Doktorarbeit / Dissertation, 2015
396 Seiten
Einleitung
1. Zum Forschungsstand
2. Zur Argumentationsstruktur
3. Das methodische Verfahren
3.1. Prolegomena zu den begrifflichen Systemen
3.1.1. Vorteile der Methode der begrifflichen Systeme
3.1.2. Die Vorgehensweise
3.2. Erläuterung der Schaubilder
Schaubild 1
Schaubild 2
3.3. Die begrifflichen Systeme und das Werk Ludwig Mathars
3.3.1. Die Person Ludwig Mathar
3.3.2. Das menschliche Umfeld
3.3.3. Das Dorf/Die Kleinstadt
3.3.4. Das Monschauer Land
3.3.5. Köln
3.3.6. Das Rheinland
3.3.7. Deutschland
3.3.8. Der Nationalsozialismus
3.3.9. Italien
3.3.10. Sardinien
3.3.11. Europa
3.3.12 Krieg und Religion
3.3.13. Kultur/Natur/Landschaft
3.3.14. Identität/Alterität/Grenze
3.3.15. Heimat
4. Forschungspositionen
4.1. Probleme der Begriffserforschung
4.2. Facetten des Heimatbegriffs. Eine interdisziplinärer Exkurs
4.3. Ludwig Mathars Heimatbegriff
5. Über Ludwig Mathar
5.1. Biographische Aspekte
5.2. Der Name Mathar - Eine Genealogie
5.3. Die Bedeutung des Tagebuchs „Wanderung im Kreise“ für die literarische Identitätskonzeption Ludwig Mathars
6. Zum Werk Ludwig Mathars
6.1. Die einzelnen Werke und ihre Entstehungszeit
6.2. Die Werke Ludwig Mathars zeitlich unterteilt
6.3. Titelmatrix
6.4. Zu Vorträgen, Rundfunk und Filmen
6.5. Zur zeitgenössischen Literaturkritk
6.6. Die Position Mathars innerhalb literarischer Strömungen
6.7. Ludwig Mathar, seine Zeitgenossen und die Moderne
6.8. August Sander
7. Identität und Alterität. Die vier Säulen des Heimatbegriffs anhand von exemplarischen Texten
7.1. Paradigma einer Grenzthematik - Das Monschauer Land als Ludwig Mathars primäre Heimat
7.1.1. Ludwig Mathar und die Historie des Monschauer Landes
7.1.2. Titelmatrix und Farbenanalyse des Werks
7.1.3. Über „Brautfahrt ins Venn“
7.2. Italien - Eine arkadische Utopie
7.2.1. Mathars Italienbild in „Wanderung im Kreise“
7.2.2. Über den autoreferenziellen Text „Wie ich nach Italien kam“
7.2.3. „Primavera. Frühlingsfahrten ins unbekannte Italien.“
7.3. Sardinien als Sinnbild für archaische Alterität
7.3.1. Mathars literarisches Alteritätskonzept in „Primavera“
7.3.2. Über „Die Rache der Gherardesca“
7.4. Die „Welschen“ - auf der anderen Seite der Grenze
7.4.1. „Strasse des Schicksals“ - Diskurse eines Grenzlandromans
7.4.2. Identität und Alterität in „Das heimgekehrte Eupen-Malmedy-St.Vith. Landschaft, Volk, Kultur“
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Ludwig Mathar im historischen Kontext der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, Mathars differenzierten Heimat- und Identitätsbegriff herauszuarbeiten, indem sein Werk, sein Leben und seine biographischen Fixpunkte analysiert werden, um die Faktoren zu eruieren, die zu einer literarischen Identifizierung mit verschiedenen Landschaften führten.
3.3.1. Die Person Ludwig Mathar
...als ein Monschäuer, d.h. als ein Schildbürger, ein Wandergesell, ein Allerweltsschalk, ein Erdenträumer und Sternengucker, als einer, der erst am neunten Tage sehend, im dritten Jahre laufend wird, erblickte ich dieses Tuchmacher-Städtchens schelmisch-heitere, kirmeslustige, trink- und tafelfreudige Bürgerlichkeit.“ [...] Vielleicht verzeihen es mir die Allzugestrengen dann doch, daß ich nichts anderes als ein Eulenspiegel vom Hohen Venn, als ein schreibseliger, spottsüchtiger Schildbürger, mit einem Wort ein trotz oder gerade wegen weiterer Reisen nach Rom, London und Paris unverfälschter Monschäuer geblieben war und geblieben bin. Sackerlot! Was kann man schließlich dafür, daß man den Vennbach nicht vergißt, in dem man die ersten Forellen sozusagen gewildert hat, die alte Burgruine, in der man „Räuber und Gendarm“ gespielt hat, die Rektoratsschule, die einem lateinfremden Hirn amo, amas, amat eingepaukt, einem unsäglichen Hosenboden Fleiß und Beharrlichkeit in Mathematik und ähnlichem Teufelswirrsal eingebläut hat, die sausenden ratternden Webstühle, die geheimnisvollen Indigoküpen, die höllisch stampfenden Walken, die mit prallem glatten Tuch bespannten Rahmen!
Einleitung: Die Einleitung begründet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ludwig Mathar und definiert das Ziel der Arbeit, sein Werk in den historischen Kontext zu stellen und seinen Heimatbegriff zu analysieren.
1. Zum Forschungsstand: Dieser Abschnitt konstatiert eine desolante Forschungslage zu Ludwig Mathar und stellt die wenigen existierenden relevanten wissenschaftlichen Arbeiten vor.
2. Zur Argumentationsstruktur: Hier wird der theoretische Rahmen erläutert, in dem die Begriffe Heimat und Identität anhand von Mathars Leben und Werk paradigmatisch analysiert werden sollen.
3. Das methodische Verfahren: Dieser Teil beschreibt die Anwendung der "begrifflichen Systeme", um Mathars Werk vom Konkreten zum Abstrakten zu untersuchen.
4. Forschungspositionen: Es wird ein Überblick über verschiedene interdisziplinäre Blickwinkel auf den Heimatbegriff gegeben, um eine methodische Basis zu schaffen.
5. Über Ludwig Mathar: Hier werden biographische Aspekte sowie die Bedeutung des Tagebuchs für die literarische Identitätskonzeption Ludwig Mathars beleuchtet.
6. Zum Werk Ludwig Mathars: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über das Gesamtwerk und dessen Einordnung in literarische Strömungen.
7. Identität und Alterität. Die vier Säulen des Heimatbegriffs anhand von exemplarischen Texten: In diesem Kernkapitel werden exemplarische Werke analysiert, um die Konzepte von Identität und Alterität in Mathars primären Wahlheimaten und Grenzregionen zu veranschaulichen.
Ludwig Mathar, Heimat, Identität, Alterität, Monschauer Land, Hohes Venn, Italien, Sardinien, Literaturwissenschaft, 20. Jahrhundert, Grenzland, Identitätskonzeption, Heimatforschung, Kulturlandschaft, Literaturkritik
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse des Lebens und literarischen Werkes von Ludwig Mathar (1882-1958) und erforscht, wie er Heimat und Identität konstruiert und in seinen Texten thematisiert.
Die zentralen Themen sind das Monschauer Land, Italien und Sardinien als räumliche und geistige Bezugspunkte, sowie Begriffe wie Heimat, Identität, Alterität und die Funktion von Grenze.
Das primäre Ziel ist es, ein in Vergessenheit geratenes literarisches Werk in den historischen Kontext seiner Zeit zu stellen und den differenzierten Identitätsbegriff Mathars herauszukristallisieren.
Die Verfasserin nutzt die "Methode der begrifflichen Systeme", die eine vom Konkreten (Person) zum Abstrakten (Heimat/Identität) verlaufende kulturwissenschaftliche Untersuchung ermöglicht.
Im Hauptteil werden neben einer biographischen Einordnung ausgewählte Werke wie "Brautfahrt ins Venn", "Primavera" und "Die Rache der Gherardesca" detailliert auf ihre inhaltlichen und stilistischen Identitätsmerkmale hin analysiert.
Schlüsselbegriffe sind Identität, Alterität, Heimatbegriff, Grenzland sowie die interdisziplinäre Verknüpfung von Literaturkritik und kulturhistorischer Untersuchung.
Die Autorin arbeitet heraus, dass Mathar kein ideologisch überzeugter Nazi war, sondern als Opportunist eingestuft wurde, der jedoch – etwa in "Mit Pinsel und Palette durchs Moseltal" – zeitweise Blut-und-Boden-Rhetorik verwendete.
Italien wird als "arkadische Utopie" und "geistige Wahlheimat" dargestellt, während Sardinien als "Sinnbild für archaische Alterität" einen Gegenpol zur europäischen Hochkultur bildet.
Es dient als wichtige autobiographische Quelle, die jedoch vorsichtig zu interpretieren ist, da sie vom Autor im Nachhinein verfasst wurde, um seine eigene Sichtweise auf Leben und Werk zu festigen.
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