Bachelorarbeit, 2015
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die zugrunde liegenden Werke
3. Sadist oder Masochist?
3.1. Werkimmanente Männlichkeitsformen
3.2. Die Problematik des Neins
4. Was macht Macht?
4.1. Ein Vertrag zwischen Sub und Dom
4.2. Die Macht der Venus
4.3. Die Machtrequisiten der Venus
5. Was Macht macht
5.1. Wandas Wandel zur Venus im Pelz
5.2. Die Entwicklung einer inneren Göttin
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Frauenfiguren in Leopold von Sacher-Masochs "Venus im Pelz" und E. L. James’ "Shades of Grey" im Kontext heterosexueller sado-masochistischer Beziehungen, um zu analysieren, ob es sich um Vertreterinnen des "schwachen Geschlechts" oder um starke Frauen handelt.
3.1. Werkimmanente Männlichkeitsformen
[N]irgends passt Goethes ›Du musst Hammer oder Amboss sein‹ so vortrefflich hin wie auf das Verhältnis von Mann und Weib, das hat dir beiläufig Venus im Träume auch eingeräumt. In der Leidenschaft des Mannes ruht die Macht des Weibes, und es versteht sie zu benützen, wenn der Mann sich nicht vorsieht. Er hat nur die Wahl der Tyrann oder der Sklave des Weibes zu sein. Wie er sich hingibt, hat er auch schon den Kopf im Joche und wird Peitschen fühlen.26
Die Geschlechterontologie, die Venus im Pelz zu Grunde liegt, wird im Werk – wie das obige Beispiel zeigt – meist durch Severin artikuliert. Für ihn kann eine Beziehung, in der zwischen Mann und Frau Gleichberechtigung herrscht, nicht bestehen: „‘In der Liebe gibt es kein Nebeneinander’ erwiderte ich mit feierlichem Ernst, ‘sobald ich aber die Wahl habe, zu herrschen oder unterjocht zu werden, scheint es mir weit reizender, der Sklave eines schönen Weibes zu sein.’“27 Mann und Frau stellen für Severin ein Gegensatzpaar dar:
[W]enn eine Ehe nur auf Gleichheit, auf Übereinstimmung gegründet sein kann, so entstehen dagegen die größten Leidenschaften durch Gegensätze. Wir sind solche Gegensätze, die sich beinahe feindlich gegenüberstehen, daher diese Liebe bei mir, die zum Teil Hass, zum Teil Furcht ist. In einem solchen Verhältnis kann nur eines Hammer, das andere Amboss sein. Ich will Amboss sein. Ich kann nicht glücklich sein, wenn ich auf Geliebte herabsehe. Ich will ein Weib anbeten können, und das kann ich nur, wenn es grausam gegen mich ist.28
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Stärke der Frauenfiguren in den Romanen vor und skizziert den theoretischen Rahmen sowie die methodische Herangehensweise.
2. Die zugrunde liegenden Werke: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über Sacher-Masochs "Venus im Pelz" und E. L. James’ "Shades of Grey" im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte und kulturellen Bedeutung.
3. Sadist oder Masochist?: Es erfolgt eine Betrachtung der männlichen Protagonisten und ihrer sexuellen Vorlieben, sowie eine Untersuchung der Problematik des Neins als Ausdruck von Macht und Konsens.
4. Was macht Macht?: Dieses Kapitel analysiert die masochistischen Verträge in beiden Werken als machtschaffende Instanzen und beleuchtet die Machtrequisiten der Venus.
5. Was Macht macht: Die Analyse konzentriert sich auf die psychologische Entwicklung der Frauenfiguren (Wanda und Anastasia) und untersucht ihre Transformation innerhalb der BDSM-Beziehungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die gesellschaftliche Entwicklung vom Tabu hin zur heutigen Rezeption sadomasochistischer Narrative.
Masochismus, Sadismus, Sacher-Masoch, Shades of Grey, Machtverhältnisse, Geschlechterrollen, Feminismus, Konsens, Identitätsentwicklung, Fetisch, Vertrag, Venus im Pelz, Submissivität, Dominanz, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit untersucht die Rollenbilder und Machtdynamiken in sado-masochistischen Beziehungen anhand der Romane "Venus im Pelz" und "Shades of Grey".
Zentrale Themen sind Machtausübung, die psychologische Charakterentwicklung der Frauenfiguren, der Stellenwert des BDSM-Vertrags sowie gesellschaftliche Geschlechternormen.
Ziel ist es zu ergründen, ob die behandelten Frauenfiguren in den Romanen als schwach oder als starke, handelnde Subjekte interpretiert werden müssen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung psychoanalytischer Ansätze (u. a. Deleuze, Freud) und feministischer Literaturkritik.
Der Hauptteil analysiert die Verträge, die Machtrequisiten sowie die Charakterentwicklung von Wanda und Anastasia unter Berücksichtigung von Macht, Konsens und Rollenbildern.
Wichtige Begriffe sind Masochismus, Sadismus, Identität, Machtverhältnisse, Konsens sowie die Analyse der literarischen Figuren.
Diese Metapher verdeutlicht das für Severin fundamentale Gegensatzpaar von Herrschaft und Unterwerfung, dessen Interpretation in der Forschung kontrovers diskutiert wird.
Während die Thematik des Neins in beiden Werken die Komplexität des Konsenses verdeutlicht, zeigt die Arbeit, dass die Frauenfiguren unterschiedlich mit ihrer Autonomie und den ihnen zugewiesenen Rollen umgehen.
Die Kleidung wird als "zweite Haut" und symbolisches Requisit analysiert, das den Wandel der Frauenfiguren, etwa zur "Venus im Pelz", visuell und psychologisch markiert.
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