Masterarbeit, 2014
104 Seiten, Note: 1,1
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 PHÄNOMEN KORRUPTION: ERKLÄRUNGEN UND URSACHEN
2.1 Definition und Dimensionen eines vielschichtigen Begriffes
2.2 Korruptionsarten
2.3 Ursachen von Korruption – der Mensch als Faktor
2.3.1 Intelligenz
2.3.2 Psychopathie
2.3.3 Organisationaler Zynismus
2.4 Ursachen von Korruption – Situationen als Faktor
2.4.1 Die klassische ökonomische Kriminalitätstheorie: Rational Choice
2.4.2 Sozial-psychologische Theorie: Kognitive Dissonanz
3 DAS POSTSOWJETISCHE ERBE
3.1 Entwicklungen in der Sozialpolitik
3.1.1 Die Transformation als Wandel der Gesellschaft
3.1.2 Postsowjetische soziale Stratifikation
4 KORRUPTION IN DER RUSSISCHEN WIRTSCHAFT
4.1 Beziehungsnetzwerke in Russland
4.1.1 Blat: Transaktionen über Beziehungsnetzwerke
4.1.2 Kryši: Transaktionen und ihre private Durchsetzung
4.1.3 Entwicklung kollektiver Korruption
4.2 Korruption als Phänomen des Wandels
4.2.1 Schlupflöcher durch unterentwickelte Gesetzgebung
4.3 Rechtsunsicherheit in der russischen Rechtskultur
4.3.1 Russische Gerichtsbarkeit
4.3.2 Die Schwäche der russischen Judikative
4.4 Der Rat zur Korruptionsbekämpfung
4.4.1 Medienreaktion auf die Gründung des Anti-Korruptionsrates
5 KORRUPTION IM GESELLSCHAFTLICHEN DISKURS
5.1 Soziologische Analyse zur Korruption in Russland
5.1.1 Soziodemografische Angaben
5.2 Involvierungstypologien der Korruption
5.3 Bewusstsein und Gewohnheit als Korruptionskonzept
5.3.1 Nicht korruptes Verhalten in Bestechungssituationen
5.3.2 Kultur der Bestechung
5.4 Korruption im Gesundheits- und Bildungswesen
5.4.1 Bildungsqualität durch korrekte Wahl der Mittel
5.4.2 Gesellschaftliches Ansehen durch höhere Bildung
5.4.3 „Ware“ Gesundheit gegen gute Bezahlung
5.4.4 Korruption als Normalität des täglichen Lebens
6 AUSBLICK UND FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der russischen Ökonomie unter den spezifischen Bedingungen von Korruption und Rechtsunsicherheit. Ziel ist es, anhand theoretischer Erklärungsmodelle und einer soziologischen Analyse empirischer Daten (INDEM-Studie) aufzuzeigen, dass Korruption in Russland kein bloßes Randphänomen darstellt, sondern als integraler und für das tägliche Leben unumgänglicher Bestandteil der russischen Kultur verfestigt ist.
2.1 Definition und Dimensionen eines vielschichtigen Begriffes
Neben der Wirtschaftswissenschaft beschäftigt das Phänomen Korruption die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen wie Verwaltungswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie, Kriminologie, Psychologie, Theologie, Biologie und Geschichtswissenschaft. Das Problem der Begriffsbestimmung taucht in allen wissenschaftlichen Abhandlungen auf und hat in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen keinen einheitlichen Korruptionsbegriff vorzuweisen. Daher finden bei der Definition des Korruptionsbegriffes einzelne Wissenschaftsbereiche Beachtung, um die unterschiedlichen Definitionen zu verdeutlichen. Etymologisch lässt sich korrupt mit bestechlich, verderbt oder verdorben übersetzen, abgeleitet aus dem lat. corrumpere, welches das Verb „rumpere“ beinhaltet. In diesem Verb kommt der Vorgang des Brechens zum Ausdruck, welcher in der Wortverbindung „cor-rumpere“ schließlich das Zusammenbrechen benennt – brechen und zusammenbrechen kann nur dort etwas, wo es zuvor heil bzw. ganz war. Umgangssprachlich wird der Begriff oft mit „Bestechung“ assoziiert. Dadurch bedingt und aufgrund teilweise bestehender Informationsdefizite resultiert das mangelnde Unrechtsbewusstsein für Straftaten, wie z. B. Vorteilsannahme oder Vorteilsgewährung. Im Lexikon der Wirtschaftsethik wird der Terminus Korruption als normwidriges Verhalten eines Funktionsträgers beschrieben. Aus der Sichtweise der Wirtschaftswissenschaft handelt es sich um einen nicht legalen Tausch zwischen dem Agenten und dem Klienten, bei dem der Agent durch Missbrauch der Vertrauensstellung zwischen ihm und dem Klienten eine nicht erlaubte Handlung als Leistung erbringt. Hierdurch entsteht dem Wettbewerber ein Schaden. Der Begriff Korruption ist kein juristischer Fachbegriff und nur ein ausgewählter Teil menschlicher Verhaltensweisen wird erfasst, welchen man einem weiten Definitionsbereich der Korruption zuordnen könnte. Stierle unterteilt in seinem Buch die politische Korruption in drei wesentliche Aspekte:
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das Phänomen Korruption als scheues Wesen und definiert die Zielsetzung, die Ursachen und die soziokulturelle Verankerung von Korruption in der russischen Gesellschaft zu analysieren.
2 PHÄNOMEN KORRUPTION: ERKLÄRUNGEN UND URSACHEN: Dieses Kapitel erarbeitet eine interdisziplinäre Definition von Korruption und untersucht psychologische Personenfaktoren (Intelligenz, Psychopathie) sowie situative Faktoren (Rational Choice, Kognitive Dissonanz) als Ursachen.
3 DAS POSTSOWJETISCHE ERBE: Es wird analysiert, wie die sowjetische Sozialpolitik und die Transformationsphase nach 1991 die soziale Struktur Russlands und das heutige Verständnis von sozialer Gerechtigkeit und Hierarchie geprägt haben.
4 KORRUPTION IN DER RUSSISCHEN WIRTSCHAFT: Dieses Hauptkapitel untersucht informelle Netzwerke wie Blat und Kryši, die Rolle der Rechtsunsicherheit in der russischen Rechtskultur und die Effektivität des staatlichen Rates zur Korruptionsbekämpfung.
5 KORRUPTION IM GESELLSCHAFTLICHEN DISKURS: Basierend auf einer umfassenden Weltbank-Studie (INDEM) wird analysiert, wie Bürger in Russland Korruption wahrnehmen und welche Rolle diese im Alltag, insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen, spielt.
6 AUSBLICK UND FAZIT: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Korruption aufgrund mangelnder ernsthafter politischer Bemühungen und tief verwurzelter soziokultureller Muster langfristig ein fester Bestandteil der russischen Lebensrealität bleibt.
Korruption, Russland, Transformation, Blat, Kryši, Rechtsunsicherheit, Postsozialismus, Kognitive Dissonanz, Rational Choice, Wirtschaftskriminalität, Gesundheitswesen, Bildungswesen, Soziologische Analyse, Korruptionsbekämpfung, INDEM-Studie.
Die Arbeit untersucht das Phänomen Korruption im postkommunistischen Russland und analysiert, warum sich diese Praxis trotz diverser Reformbemühungen als integraler Bestandteil der gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen verfestigen konnte.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die psychologischen und soziologischen Ursachen korrupten Handelns, die historischen Wurzeln im postsowjetischen Erbe sowie die informelle Organisation der russischen Wirtschaft und deren Auswirkungen auf das Vertrauen in staatliche Institutionen.
Das Ziel ist es, die These zu belegen, dass Korruption in Russland für weite Teile der Bevölkerung überlebensnotwendig geworden ist, da soziale Leistungen und alltägliche Problemlösungen ohne informelle Zuwendungen kaum erreichbar sind.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus theoretischen Ansätzen (u.a. Kriminalitätstheorien und sozialpsychologische Theorien) und eine vertiefende soziologische Sekundäranalyse einer groß angelegten Umfrage der INDEM-Stiftung.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen informeller Beziehungsnetzwerke, die Schwächen der russischen Judikative, die Rolle von "Dachorganisationen" (Kryši) und die spezifische Ausprägung von Korruption in den essenziellen Sektoren Bildung und Gesundheit.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Korruption, Transformation, postsowjetisches Erbe, Blat, informelle Ökonomie, Rechtsunsicherheit und soziologische Diskursanalyse charakterisieren.
Blat bezeichnet informelle Bekanntschaftsnetzwerke, die in der Sowjetzeit den Zugang zu knappen Gütern sicherten, während Kryši als private Schutzorganisationen (teils aus kriminellen oder staatlichen Strukturen) fungieren, um Eigentum und Verträge abzusichern, wo der Staat versagt.
Nach Analyse des Dokuments wird das Gesundheitssystem als korrupt eingestuft, da "kostenlose" staatliche Leistungen faktisch nicht ohne zusätzliche informelle Zahlungen (Bestechung oder Geschenke) an das Personal erhältlich sind, was insbesondere für weniger begüterte Bürger eine Diskriminierung darstellt.
Die Arbeit kommt zu einem ernüchternden Fazit: Staatliche Maßnahmen, wie die Gründung des "Rates zur Korruptionsbekämpfung", werden oft als symbolisch ("auf dem Papier") oder als Propagandainstrumente wahrgenommen, die an den grundlegenden, tief in der russischen Rechtskultur verwurzelten Problemen nichts ändern.
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