Bachelorarbeit, 2015
44 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Definition Filmrevolution
3. Schnitt
3.1 Montagetechniken
3.2 Schnittfreie Spielfilme
3.3 Weiterentwicklungen in Film: Schnitt, Technik und Theorie
3.4 Neorealismus: Parallelen
3.5 Nouvelle Vague : Parallelen
4. Dramaturgie
4.1 Das Drama der Identität von Nathalie Weidenfeld
4.2 Dramaturgische Analyse von Victoria
5. Filmmusik
6. Berliner Schule, Genrefilm, German Mumblecore
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film "Victoria" (2015) von Sebastian Schipper auf seine filmrevolutionären Aspekte, insbesondere im Hinblick auf die technisch anspruchsvolle und ästhetisch prägende Entscheidung, den gesamten Spielfilm in einer einzigen, ungeschnittenen Plansequenz zu drehen.
3.1 Montagetechniken
Die Gängigste und bekannteste Technik repräsentiert das Material in einer kontinuierlichen Abfolge. Dies wird als unsichtbarer Schnitt bezeichnet, da der Zuschauer den Schnitt gar nicht wahrnimmt. Als zweite Möglichkeit kann der Cutter sich dazu entscheiden, Brüche und Kontraste in den Film einzubauen, die unterschiedliche Bedeutungen hervorrufen und den Schnitt sichtbar werden lassen. Durch diese Art des Schneidens entwickelt der Zuschauer eine gewisse Distanz zum Gesehenen und bleibt sich dadurch mehr der Tatsache bewusst, dass die gezeigten Bewegtbilder nur Illusionen darstellen.
Wsewolod I. Pudowkin, einer der wichtigsten russischen Filmemacher und Theoretiker der 1920er Jahre, orientierte sich am eben erwähnten Kontinuitätsprinzip, auch ›Konstruktive Montage‹ genannt. Dies bedeutet, dass die einzelnen gefilmten Einstellungen ineinander greifen und den Film kausallogisch gliedern, sodass der Zuschauer ihn flüssig aufschlüsseln kann. Die Montage ordnet sich dabei der Erzählung unter. Die Bildabfolge kann man sich wie Frage-Antwort-Ketten vorstellen. Dabei wirft das erste Bild eine Frage auf, während das zweite diese Frage oft beantwortet.
In zahlreichen Experimenten erkundeten die russischen Filmemacher die Macht der Montage. Das wohl bekannteste Experiment, auf das sich auch Alfred Hitchcock oft bezogen hat, war das des russischen Regisseurs Lew Kuleschow, der damals auch unter anderem Pudowkin unterrichtete: Er nahm eine Großaufnahme eines Schauspielers mit bewusst ausdruckslosem Blick und schnitt sie mit der Aufnahme eines Suppentellers, der Aufnahme eines toten Mannes und der Aufnahme einer lasziven Frau zusammen. Die Zuschauer, denen Kuleschow das zusammengeschnittene Material vorführte, interpretierten den Ausdruck des Schauspielers immer im Zusammenhang mit dem danach gezeigten. Sie glaubten also im einen Fall, das Gefühl des Hungers erkennen zu können und in den anderen beiden Fällen die der Trauer und der Begierde. Das lässt darauf schließen, dass der Kontext bestimmt welche Bedeutung einem Bild beigemessen wird.
1. Einleitung: Einführung in den Film "Victoria" und die Problematik des deutschen Films bei internationaler Rezeption.
2. Definition Filmrevolution: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Revolution im Kontext der Kunst und der Filmproduktion.
3. Schnitt: Detaillierte Analyse der klassischen Montagetechniken und der historischen Entwicklung bis hin zum schnittfreien Film.
4. Dramaturgie: Untersuchung des Drehbuchaufbaus anhand der Heldenreise und des Identitätsmodells von Nathalie Weidenfeld im Film "Victoria".
5. Filmmusik: Analyse der diegetischen und extra-diegetischen Musik und deren somatische Wirkung auf den Zuschauer.
6. Berliner Schule, Genrefilm, German Mumblecore: Einordnung von "Victoria" in aktuelle deutsche Filmströmungen und deren spezifische Arbeitsweisen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Films als revolutionäres Werk, das Sehgewohnheiten bricht und neue Standards setzt.
Victoria, Sebastian Schipper, Plansequenz, Filmrevolution, Schnitt, Dramaturgie, Heldenreise, German Mumblecore, Neorealismus, Nouvelle Vague, Filmmontage, Improvisation, Filmästhetik, Independent Film, Berliner Schule
Die Arbeit analysiert Sebastian Schippers Film "Victoria" hinsichtlich seiner filmischen Machart, insbesondere der Entscheidung, den Film ohne sichtbare Schnitte in einer einzigen Plansequenz zu realisieren.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Filmmontage, die dramaturgische Strukturierung des Plots, die Einordnung des Films in verschiedene europäische und deutsche Filmströmungen sowie die Bedeutung des Sounddesigns für die Authentizität des Werks.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum "Victoria" als Filmrevolution bezeichnet werden kann und inwiefern der gewählte Ansatz ein Nachahmungspotential für zukünftige Filmemacher bietet.
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, wobei das Dramaturgie-Modell von Nathalie Weidenfeld angewendet wird, um die Figurenentwicklung und die Wendepunkte des Films zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Montagetechniken, eine spezifische dramaturgische Analyse des Films sowie den Vergleich mit Strömungen wie der "Berliner Schule" und dem "German Mumblecore".
Zu den prägenden Begriffen gehören "Plansequenz", "Filmrevolution", "Dramaturgie", "Improvisation" und die Einordnung als moderner "Independent Film".
Trotz inhaltlicher Parallelen unterscheidet sich "Victoria" durch ein deutlich höheres Budget, den Einsatz professioneller Schauspieler statt Laien und eine qualitativ hochwertige visuelle Ästhetik.
Die Musik, sowohl diegetisch als auch improvisiert extra-diegetisch von Nils Frahm, dient dazu, das Nervensystem des Zuschauers zu fordern und eine körperliche, somatische Bindung an das Geschehen herzustellen.
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