Masterarbeit, 2015
76 Seiten, Note: 1,1
1. Störungen des Sozialverhaltens - ein gesellschaftliches Problem?
1.1 Definition
1.2 Epidemiologie
1.2.1 Geschlechtliche Unterschiede im aggressiven Verhalten
1.2.2 Verschiedene Ausdrucksformen aggressiven Verhaltens
1.3 Symptomatik und Klassifikation nach ICD-10
1.3.1 Störungsspezifische Diagnostik
1.3.2 Komorbidität und Differenzialdiagnostik
1.3.3 Abgrenzung zur Dissozialen Persönlichkeitsstörung
1.3.4 Entwicklungsverläufe
1.4 Ätiologie
1.4.1 Risikofaktoren für die Entstehung
1.4.2 Schutzfaktoren gegen aggressiv-dissoziales Verhalten
1.4.3 Das bio-psycho-soziale Modell
2. Behandlungs- und Hilfeformen
2.1 Maßnahmen der Jugendhilfe
2.2 Patientenfokussierte Interventionen
2.3 Stationäre Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
2.4 Eltern- und Familienbezogene Interventionen
2.4.1 Elterntraining
2.4.2 Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten - THOP
3. Die Multisystemische Therapie
3.1 Theoretischer Hintergrund der MST
3.1.1 Die sozial-ökologische Theorie
3.1.2 Die Veränderungstheorie der MST
3.2 Das Konzept der MST
3.3 Methodik und Interventionsformen innerhalb der MST
3.4 Zur Wirksamkeit der MST
3.4.1 Der Beginn der Forschung
3.4.2 Studienergebnisse
3.4.3 Effizienz und Kostenersparnis
4. Wäre eine Implementierung der MST in Deutschland denkbar?
4.1 Das Experteninterview
4.2 Die Ergebnisse des Interviews
4.2.1 Problembereiche der Implementierung
4.2.2 Lösungsansätze
Die Masterthesis analysiert das Störungsbild der Sozialverhaltensstörung im Kindes- und Jugendalter, beleuchtet aktuelle Behandlungsmethoden und evaluiert kritisch die Potenziale sowie Hürden der Implementierung der evidenzbasierten Multisystemischen Therapie (MST) in Deutschland.
Die Multisystemische Therapie
Im Jahr 1998 wurde das Buch “Multisystemic Treatment of Antisocial Behavior in Children and Adolescents” in den USA veröffentlicht. Es war die bis dato umfangreichste Darstellung therapeutischer Prozesse zur Behandlung von aggressiv-dissozialen Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wurde die Multisystemische Therapie (MST) zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erst in wenigen amerikanischen und kanadischen Einrichtungen eingesetzt.
Inzwischen gibt es mehr als 500 MST-Programme in fünfzehn Ländern weltweit, in denen pro Jahr mehr als 23.000 Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren sowie deren Familien betreut werden. In Europa glauben bereits alle skandinavischen Länder sowie Irland, England, Schottland, die Schweiz, Belgien und die Niederlande an das Konzept der Multisystemischen Therapie.
Basierend auf einem systemisch-verhaltenstherapeutischen Ansatz, gehört diese Therapie zu einem der bestevaluierten Programme in Bezug auf die Behandlung dissozialer Verhaltensstörungen bei Jugendlichen. Wie der Name schon vermuten lässt, interveniert die MST dabei auf mehreren Systemebenen. So setzt sie zwar beim Individuum selbst an, schließt für die Behandlung aber neben dem Mikrosystem Familie auch andere Systeme wie Schule, Peergroup und sonstiges soziales Umfeld mit ein. Zudem nimmt der Therapeut gleichzeitig auch die Rolle des Case Managers ein und berücksichtigt auf der Grundlage einer bio-psycho-sozialen Sichtweise sämtliche Risiko- und Schutzfaktoren für die Entstehung aggressiv-dissozialen Verhaltens und dessen Aufrechterhaltung. Mittels hochfrequenter intensiver Interventionen werden die Jugendlichen und ihre Familien so über eine mittlere Dauer von 4-6 Monaten therapeutisch begleitet. Die Multisystemische Therapie wirkt somit als intensives und effektives Verfahren zur Behandlung von schweren Störungen des Sozialverhaltens bei Jugendlichen und soll in diesem Kapitel ausführlich betrachtet werden.
1. Störungen des Sozialverhaltens - ein gesellschaftliches Problem?: Dieses Kapitel definiert das Störungsbild, beleuchtet dessen Epidemiologie, Ätiologie und die klassifikatorische Einordnung gemäß ICD-10.
2. Behandlungs- und Hilfeformen: Hier werden gängige deutsche Interventionsansätze, insbesondere Maßnahmen der Jugendhilfe, patientenfokussierte Therapie sowie stationäre und familienbezogene Ansätze kritisch betrachtet.
3. Die Multisystemische Therapie: Dieses Kapitel stellt das theoretische Modell, die Methoden, die Wirksamkeitsnachweise und die ökologische Validität der Multisystemischen Therapie ausführlich dar.
4. Wäre eine Implementierung der MST in Deutschland denkbar?: Basierend auf einem Experteninterview werden bürokratische und finanzielle Hürden für die Einführung der MST in Deutschland analysiert und konkrete Lösungsansätze aufgezeigt.
Störung des Sozialverhaltens, Multisystemische Therapie, MST, Jugendhilfe, Dissozialität, Delinquenz, Epidemiologie, Therapieeffektivität, Implementierung, Familienberatung, Systemische Therapie, Patientencompliance, Kosten-Nutzen-Analyse, Verhaltensauffälligkeit, Intervention
Die Arbeit untersucht das Störungsbild der Sozialverhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen und bewertet die Multisystemische Therapie (MST) als möglichen, effektiven Behandlungsansatz für den deutschen Kontext.
Die Schwerpunkte liegen auf der ätiologischen Einordnung, der Analyse derzeitiger deutscher Behandlungsformen sowie der detaillierten Vorstellung und kritischen Prüfung der MST.
Ziel ist es, die Möglichkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Implementierung der MST in Deutschland unter Berücksichtigung bestehender sozialpolitischer Strukturen zu erörtern.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie auf der Durchführung und qualitativen Auswertung eines Experteninterviews zur Implementierungsproblematik.
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Einordnung, die kritische Bestandsaufnahme der deutschen Jugendhilfe sowie die theoretische und empirische Darstellung der MST.
Wichtige Begriffe sind Sozialverhaltensstörung, Multisystemische Therapie, Implementierung, Jugendhilfe, Delinquenz, evidenzbasierte Praxis und Bio-psycho-soziales Modell.
Der Begriff bezieht sich darauf, dass die Therapie nicht nur das Individuum, sondern alle relevanten Lebensbereiche wie Familie, Schule, Peers und das soziale Umfeld aktiv in den Behandlungsprozess einbezieht.
Die Arbeit nutzt diese Analysen, um aufzuzeigen, dass die Investition in evidenzbasierte Verfahren wie die MST langfristig zu erheblichen Einsparungen für Justiz und Sozialkassen führen kann.
Haupthindernisse sind die fragmentierten Zuständigkeiten zwischen Jugendhilfe, Psychiatrie und Justiz sowie die kommunale Struktur der deutschen Jugendhilfe, die eine nationale Einführung erschwert.
Vorgeschlagen wird primär die Etablierung einer wissenschaftlich begleiteten Pilotstudie durch einen innovativen Jugendhilfeträger, idealerweise finanziert durch zusätzliche Fördermittel wie den Innovationsfonds.
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