein
Die Arbeit untersucht die Integration französischer Wörter in die deutsche Sprache der Speisezubereitung und analysiert, wie diese Begriffe auf verschiedenen sprachlichen Ebenen integriert oder als Fremdwörter beibehalten werden.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des französischen Einflusses auf die deutsche Küche, die lautliche und schreibweisenbedingte Anpassung sowie die morphologischen und semantischen Integrationsmechanismen.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie und in welchem Ausmaß französische Termini der Speisezubereitung gegenwärtig in den deutschen Sprachgebrauch integriert bzw. als eigenständige Entlehnungen präsent sind.
Die Untersuchung basiert auf der Analyse eines eigens erstellten Wortkorpus, das mittels linguistischer Literatur und aktueller Kochbuchliteratur systematisch nach phonologischen, graphematischen, morphologischen und semantischen Kriterien ausgewertet wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der lautlichen (phonologischen), schreibweisenorientierten (graphematischen), strukturellen (morphologischen) und bedeutungstragenden (semantischen) Anpassungen der französischen Lehnwörter an das Deutsche.
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Kochterminologie, Lehnwörter, Sprachkontakt, Integration, Transferenz, Gastronomie und Fachsprache.
Frankreich galt lange Zeit als das Land der feinen Kochkunst. Die Entlehnung französischer Begriffe war eng mit dem Import neuer Produkte, kultureller Konzepte und dem Prestigebedürfnis der Gesellschaft verbunden.
Die Untersuchung verdeutlicht, dass die Reform eher bestehende Tendenzen zur Eindeutschung oder zum Festhalten am französischen Flair (wie bei "Soufflé" vs. "Souflee") fortführt, statt radikale Neuerungen im kulinarischen Vokabular zu bewirken.
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