Diplomarbeit, 2004
142 Seiten, Note: 1,8
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Einleitung
2. Hollywoodeske Muster
2.1 Archetypische Vorboten
2.1.1 Der klassische Monomythos
2.1.1.1 Funktionen des klassischen Mythos –für das Individuum
2.1.1.2 - für eine Gemeinschaft
2.1.2 Das Ritual
2.2 Der Amerikanische Monomythos
2.2.1 Der Aufbau
2.2.2 Die Darstellung des Helden
2.2.3 Funktionen
2.2.4 Entstehungsgeschichte
2.2.4.1 Paradiesische Zustände
2.2.4.2 Bedrohung des Paradieses
2.2.4.3 Selbstjustiz
2.2.4.4 Weitere Entwicklungen
2.2.5 Moralverständnis
2.2.6 Politikvermittlung im American Monomyth
2.2.6.1 Die politischen Traditionen der USA
2.2.6.1.1 Die vier Traditionslinien
2.2.6.1.2 Die politischen Traditionen der USA als Bestandteil des American Monomyth
2.2.6.2 Popfaschismus vs. Demokratieverteidigung
2.3 Zwischenresumée
3. Politikvermittlung und Unterhaltung
3.1 Unterhaltung vs. Information
3.2 Politische Verortung
3.2.1 Politische Kultur
3.2.2 Politische Identität
3.3 Politikvermittlung
3.3.1 Politische Rhetorik
3.3.2 Politische Inszenierung
3.3.2.1 Theatralisierung des Politischen
3.3.2.2 Von der Korporalität zur Personifizierung
3.3.2.3 Performance und politische Events
3.3.2.4 Wahrnehmung
3.3.3 Die politische Rhetorik des US-amerikanischen Präsidenten
3.4 Entertainisierung von Politik
3.4.1 Visualisierung
3.4.2 Komplexitätsreduzierende Politikvermittlung
3.4.3 Scheinwelt/ Illusionen/ Als-ob-Welten
3.4.4 Politischer Mainstream
3.4.5 Politainment
3.4.6 Medien-Metaphern
3.4.7 Douglas Kellner
3.4.8 Krieg als Massenkultur?
3.4.9 Beispiele aus Hollywood
3.5 Zwischenresumée
4. Propaganda
4.1 Begriffsbestimmung
4.2 Massenpsychologische Verortung
4.3 Abgrenzung zu Nachbardisziplinen
4.3.1 Funktionen der Nachbardisziplinen
4.3.2 Propaganda vs. politische PR
4.3.3 Propaganda vs. Persuasion
4.4 Propaganda in pluralistischen Systemen
4.4.1 Die Organisation der Medien
4.4.2 Merkmale effektiver Propaganda
4.4.2.1 Informative Propaganda
4.4.2.2 Ethnozentristische Orientierung
4.4.2.3 Moralvermittlung
4.4.2.3.1 Begriffsbestimmung Moral
4.4.2.3.2 Moralisieren
4.4.2.3.2.1 Verwendung von Dichotomien
4.4.2.3.2.2 Verkündung „großer Werte“
4.4.2.3.2.3 Oppositionspaar „wertvolle/ wertlose“ Opfer
4.5 Analyse von Propaganda
4.6 Legitimierungsstrategien für militärische Interventionen
5. Chronologie der Ereignisse nach dem 11. September
5.1 Der 11. September und Afghanistan
5.2 Irakkonflikt
5.3 Chronologie und hollywoodeske Muster
6. Methoden/ Untersuchungsdesign
6.1 Qualitative Inhaltsanalyse
6.2 Untersuchungsgegenstand
6.3 Kategoriensystem
6.4 Verwendete qualitative Techniken
7. Interpretation
7.1 Eine paradiesische Gemeinschaft... (Darstellung der eigenen Gemeinschaft)
7.1.1 Berücksichtigung konstituierender Werte der eigenen Gemeinschaft
7.1.2 Deklarierung des eigenen Wertesystems zum Maßstab
7.1.3 Betonung christlicher Werte
7.1.4 Verwendung von Symbolen
7.2 ...unterliegt einer Bedrohung.... (Darstellung von Bedrohungen)
7.2.1 Formen der Bedrohung
7.2.2 Reaktion der Gemeinschaft auf die Bedrohung
7.2.2.1 Opferrolle
7.2.2.2 Schwellenphase
7.2.2.3 Indizien für Communitas
7.2.2.4 Zusammenhalt in der Gruppe
7.2.3 Konstatieren eigener moralischer Verfehlungen
7.3 ...eines Feindes... (Darstellung der Feinde)
7.3.1 Feindbestimmung
7.3.2 Werte des Feindes
7.4 ...gesellschaftliche Institutionen, die üblicherweise mit der Behebung von Unregelmäßigkeiten betraut sind... (Darstellung von Institutionen)
7.5 ...versagen... . (Darstellung des Versagens von Institutionen)
7.6 ...Ein selbstloser Held tritt hervor... (Darstellung von Helden)
7.6.1 Bestimmung der Helden
7.6.2 Präsident als rituelle Autorität
7.6.2.1 Gemeinschaft auf einen einheitlichen Stand unterwerfen
7.6.2.2 Mit Kraft ausstatten
7.6.2.3 Aufruf zur Partizipation
7.7 ...und bekämpft den Feind... (Darstellung der Feindbekämpfung)
7.7.1 Drohungen und Forderungen
7.7.2 Aussagen über Bekämpfung
7.7.3 Zeit- und Handlungsdruck
7.7.4 Legitimation von Gewaltanwendung
7.7.5 Opferbeschreibung
7.8 ...Ein entscheidender Sieg wird erlangt... . (Darstellung von Siegen)
7.8.1 Art des Sieges
7.8.2 Wiederherstellung paradiesartiger Zustände
7.9 ...Der Held macht aufgrund der Ereignisse eine entscheidende Entwicklung durch
7.10 Zur Instrumentalisierung hollywoodesker Muster
8. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwiefern die politische Rhetorik der US-Regierung nach dem 11. September 2001 auf narrativen Mustern der Unterhaltungskultur basiert, um militärische Interventionen zu legitimieren. Das primäre Ziel besteht darin, nachzuweisen, ob das Genre des "American Monomyth" als Propagandainstrument genutzt wurde, um ein konsensfähiges Verständnis für Krisensituationen in der Bevölkerung zu erzeugen.
2.2.1 Der Aufbau
Das populäre Material der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie orientiert sich zwar in seinen Grundstrukturen weiterhin am klassischen Monomythos. Nach Einzug der modernen Medien sind jedoch klassische mythische Geschichten als Richtschnur für den individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess in den Hintergrund getreten. Mittlerweile kann der Zuschauer populäre Mythen in verschiedensten Formen rezipieren: „Der geschriebene Diskurs, der Sport, aber auch die Photographie, der Film, die Reportage, Schauspieler und Reklame, all das kann Träger der mythischen Aussage sein“ (Barthes 1970: 86). Dabei konnte sich ein bestimmter Typus des modernen Mythos in der US-amerikanischen Populärkultur in Form eines narrativen Genres besonders etablieren. Dieses Genre dominiert die US-amerikanische Filmindustrie und tangiert folglich auch aktuelle politische Diskurse und Sichtweisen auf Rezipienten- und Entscheiderseite.
Werke des von Jewett und Lawrence als American Monomyth bezeichneten Genres setzen sich aus folgender einheitlicher Grundstruktur zusammen:
Eine zu Beginn als paradiesartig und harmonisch gezeichnete Gemeinschaft wird mittels einer Inkarnation des Bösen in Form von Terroristen, Naturkatastrophen, aber auch inneren Auseinandersetzungen etc. bedroht. Die demokratisch legitimierten Institutionen, die üblicherweise mit der Behebung solcher Unregelmäßigkeiten betraut sind, unterliegen dieser Drohung. Es tritt ein selbstloser Superheld hervor, der sich der Aufgabe annimmt, die Gemeinschaft zu retten. Mit Hilfe des Schicksals erringt er einen entscheidenden Sieg. Am Ende wird der paradiesartige Zustand der Gesellschaft wiederhergestellt und der Held tritt aus dem Bereich des öffentlichen Interesses zurück ins Unklare.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Parallelen zwischen der US-Politik nach dem 11. September und den narrativen Mustern Hollywoods, wobei die These der Instrumentalisierung unterhaltungskultureller Strukturen für politische Zwecke aufgestellt wird.
2. Hollywoodeske Muster: Hier wird das Genre des "American Monomyth" theoretisch hergeleitet und seine Rolle bei der Identitätsstiftung sowie als Narrativ für den Kampf zwischen Gut und Böse in der US-Gesellschaft analysiert.
3. Politikvermittlung und Unterhaltung: Dieses Kapitel untersucht, wie Politik durch Medialisierung und Entertainment-Logik ("Politainment") für die Öffentlichkeit zugänglich und manipulierbar gemacht wird.
4. Propaganda: Es erfolgt eine Definition des Propagandabegriffs und eine Abgrenzung zu PR und Persuasion, sowie die Erläuterung der Instrumente zur Meinungsbeeinflussung in pluralistischen Systemen.
5. Chronologie der Ereignisse nach dem 11. September: Eine chronologische Übersicht der Ereignisse von 2001 bis zum Irak-Krieg dient als empirische Grundlage für die nachfolgende Analyse.
6. Methoden/ Untersuchungsdesign: Die methodische Vorgehensweise einer qualitativen Inhaltsanalyse der Reden von George W. Bush wird definiert und das Kategoriensystem für die Auswertung festgelegt.
7. Interpretation: In diesem zentralen Teil werden die Reden des US-Präsidenten unter Anwendung des Kategoriensystems im Hinblick auf die Nutzung monomythischer Narrative und propagandistischer Elemente interpretiert.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die Rhetorik der Bush-Administration tatsächlich auf Mythen und Mustern des "American Monomyth" basiert, um politische Interessen zu legitimieren.
American Monomyth, Propaganda, Politikvermittlung, US-Präsident, George W. Bush, Unterhaltungskultur, Politainment, Medien, Identitätsbildung, Mythos, Ritual, Legitimation, Krisenkommunikation, 11. September, Irak-Krieg
Die Arbeit untersucht die These, dass die US-Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 narrative Strukturen aus Hollywood-Filmen (den sog. "American Monomyth") in ihrer politischen Kommunikation verwendete, um militärische Interventionen vor der Bevölkerung zu legitimieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle von Politik und Unterhaltungskultur, der Theorie des Monomythos, den Strategien der Propaganda in Demokratien und der Analyse politischer Rhetorik am Beispiel des US-Präsidenten George W. Bush.
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie unterhaltungskulturelle Muster in der politischen Rhetorik instrumentalisiert wurden, um bei der Bevölkerung einen Konsens für weitreichende außenpolitische Entscheidungen wie den Krieg im Irak zu erzeugen.
Die Autorin/der Autor verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, um ein theoriegeleitetes Kategoriensystem auf die schriftlich dokumentierten Reden von George W. Bush anzuwenden und dort die spezifischen monomythischen Muster zu identifizieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Mythen, Propaganda und Medienwirkung sowie in einen empirischen Interpretationsteil, der die Rhetorik Bushs anhand von Kategorien wie "Feindbestimmung", "Opferbeschreibung" und "Heldentypus" analysiert.
Wichtige Begriffe sind der "American Monomyth" als Genre, das Konzept des "Politainment", die Theorie der rituellen Autoreität, sowie die Rolle von Feindbildern und Dämonisierung in der propagandistischen Strategie.
Die Arbeit weist darauf hin, dass Berater aus diesen Kreisen sowie der Bewegung der Christlichen Rechten maßgeblichen Einfluss auf die politische Ausrichtung und die außenpolitische Agenda der Administration Bush hatten.
Aufgrund der kulturellen Gegebenheiten in den USA fungiert der Präsident oft als Symbol der Nation und moralische Instanz, die in Krisenzeiten durch mediale Inszenierung eine rituelle Führungsrolle übernimmt, um die Bevölkerung emotional an die nationale Mission zu binden.
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