Masterarbeit, 2015
120 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Kolonialismus im Deutschen Kaiserreich und Europa – eine historische Betrachtung
3 Kolonialistische Kultur in den zeitgenössischen Romanen Effi Briest und Irrungen, Wirrungen von Theodor Fontane
3.1 Projektionsflächen für das ‚ambivalent empfundene Fremde‘
3.1.1 Die ‚besondere‘ Rolle der Hunde
3.1.2 Die Darstellung des ‚Fremden‘ und der ethnozentrische Blick der Protagonisten
3.1.3 Die Nebenfiguren als Topos des ‚Fremden‘
3.2 Koloniale Handelsgüter, Wohnkultur und Statussymbole zur Demonstration imperialistischer Machtgefüge
3.3 Die Ebenen totalitärer Dominanz einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft
3.4 Exotik und Erotik
3.5 Exkurs: ‚Aufbruch‘ in die Moderne: Technischer Fortschritt und das Aufkommen von Reisen, Urlauben und Kurorten
4 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Kolonialismus und der Imperialismus des 19. Jahrhunderts in den Romanen "Effi Briest" und "Irrungen, Wirrungen" von Theodor Fontane reflektiert werden. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Machtgefüge, Exotisierung und die "Fremdheit" in diesen literarischen Werken als Spiegelbilder imperialer Mentalitäten und sozialer Grenzziehungen fungieren.
3.1.1 Die ‚besondere‘ Rolle der Hunde
In Effi Briest finden sich viele Figuren und Gegenstände, auf welche ein Gefühl ‚des Fremden‘ projiziert werden kann. Diese ‚exotischen Statisten‘ treten vor allem in Zusammenhang mit der Stadt Kessin auf, ein Fakt, der durch die Hauptfigur Effi klar benannt wird: „[...] es hat alles so was Fremdländisches hier, und ich habe noch nichts gehört und gesehen, was mich nicht in eine gewisse Verwunderung gesetzt hätte.“66 In Hohen-Cremmen gibt es keine derart ‚fremdartige‘ Figur. Der Geburtsort Effis steht zunächst für Idylle, Ländlichkeit und Homogenität. Kessin wird dagegen eher als heterogener Ort im Hinblick auf die Figuren beschrieben. Dies fängt bereits im Hausstand des Barons an: Protagonist Innstetten ist Besitzer eines Hundes, des Neufundländers ‚Rollo‘. Rollo wird im Roman durch Innstetten, der Effi auf Nachfrage von ihm erzählt, eingeführt:
Ja, Rollo. Du denkst dabei, vorausgesetzt, dass du bei Niemeyer oder Jahnke von dergleichen gehört hast, an den Normannenherzog, und unserer hat auch so was. Er ist aber bloß ein Neufundländer, ein wunderschönes Tier, das mich liebt und dich auch lieben wird. Denn Rollo ist ein Kenner. Und solange du den um dich hast, so lange bist du sicher und kann nichts an dich heran, kein Lebendiger und kein Toter.67
Seinen ungewöhnlich ‚exotisch‘ klingenden Namen hat Rollo also in Anlehnung an den gleichnamigen früheren Normannenherzog erhalten. Gottlob Dittmar weist darauf hin, dass der alte Normannenherzog Rollo im 9. und 10. Jahrhundert lebte und als großer Eroberer der Nordgermanen bekannt war. Ihm wurde das ganze Seinegebiet bis Rouen abgetreten. Letzten Endes gründete er das Fürstentum der Normandie und trat in die Reihen der Großen des weltfränkischen Reiches ein.68 An dieser Stelle kann ein Zusammenhang zum Kolonialismus hergestellt werden, denn die Wikinger69 nahmen bereits in jener frühen Zeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten verschiedene fremde Landgebiete für sich ein.
1 Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert das 19. Jahrhundert als Ära des technologischen Fortschritts, des Imperialismus und des aufkommenden Kolonialismus, welcher das kollektive Bewusstsein prägte.
2 Kolonialismus im Deutschen Kaiserreich und Europa – eine historische Betrachtung: Dieses Kapitel liefert einen historischen Abriss der europäischen Expansionsgeschichte, ordnet verschiedene koloniale Expansionsarten ein und beleuchtet die Rolle des Deutschen Kaiserreiches innerhalb des "langen" 19. Jahrhunderts.
3 Kolonialistische Kultur in den zeitgenössischen Romanen Effi Briest und Irrungen, Wirrungen von Theodor Fontane: Der Hauptteil analysiert, wie koloniale Denkmuster und imperialistische Machtstrukturen in Fontanes Werken literarisch verarbeitet werden, wobei der Fokus auf Symbolik, Charakteren und gesellschaftlichen Machtverhältnissen liegt.
3.1 Projektionsflächen für das ‚ambivalent empfundene Fremde‘: Untersuchung der "Fremdheit" durch Motive wie Haustiere (Rollo, Sultan) und deren symbolische Aufladung im Kontext kolonialer Diskurse.
3.1.1 Die ‚besondere‘ Rolle der Hunde: Analyse von Rollo und Sultan als ambivalente Figuren, die sowohl Treue verkörpern als auch koloniale Stereotype von "Edlen Wilden" oder "exotischen" Statisten spiegeln.
3.1.2 Die Darstellung des ‚Fremden‘ und der ethnozentrische Blick der Protagonisten: Vertiefende Analyse des "Chinesen-Motivs" in Effi Briest als psychologisches Konstrukt und Spiegelbild der kolonialen Mentalität.
3.1.3 Die Nebenfiguren als Topos des ‚Fremden‘: Untersuchung von Nebenfiguren wie Mirambo oder Gieshübler, die durch ihre Herkunft oder ihren Namen als Fremde markiert werden und die soziale Hierarchie verdeutlichen.
3.2 Koloniale Handelsgüter, Wohnkultur und Statussymbole zur Demonstration imperialistischer Machtgefüge: Analyse der Inneneinrichtung und Konsumgüter im Kontext der imperialen Machtdemonstration und der Verbindung von ökonomischem Wohlstand mit kolonialen Ressourcen.
3.3 Die Ebenen totalitärer Dominanz einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft: Untersuchung, wie koloniale Überlegenheit und koloniale Unterdrückung analog auf das patriarchalische Verhältnis zwischen Mann und Frau im 19. Jahrhundert übertragen werden.
3.4 Exotik und Erotik: Analyse der Verbindung von "Exotik" und "Erotik" als Mittel der Literatur, um Sehnsüchte und Machtansprüche innerhalb des kolonialen Diskurses zu artikulieren.
3.5 Exkurs: ‚Aufbruch‘ in die Moderne: Technischer Fortschritt und das Aufkommen von Reisen, Urlauben und Kurorten: Beleuchtung des Reisens als koloniale Voraussetzung und Ausdruck der neuen Raum-Zeit-Wahrnehmung der Moderne.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt eine Brücke zur Gegenwart, indem die fortdauernde Relevanz kolonialer Machtstrukturen und ihrer Auswirkungen hinterfragt wird.
Theodor Fontane, Effi Briest, Irrungen Wirrungen, Kolonialismus, Imperialismus, 19. Jahrhundert, Bürgertum, Exotik, Erotik, Machtstrukturen, Patriarchat, Fremdheit, Postkolonialismus, Realismus, Sozialdarwinismus.
Die Arbeit analysiert die Reflexion von Kolonialismus und Imperialismus im 19. Jahrhundert innerhalb der Romane "Effi Briest" und "Irrungen, Wirrungen" von Theodor Fontane.
Zentrale Themen sind die koloniale Kultur, Machtgefälle, soziale Grenzziehungen, die Darstellung des "Fremden" sowie die Verbindung von bürgerlicher Lebenswelt und imperialer Expansion.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fontanes Literatur das koloniale Denken der Zeit aufnimmt, instrumentalisiert und in die private sowie gesellschaftliche Sphäre der Protagonisten überführt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch historische Kontexte und kulturwissenschaftliche Ansätze (u.a. Postkolonialismus, Gender Studies) ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Unterkapitel, die von der Funktion des "Fremden" über koloniale Statussymbole bis hin zu patriarchalischen Machtstrukturen und einem Exkurs zum Reisen in der Moderne reichen.
Wichtige Begriffe sind neben den Romanen selbst vor allem Kolonialismus, Exotik, Machtstrukturen und das "Ambivalent empfundene Fremde".
Die Figur dient als psychologisches Konstrukt, das von Innstetten zur Disziplinierung von Effi instrumentalisiert wird und zugleich die koloniale Bedrohungswahrnehmung der damaligen Zeit reflektiert.
Die Arbeit zeigt, dass Machtgefälle zwischen den Geschlechtern und Ständen oft analog zu kolonialen Unterdrückungsmechanismen strukturiert sind, was die Handlungsspielräume der Protagonisten maßgeblich begrenzt.
Ja, das Fazit schlägt eine Brücke zur gegenwärtigen Situation (z.B. Migrationsfragen, globale soziale Ungleichheit) und diskutiert, inwieweit koloniale Denkmuster bis heute fortbestehen.
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