Examensarbeit, 2014
69 Seiten
1 Einleitung
2 Kulturhistorische Grundlagen zum Wandel der Ehe als Institution und Geschlechterbeziehung
2.1 Die Entwicklung der Ehe in Europa bis zum 17. Jahrhundert
2.2 Der Wandel zum neuen Modell der Ehe: Die bürgerliche Ehe
3 Die Debatte um die matrimonios desiguales im Spiegel Moratíns neoklassizistischer Komödie
3.1 Kritik der Aufklärer am Theater des Siglo de Oro
3.2 Moratíns El sí de las niñas als Musterbeispiel einer neoklassizistischen Komödie
3.3 Analyse der Heiratsdarstellung in El sí de las niñas
4 Goyas Kritik an der zeitgenössischen Heiratspraxis im Verwirrspiel mit der medialen Strategie der Ambiguisierung
4.1 Die Vorarbeiten zu den Caprichos
4.2 Los Caprichos: Gesellschaftskritik im Zusammenspiel mit künstlerischer Innovation
4.3 Analyse der Darstellung der Heirat in Goyas Caprichos am Beispiel von Capricho 2 und 14
5 Divergenzen zwischen Moratíns Theater und Goyas Caprichos
6 Schluss
7 Bibliografie
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel und die Repräsentation von Ehe und Heiratspolitik im Spanien des 18. Jahrhunderts, indem sie das neoklassizistische Theater von Leandro Fernández de Moratín mit den grafischen Zyklen (Caprichos) von Francisco de Goya vergleicht. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit die jeweilige Gattungswahl die ideologische Darstellung beeinflusst und ob die Künstler tatsächlich gesellschaftliche Reformen anstrebten oder primär eine ästhetisch-didaktische Auseinandersetzung führten.
Die Debatte um die matrimonios desiguales im Spiegel Moratíns neoklassizistischer Komödie
Die Theaterszene im spanischen 18. Jahrhundert charakterisiert sich vor allem durch den Wechsel vom Theater des Siglo de Oro, das hauptsächlich in der ersten Jahrhunderthälfte auf den Bühnen präsent war, hin zum neoklassizistischen Theater. Obwohl das von den Aufklärern propagierte Theater weder „quantitativ noch qualitativ“ mit dem des Siglo de Oro konkurrieren konnte, wandten sich von Seiten der Aufklärer viele kritische Stimmen gegen diese „epigonenhaften, sinnentleerten Formen und vertraten ein nüchternes Konzept, das mit ihren Forderungen an die klassische Poetologie anknüpfte“. Der Bedeutungsverlust des bestehenden Theaters geht überwiegend auf das in diesem vertretene und im Zuge der gesellschaftspolitischen Veränderungen ins Wanken geratene Gesellschaftsmodell und die Entstehung eines bürgerlichen Modells zurück, „das dieser ideologischen Prädisposition Widerpart bot“.
Ertler zufolge konnten die kaballeresken Lebensformen dem Prozess der allmählichen Verbürgerlichung nicht standhalten und erlebten einen Zusammenbruch. Auf Kritik stieß insbesondere das Theater des als „Vertreter des traditionellen Spaniens“ geltenden Pedro Calderóns (1600-1681), dessen Wirken im kulturhistorischen Zusammenhang besonders bedeutsam war, jedoch von den Aufklärern als Überbleibsel eines nicht mehr zeitgemäßen Systems kritisiert wurde. Von diesen angeprangert wurde unter anderem die comedia de magia, die mit Calderóns „Theatermechanik“ zu Beginn des Jahrhunderts besonders populär gewordenen Zauberkomödien, die die Zuschauer mit atemberaubenden Szenerien, möglich durch eine technisch fortschrittlichere Bühnentechnik, in den Bann zogen.
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des gesellschaftlichen Wandels der Ehe im 18. Jahrhundert in Spanien und Vorstellung der beiden Hauptakteure Moratín und Goya.
2 Kulturhistorische Grundlagen zum Wandel der Ehe als Institution und Geschlechterbeziehung: Untersuchung der historischen Entwicklung der Ehe vom sozioökonomischen Instrument hin zum bürgerlichen Modell unter Einfluss des kirchlichen Konsensprinzips.
3 Die Debatte um die matrimonios desiguales im Spiegel Moratíns neoklassizistischer Komödie: Analyse des neoklassizistischen Theaters als didaktisches Instrument und dessen Kritik an den arrangierten Ehen in Moratíns Stücken.
4 Goyas Kritik an der zeitgenössischen Heiratspraxis im Verwirrspiel mit der medialen Strategie der Ambiguisierung: Untersuchung der Caprichos als ambivalente Bild-Text-Formen, die gesellschaftliche Missstände ironisch und karnevalesk kritisieren.
5 Divergenzen zwischen Moratíns Theater und Goyas Caprichos: Gegenüberstellung der didaktisch-rationalen Theateransätze Moratíns mit der grotesk-subversiven Bildsprache Goyas.
6 Schluss: Synthese der Ergebnisse zur gegenseitigen Beeinflussung von künstlerischer Gattung (Genre) und ideologischem Ausdruck im Kontext der spanischen Aufklärung.
7 Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Ehe, Heiratspolitik, Aufklärung, Moratín, Goya, El sí de las niñas, Caprichos, Neoklassizismus, Ehearrangements, Geschlechterrollen, Gesellschaftskritik, Ambiguisierung, Bild-Text-Beziehung, Literaturgeschichte, Spanische Aufklärung
Die Arbeit analysiert, wie sich das Verständnis und die Praxis der Ehe im Spanien des 18. Jahrhunderts in der Kunst und Literatur widerspiegeln.
Die Themen umfassen den Übergang zur bürgerlichen Liebesehe, die Kritik an standespolitischen Ehearrangements und die Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft.
Das Ziel ist ein Vergleich zwischen Moratíns Theater und Goyas Caprichos, um zu verstehen, wie formale Gattungsmerkmale die inhaltliche Kritik an gesellschaftlichen Normen beeinflussen.
Es handelt sich um eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Analyse, die historisch-kulturelle Diskurse mit einer formalen Betrachtung künstlerischer Werke verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Ehe, die neoklassizistische Theaterreform Moratíns sowie Goyas innovative und mehrdeutige Bildsprache in den Caprichos.
Die zentralen Begriffe sind Aufklärung, Ehe, Neoklassizismus, Gesellschaftskritik, Ambiguisierung, Geschlechterrollen und die spezifischen Werke von Moratín und Goya.
Moratín nutzt das klassische Theater, um beispielhaftes, rationales Verhalten zu erziehen, während Goya durch Ambivalenz und Groteske den Betrachter zur eigenen kritischen Reflexion zwingt.
Die Ambiguisierung entzieht dem Betrachter die bequeme Lehre und öffnet den Raum für eine Vielschichtigkeit, die Goyas Skepsis gegenüber einfachen Lösungen im Kontext der Zensur verdeutlicht.
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