Bachelorarbeit, 2014
31 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Literaturzensur und Umgehungsmethodik im Franquismus
2.1.1. Cinco horas con Mario (Miguel Delibes)
2.1.1.1. Carmen und Mario als Verkörperungen der „dos Españas“
2.1.1.2. Die Liberalisierung des Regimes (apertura) aus der Sicht Carmens
2.1.1.3. Kritik am herrschenden Frauenbild im Franquismus
2.2. Literaturzensur und Umgehungsmethodik in der DDR
2.2.1. Die neuen Leiden des jungen W. (Ulrich Plenzdorf)
2.2.1.1. Edgars Protest gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR
2.2.1.2. Die neuen Leiden des jungen Werther – Intertextualität als subtile Kritikform
2.2.1.3. Die Wirkung der neuen Leiden auf die BRD und die DDR
3. Spanien und die DDR – Parallelen und Differenzen in der Zensur und in deren Umgehungsmethodik
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht Methoden der Literaturzensur sowie Strategien zu deren Umgehung in zwei historisch unterschiedlichen Diktaturen: dem spanischen Franquismus und der DDR. Dabei wird analysiert, wie Autoren durch subtile literarische Verfahren Kritik an den jeweiligen Systemen üben konnten, ohne dabei an staatlichen Zensurbehörden zu scheitern.
Die Liberalisierung des Regimes (apertura) aus der Sicht Carmens
Wie bereits erwähnt stellt Carmen die Ideologien und Konventionen des franquistischen Regimes dar. Sie ist vom gegenwärtigen System überzeugt und setzt jede Veränderung „dem Ende der Welt“ („son las señales del fin del mundo“, 204) gleich. Im Gegensatz zu den 40er Jahren, waren die 50er offener, in dem Sinne, dass sich Spanien und die USA annährerten (Aufnahme Spaniens in die UNO, 1955), und die internationale Isolierung beendet wurde (vgl. Neuschäfer 1991: 45-46). Die Liberalisierung zu Beginn der 60er Jahre hatte eher einen ökonomischen Charakter, das Zweite Vatikanische Konzil wurde verabschiedet und dadurch die Erneuerung der katholischen Kirche eingeleitet, der soziale Realismus wurde überwunden, und es machte sich ein zunehmender Wohlstand in der Bevölkerung bemerkbar.
1962 führte Spanien Gespräche mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die Demokratisierung und Anpassung forderte. Das neue Pressegesetz wurde 1966 verabschiedet (vgl. Estruch Tobella 2008: 11-13). Neuschäfer merkt an, dass die Liberalisierung nicht nur aufgesetzt, sondern doppelmoralisch sei. Während sich die Wirtschaft am Fortschritt orientiert, stagniert die Kulturpolitik. Es werden filmische Doppelversionen gedreht, eine für den internationalen Markt und eine abgespeckte für den nationalen (vgl. Neuschäfer 1991: 46).
Die Liberalisierung stellt Delibes deutlich am Ende seines Romans dar, indem der Sohn Mario II. seiner Mutter seine Zukunftsvisionen erklärt: eine Zukunft der offenen Fenster, durch die von außen frische Luft in dieses Land einströmen könne, das zu lange hermetisch verschlossen gewesen sei (vgl. 318). Trotz Carmens Einwänden umarmen sich die beiden, was nicht als Verständigung zwischen den Generationen gesehen werden kann, sondern vielmehr als stille Anteilnahme zwischen Mutter und Sohn. Mit diesem Schlussgespräch unterstreicht Delibes „die Sehnsucht nach der politischen, der sozialen und der mentalen Öffnung Spaniens, die in den 60er Jahren nicht mehr zu unterdrücken war.“ (Neuschäfer 1991: 91-92)
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zensurproblematik des Franquismus und der DDR ein und stellt die beiden Romane als Untersuchungsobjekte für Umgehungsmethoden vor.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert Zensur als historisches Machtinstrument und analysiert detailliert die Zensurpraxis in beiden Diktaturen sowie die spezifischen Umgehungsstrategien anhand der gewählten Primärliteratur.
3. Spanien und die DDR – Parallelen und Differenzen in der Zensur und in deren Umgehungsmethodik: Dieses Kapitel arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Zensursystemen sowie den Reaktionen der Autoren darauf systematisch heraus.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Delibes und Plenzdorf trotz strenger Kontrolle ihre Kritik am System artikulieren konnten und welche Bedeutung ihre Werke als Dokumente des Widerstands besitzen.
Literaturzensur, Franquismus, DDR, Umgehungsmethodik, Cinco horas con Mario, Die neuen Leiden des jungen W., Miguel Delibes, Ulrich Plenzdorf, Systemkritik, Intertextualität, Meinungsfreiheit, Autoritarismus, gesellschaftlicher Protest, Sozialistischer Realismus, Doppelbödigkeit.
Die Arbeit untersucht, wie Autoren in Diktaturen – spezifisch im Spanien Francos und in der DDR – Mechanismen der Literaturzensur durch geschickte literarische Mittel umgehen und dennoch Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen äußern konnten.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Politik, die Wirkung autoritärer Strukturen auf Kulturschaffende, die Rolle der Intertextualität sowie der Vergleich von Zensurstrategien in unterschiedlichen politischen Systemen.
Das Ziel ist es zu analysieren, wo und wie Kritik am herrschenden System in „Cinco horas con Mario“ und „Die neuen Leiden des jungen W.“ versteckt ist und auf welche Weise diese Kritik durch den Leser oder den Zensor entschlüsselt bzw. missverstanden werden konnte.
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturwissenschaft, die historische Kontexte mit einer intensiven Textanalyse der gewählten Primärwerke verbindet und durch einschlägige Sekundärliteratur zur Zensurforschung untermauert wird.
Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen von Zensur in Spanien und der DDR, arbeitet die Symbolik und die regimekritischen Aspekte in Delibes' Roman heraus und untersucht Plenzdorfs Werk hinsichtlich des Protests der Jugend und der intertextuellen Bezüge zu Goethes „Werther“.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Literaturzensur, Systemkritik, Umgehungsmethodik, Intertextualität sowie die spezifischen nationalen Kontexte des Franquismus und der DDR.
Sein Tod dient als notwendiges dramatisches Instrument, um den Zensurbehörden die Publikation zu erleichtern, da der Roman auf dem Totenbett der Ehefrau spielt und somit die Kritik durch die Stimme eines bereits Verstorbenen „abgefedert“ wird.
Plenzdorf nutzt den Klassiker, um den Anpassungszwang und die Vermassung der DDR-Leistungsgesellschaft zu kritisieren; die Intertextualität fungiert als „Werther-Pistole“, um sich von der staatlich verordneten Alltagssprache und Konformität zu distanzieren.
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