Bachelorarbeit, 2016
77 Seiten, Note: 1,3
1 Hinführung und Relevanz
2 Mögliche Gefährdungen im Kontext von psychischen Erkrankungen der Eltern
2.1 Ausgewählte Krankheitsbilder der Eltern
2.1.1 Angststörungen
2.1.2 Affektive Störungen
2.1.3 Persönlichkeitsstörungen
2.1.3.1 Borderline-Persönlichkeitsstörung
2.1.3.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung
2.1.4 Schizophrenie
2.1.5 Exkurs: Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom
2.2 Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung und die kindliche Entwicklung
2.2.1 Genetische Faktoren
2.2.2 Merkmale der Eltern
2.2.3 Merkmale des Kindes
2.2.4 Merkmale der Familie
3 Die Zusammenhänge von psychisch erkrankten Eltern und Kindesmisshandlung sowie die Folgen für die kindliche Entwicklung
3.1 Die Prävalenz zur Entwicklung von psychischen Störungen bei Kindern
3.2 Die Lebenssituation von Kindern psychisch erkrankter Eltern
3.2.1 Unmittelbare Probleme
3.2.2 Folgeprobleme
3.3 Die Formen von Kindesmisshandlung im Kontext von psychisch erkrankten Eltern
3.3.1 Vernachlässigung
3.3.2 Psychische Kindesmisshandlung
3.3.3 Physische Kindesmisshandlung
3.3.4 Sexueller Missbrauch
3.4 Die Auswirkungen von Kindesmisshandlung auf die kindliche Entwicklung
4 Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung
4.1 Resilienz
4.2 Persönliche Schutzfaktoren
4.3 Familiäre Schutzfaktoren
4.4 Soziale Schutzfaktoren
4.5 Besondere Schutzfaktoren für Kinder psychisch erkrankter Eltern
5 Der Umgang mit Kindeswohlgefährdung in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe
5.1 Kindeswohlgefährdung erkennen und einschätzen
5.2 Prävention und Intervention
5.2.1 Die Hilfen zur Erziehung
5.2.2 Exkurs: Der CHIMPs-Beratungsansatz
6 Ausblick
Diese Arbeit untersucht die komplexen Auswirkungen psychischer Erkrankungen von Eltern auf die Entwicklung ihrer Kinder sowie das damit verbundene erhöhte Risiko für Kindesmisshandlung. Ziel ist es, die Belastungssituationen der Kinder zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Schutzfaktoren eine gesunde Entwicklung trotz schwieriger Lebensbedingungen ermöglichen und welcher Beitrag hierzu durch die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe geleistet werden kann.
3.2.1 Unmittelbare Probleme
Unmittelbare Probleme sind jene, die sich direkt aus dem Erleben der Erkrankung ergeben. Dazu zählen Desorientierung, Schuldgefühle, Ängste, Isolation und Tabuisierung. Kinder nehmen krankheitsbedingte Veränderungen ihrer Eltern sehr genau und früh wahr, da sie eng mit ihnen verbunden sind und ihre Eltern sensibel beobachten (vgl. Plass/Wiegand-Grefe 2012: 23).
Verhält sich ein bspw. psychotisch erkrankter Elternteil plötzlich verwirrt, ist für das Kind nicht mehr ansprechbar oder bezieht das Kind in sein Wahnerleben ein, kann es bei dem Kind zu einer Desorientierung kommen (vgl. Plass/Wiegand-Grefe 2012: 23). Das Kind ist verwirrt und verängstigt, weil es das Verhalten des Elternteils nicht einordnen und verstehen kann (vgl. Mattejat 2014: 88). Der Elternteil, auf dessen Schutz und Fürsorge das Kind angewiesen ist, wirkt ängstlich, hilflos und wird von dem Kind in seinem Wesen als stark verändert und teilweise fremd wahrgenommen. „Die Selbstverständlichkeit des bisherigen Lebens wird aufgebrochen“ (Schone/Wagenblass 2010: 181). Jüngere Kinder reagieren auf diese Form von Veränderung meist aggressiv, um auf diese Weise ihre Überforderung auszudrücken. Ältere Kinder versuchen jede Form von Aufregung in der Familie zu vermeiden. Sie verhalten sich meist ruhig, agieren vorsichtiger und vermeiden es, Forderungen an den erkrankten Elternteil zu stellen, um seine Situation nicht zu verschlechtern (vgl. Lenz/Brockmann 2013: 32).
Für die Kinder sind Schuldgefühle oft sehr zentral und gegenwärtig. Sie glauben, an den psychischen Problemen des Elternteils Schuld zu sein, was oft durch mangelnde Aufklärung über die Krankheit des Elternteils entsteht. Gerade jüngere Kinder beziehen das Aufkommen von Krankheitssymptomen auf sich und fühlen sich dafür verantwortlich, dass es dem Elternteil schlecht geht (vgl. Lenz 2014: 93). In Konflikten kann es ebenso dazu kommen, dass der erkrankte Elternteil dem Kind die Schuld zuweist („Ich bin nur so, weil du nicht lieb bist“). Folgendes Zitat zeigt, wie die Erkrankung eines Elternteils, in Bezug auf Desorientierung und Schuldgefühlen, auf das Kind wirken kann:
„Ich fand für nichts Erklärungen, ich fühlte mich nicht wirklich geliebt, fühlte mich missbraucht von ihrer Krankheit und fühlte mich schuldig, nichts dagegen tun zu können, wenn es ihr schlecht ging“ (Bathe 2014: 29).
1 Hinführung und Relevanz: Einleitung in die Thematik der Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Eltern und Darstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Auswirkungen auf Kinder.
2 Mögliche Gefährdungen im Kontext von psychischen Erkrankungen der Eltern: Definition ausgewählter Krankheitsbilder und Analyse der damit verbundenen Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung.
3 Die Zusammenhänge von psychisch erkrankten Eltern und Kindesmisshandlung sowie die Folgen für die kindliche Entwicklung: Untersuchung der Prävalenzraten, der Lebenssituation sowie der Formen und Folgen von Kindesmisshandlung im betroffenen Kontext.
4 Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung: Erläuterung von Resilienz und spezifischen persönlichen, familiären sowie sozialen Schutzfaktoren, die Kindern eine gesunde Entwicklung ermöglichen können.
5 Der Umgang mit Kindeswohlgefährdung in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe: Analyse der Aufgaben des Jugendamtes, der Instrumente zur Gefährdungseinschätzung und möglicher Präventions- sowie Interventionsmaßnahmen.
6 Ausblick: Resümee zur Komplexität der Zusammenhänge und Anforderungen an die zukünftige Kinder- und Jugendhilfe.
Psychische Erkrankungen, Eltern, Kindeswohlgefährdung, Kindesmisshandlung, kindliche Entwicklung, Resilienz, Schutzfaktoren, Jugendhilfe, Kinderschutz, Familien, Erziehungsfähigkeit, Diagnostik, Beratung, Prävention, Intervention.
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen elterlichen psychischen Erkrankungen und dem erhöhten Risiko für Kindesmisshandlung sowie die daraus resultierenden Folgen für die Entwicklung der betroffenen Kinder.
Zentrale Felder sind die verschiedenen Krankheitsbilder der Eltern, die Identifikation von Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdung, die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung sowie die Rolle der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe beim Schutz und der Unterstützung dieser Familien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich psychische Erkrankungen der Eltern und Kindesmisshandlung auf Kinder auswirken und welche Schutzfaktoren eine gesunde Entwicklung trotz widriger Umstände ermöglichen können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Studien und Publikationen zu den Themenbereichen psychische Erkrankungen, Kindeswohlgefährdung und Kinder- und Jugendhilfe.
Der Hauptteil analysiert die Krankheitsbilder der Eltern, Risikofaktoren, die Formen der Kindesmisshandlung, die Kurz- und Langzeitfolgen für Kinder sowie Schutzfaktoren und Interventionsmöglichkeiten.
Wichtige Begriffe sind Psychische Erkrankungen, Kindeswohlgefährdung, Kindesmisshandlung, Resilienz, Schutzfaktoren und Hilfen zur Erziehung.
Es ist ein Syndrom, bei dem Eltern bei Kindern Krankheiten vortäuschen oder erzeugen. Es wird als Sonderform behandelt, da es ein spezielles Krankheitsbild der Verursacherperson darstellt, welches in Folge zu Kindesmisshandlung führt.
Damit ist die Rollenumkehr gemeint, bei der Kinder elterliche Funktionen übernehmen und sich für das Wohl ihrer erkrankten Eltern verantwortlich fühlen, was sie häufig überfordert.
Resilienz beschreibt die Widerstandsfähigkeit von Kindern, die es ihnen ermöglicht, trotz Belastungen durch erkrankte Eltern personale, familiäre und soziale Schutzfaktoren zu nutzen, um eine gesunde Entwicklung zu fördern.
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