Diplomarbeit, 2004
124 Seiten, Note: 2,1
Einleitung
1 Die offene Ganztagsgrundschule in Nordrhein-Westfalen
1.1 Das Konzept der offenen Ganztagsgrundschule
1.2 Rechtsgrundlagen und Finanzierung der Offenen Ganztagsgrundschule
1.3 Hintergründe für die erneute Diskussion über Ganztagsschulen
1.4 Schulmodelle und Praxiskonzepte für die Ganztagsschule
1.5 Formen der Ganztagsschule
1.6 Kritik an der offenen Ganztagsschule
2 Verbesserte Bildungsqualität durch die Kooperation von Jugendhilfe und Schule
2.1 Ursprung der Trennung von Jugendhilfe und Schule
2.2 Entwicklungen und Geschichte der Schulsozialarbeit
2.3 Lebensweltorientierung und Kinder- und Jugendhilfegesetz
2.4 Veränderte Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen
2.5 Grenzen und Defizite des Schulsystems
2.6 Bildungspotentiale in der Kinder- und Jugendhilfe
3 Praktische Umsetzung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule
3.1 Aufgaben und Arbeitsfelder der Jugendhilfe in der Kooperation
3.2 Probleme bei der Kooperation von Jugendhilfe und Schule
3.3 Hemmende und fördernde Faktoren für die Kooperation
3.4 Modelle für die Umsetzung der offenen Ganztagsgrundschule
3.5 Gestaltung einer bildungsorientierten Kooperation
3.6 Standards für eine bildungsorientierte Kooperation
3.7 Erste Formen und Beispiele offener Ganztagsgrundschulen
Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule im Kontext der offenen Ganztagsgrundschule, um die Bildungsqualität für Kinder und Jugendliche nachhaltig zu verbessern. Es wird der Frage nachgegangen, wie durch die Verzahnung formaler Bildung mit außerschulischen Angeboten auf veränderte Lebenslagen reagiert werden kann.
3.4 Modelle für die Umsetzung der offenen Ganztagsgrundschule
Der Pädagoge und Diplomsportlehrer Christoph Gilles hat mehrjährige Praxiserfahrungen in der Offenen Jugendarbeit, in der Jugendsozialarbeit und als Lehrer. Er ist Leiter des Sachgebietes „Jugendhilfeplanung, Fortbildung und Modellförderung“ im Landesjugendamt Rheinland in Köln. Die Kooperation von Jugendhilfe und Schule gehört zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Christoph Gilles (2003, S. 3) stellt drei Modelle für die Umsetzung der offenen Ganztagsgrundschule vor.
Bei dem Gruppenmodell geht es vor allem um qualifizierte Betreuungsgruppen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll sichergestellt werden. Das Gruppenmodell ist von seiner Struktur her ein additives Modell - ohne eine besondere kooperative Qualität. Bei diesem Konzept ist keine neue und verbesserte Bildungskonzeption möglich. Es wird aber in der Praxis oft umgesetzt, weil es relativ kostengünstig und einfach zu organisieren ist. Das Modell ist zudem kurzfristig umzusetzen und ohne enge Kooperation mit der Schule machbar. Die Schule kann ihre Organisation und Zielsetzungen beibehalten (vgl. ebd.).
Bei dem Schulmodell wird eine ganze Schule im Sinne einer Ganztagsschule ausgewiesen und entsprechend ausgestattet. Dies wird jedoch nur in innerstädtischen Räumen möglich sein. Das sozialräumliche Bezugsfeld das durch die Schulbezirke vorgegeben ist, geht sonst verloren. (vgl. ebd.)
Als drittes Modell ist das Zugmodell möglich. Dabei wird flächendeckend in allen Schulen ein Klassenzug (zum Beispiel die Klassen a) als offene Ganztagsschule organisiert. Schrittweise wird dann (mit der Klasse 1a beginnend) mit jedem Schuljahr ein neuer Zug als Ganztagsschule organisiert. (vgl. ebd.)
Schul- und Zugmodell können eine neue und verbesserte Bildungskonzeption herbeiführen, denn im Gegensatz zum Gruppenmodell nehmen alle Schüler einer Schule oder Klasse an den erweiterten Bildungsangeboten teil. Nur so können Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen ihres Stundenkontingents in das Angebotspektrum des ganzen Tages integriert werden. Zudem wird die Stigmatisierung einzelner Kinder deutlich reduziert. Die beiden Modelle sind Bildungskonzeptionen, die kooperativ von Jugendhilfe und Schule gelebt werden. Die Verwirklichung dieser Modelle ist jedoch ein langfristiger Prozess. Er erfordert ein neues Bildungsverständnis und eine neues Selbstverständnis der Jugendhilfe als Teil des Bildungssystems. Die Schule muss eine hohe Veränderungsbereitschaft mitbringen. (vgl. ebd., S.4)
Einleitung: Einführung in die aktuelle bildungspolitische Relevanz der Ganztagsschule und Hinführung zur Fragestellung der Arbeit.
1 Die offene Ganztagsgrundschule in Nordrhein-Westfalen: Detaillierte Darstellung des Konzepts, der rechtlichen Grundlagen sowie der kritischen Diskussion der offenen Ganztagsgrundschule.
2 Verbesserte Bildungsqualität durch die Kooperation von Jugendhilfe und Schule: Theoretische Begründung der Kooperation unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen, veränderter Lebenswelten und notwendiger bildungspolitischer Weichenstellungen.
3 Praktische Umsetzung der Kooperation von Jugendhilfe und Schule: Konkretisierung der Aufgabenfelder, Identifikation von Problemen und Faktoren sowie Vorstellung von Umsetzungsmodellen und Standards für die Kooperationspraxis.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernthesen und Ausblick auf die Potenziale sowie notwendigen weiteren Schritte für eine erfolgreiche Kooperation.
Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente.
Offene Ganztagsgrundschule, Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Bildungsgerechtigkeit, Lebensweltorientierung, Kooperation, Schulentwicklung, Bildungsqualität, Ganztagspädagogik, Sozialraum, Additive Konzepte, Integrierte Konzepte, Kinder- und Jugendhilfegesetz, Bildungsbegriff, Schulabsentismus
Die Arbeit thematisiert die Zusammenarbeit zwischen der Jugendhilfe und der Grundschule im Rahmen des Modells der offenen Ganztagsgrundschule, um Bildungsqualität und Chancengleichheit zu fördern.
Im Fokus stehen die Konzepte der offenen Ganztagsgrundschule, die theoretische Fundierung der Kooperation, die Analyse veränderter kindlicher Lebenswelten sowie praktische Modelle und Standards für die Umsetzung.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine systematische Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule die Bildungs- und Betreuungssituation von Grundschulkindern sowie die Bildungsqualität an Schulen verbessert werden kann.
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse, der Auswertung gesetzlicher Rahmenbedingungen und der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Fachdiskursen und Modellprojekten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Notwendigkeit von Kooperation (Teil 2) und eine darauf aufbauende praxisorientierte Analyse von Modellen, Aufgabenfeldern und Gelingensbedingungen (Teil 3).
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie offene Ganztagsgrundschule, Kooperation, Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Lebensweltorientierung und Bildungsqualität charakterisieren.
Additive Konzepte trennen Unterricht und Nachmittagsbetreuung funktional voneinander, während integrierte Konzepte eine enge Verzahnung von Unterricht, Freizeit und Förderung anstreben, um eine ganzheitliche pädagogische Struktur zu schaffen.
Die Arbeit kritisiert, dass eine strikte institutionelle Trennung häufig dazu führt, dass die Jugendhilfe nur als „Reparaturbetrieb“ für schulische Misserfolge agiert, anstatt präventiv an der Gestaltung eines gemeinsamen Lebens- und Lernraums mitzuwirken.
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