Examensarbeit, 2012
69 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Übersicht der Arbeit
1.2 Was ist Moral?
1.3 Moralerziehung im schulischen Kontext
2 Lawrence Kohlberg
2.1 John Dewey und Jean Piaget
2.2 Die Grundannahmen Kohlbergs
2.2.1 Wertrelativismus und Indoktrination
2.2.2 Kohlbergs Definition von Moral und Gerechtigkeit
2.3 Moralische Stufenmodelle
2.4 Kohlbergs Stufenmodell moralischer Entwicklung
2.4.1 Die Stufe 0
2.4.2 Die Stufen der präkonventionellen Ebene
2.4.3 Die Stufen der konventionellen Ebene
2.4.4 Die Stufen der postkonventionellen Ebene
2.5 Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie Kohlbergs
3 Dilemmata als Aspekt der Moralerziehung
3.1 „Plus-Eins-Konvention“
3.2 Typen und Strukturen von Dilemmata
3.2.1 Das hypothetische Dilemma
3.2.2 Das Realdilemma
3.2.3 Das politische Dilemma
3.3 Ansprüche an Dilemmata
3.4 Ansprüche an den Lehrer
3.5 Vorteile und Ziele von Dilemmadiskussionen
4 Praktische Umsetzung
4.1 Typischer Ablauf einer Dilemmadiskussion
4.1.1 Darbietung des Dilemmas
4.1.2 Erste spontane Stellungnahme
4.1.3 Überprüfung und Begründung der Entscheidungen
4.1.4 Plenumsdiskussion
4.1.5 Reflexion
4.2 Dilemmadiskussionen im Ethikunterricht
4.2.1 Unterrichtskonzept
4.2.2 Zeitliche und didaktische Einordnung
4.2.3 Fazit
5 Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Schulen und insbesondere der Ethikunterricht einen Beitrag zur Stärkung der moralischen Urteilsfähigkeit junger Menschen in einer zunehmend pluralistischen und komplexen Gesellschaft leisten können, ohne dabei in Indoktrination zu verfallen.
1. Einleitung
„Geringe Wahlbeteiligung, vermutetes oder tatsächliches politisches Desinteresse junger Menschen, Erscheinungsformen von Extremismus und Gewaltbereitschaft – so oder so ähnlich sieht immer wieder die Kulisse aus, vor der in der Öffentlichkeit die Notwendigkeit von politischer Bildung in Schulen diskutiert wird“, wobei politische Bildung an dieser Stelle als „Werteerziehung und Persönlichkeitsbildung“ verstanden werden soll. Es scheint nicht allzu gut bestellt zu sein um die gesellschaftliche Moral, und deshalb wird der Ruf nach Moralerziehung und einer Wiederbelebung der Werte stets lauter. So stellt sich an dieser Stelle immer wieder die Frage, inwiefern die Schulen dieser Situation durch einen Beitrag entgegenwirken können. Dabei scheint es sich um eine gewaltige Aufgabe für das Bildungswesen und darin tätige Lehrerinnen und Lehrer zu handeln, zumal sich das in der Gesellschaft bereits vorhandene Bild eines vermeintlichen Werteverfalls weiter verfestigt und auch durch Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik oder Familie nicht mehr aus dem Weg zu räumen ist. Von den Schulen wird dennoch gefordert, Konzepte zur Moralerziehung zu entwerfen, ohne jedoch differenzierter auszuführen, was genau damit gemeint ist.
Festzuhalten ist, dass die heutige gesellschaftliche Situation durch zahlreiche Probleme und ansteigende Herausforderungen gekennzeichnet ist, die zweifellos auf Prozesse wie Globalisierung, Pluralisierung und Individualisierung, mit denen unterschiedliche, veränderte und vermehrte Werte- und Moralvorstellungen einhergehen, zurückzuführen sind. Aufgrund dieser Komplexität unserer modernen, innovativen und pluralistischen Gesellschaft ist ein Konsens über bestimmte Grundfragen der Lebensführung nicht mehr möglich. Stattdessen sind Lebensstile und ihnen zu Grunde liegende Ansichten über Werte und Moral innerhalb unserer Gesellschaft teilweise so unterschiedlich, dass sie in Konkurrenz miteinander stehen oder teilweise sogar überhaupt nicht mehr miteinander zu vereinbaren sind.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Problematik eines vermeintlichen Werteverfalls und begründet die Notwendigkeit, Moralerziehung als Förderung von Urteilsfähigkeit im schulischen Kontext zu verankern.
2 Lawrence Kohlberg: Dieses Kapitel stellt das kognitiv-entwicklungspsychologische Modell moralischer Entwicklung von Lawrence Kohlberg vor und erläutert dessen Stufen sowie die kritische Auseinandersetzung damit.
3 Dilemmata als Aspekt der Moralerziehung: Hier wird die Methode der Dilemmadiskussion als wesentliches Instrument zur Stimulierung moralischer Entwicklung sowie die Anforderungen an Dilemmata und Lehrkräfte analysiert.
4 Praktische Umsetzung: Dieses Kapitel bietet einen Leitfaden für die Durchführung von Dilemmadiskussionen im Unterricht und illustriert die Anwendung anhand eines bioethischen Unterrichtskonzepts.
5 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass das Arbeiten mit Dilemmata einen wertvollen Beitrag zur Förderung moralischer Kompetenzen leistet, sofern Lehrkräfte motiviert und reflektiert moderieren.
Moralerziehung, Urteilsfähigkeit, Lawrence Kohlberg, Dilemmadiskussion, Ethikunterricht, Werteerziehung, moralische Entwicklung, kognitiver Konflikt, Plus-Eins-Konvention, Demokratiefähigkeit, Diskursfähigkeit, Wertpluralismus, Bioethik, pädagogische Intervention.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Schule bei der moralischen Erziehung und der Förderung der Urteilsfähigkeit von Jugendlichen in einer pluralistischen Gesellschaft.
Die zentralen Themen sind das Stufenmodell der moralischen Entwicklung nach Kohlberg, die Methodik der Dilemmadiskussion und deren praktische Einbettung in den Ethikunterricht.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrer durch Dilemmadiskussionen Schüler zur Entwicklung von eigener moralischer Urteils- und Diskursfähigkeit anregen können.
Es handelt sich primär um eine theoretische Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen Ansätzen, die durch die Entwurfsskizze eines praktischen Unterrichtskonzepts ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Kohlberg, die methodische Analyse der Dilemmadiskussion und die beispielhafte praktische Umsetzung anhand bioethischer Themen.
Wichtige Schlüsselwörter sind Moralerziehung, Urteilsfähigkeit, Kohlberg-Stufenmodell, Dilemmadiskussion und Ethikunterricht.
Im Gegensatz zur bloßen Vermittlung von Normen fördert die Dilemmamethode die aktive kognitive Auseinandersetzung und die Fähigkeit, moralische Entscheidungen selbstständig und reflektiert zu begründen.
Der Besuch eines Betroffenen soll die Schüler emotional erreichen und das Verständnis für die Komplexität individueller Lebensschicksale fördern, um so Solidarität und Empathie aufzubauen.
Das politische Dilemma ist komplexer und asymmetrischer, da es kollektive Entscheidungen und gesellschaftliche Strukturen betrifft, bei denen einfache bipolare Lösungen oft nicht ausreichen.
Der Lehrer sollte die Rolle eines Moderators einnehmen, sich mit eigenen Meinungen zurückhalten und die Schüler beim selbstständigen Argumentieren unterstützen, statt moralisch zu belehren.
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