Bachelorarbeit, 2015
56 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung – oder was es über Grenzen zu sagen gibt
2 Grundlagen des Judo
2.1 Begriffserklärung und Prinzipien
2.2 Bedeutungsvolle Rahmenbedingungen des Judo
2.2.1 Dojo, Judogi und Graduierung
2.2.2 Rei – Der Gruß als Ritual mit Botschaft
2.2.3 Die Judowerte des DJB als gemeinsames Wertverständnis
2.3 Judo-Techniken
2.3.1 Systematik
2.3.2 Kontrolle und Körperkontakt
2.3.3 Aufgabe
2.4 Training und Wettkampf
2.4.1 Randori und Kata
2.4.2 Shiai – Wettkämpfe im Judo
2.4.2.1 Fairness im Shiai
2.4.2.2 Die Rolle der Kampfrichter im Shiai
2.5 Erziehung und Judo
2.5.1 Shitei – Die traditionelle Lehrer-Schüler-Beziehung im Budo
2.5.2 Erziehung bei Jigoro Kano
3 Perspektiven auf Freiheiten und Grenzen
3.1 Juristische Perspektive
3.1.1 Allgemeine Gesetzeslage
3.1.2 Körperverletzung als besonderer Konfliktbereich
3.1.3 Schutzbefohlene
3.1.4 Die juristische Perspektive auf Judo
3.1.5 Außenperspektive
3.2 Psychologische Perspektive
3.2.1 Identität und Abgrenzung
3.2.2 Gewissen
3.2.3 Reaktionen auf Grenzüberschreitungen
3.2.4 Die psychologische Perspektive auf Judo
3.3 Pädagogische Perspektive
3.3.1 Selbstbestimmung und Grenzen
3.3.2 Die Rolle von Autoritäten und Vorbildern
3.3.3 Die pädagogische Perspektive auf Judo
4 Formen von Grenzüberschreitungen im Judo
4.1 Physische Grenzüberschreitungen
4.1.1 Dimensionen von Körperlichkeit
4.1.2 Direkte physische Grenzüberschreitungen
4.1.3 Indirekte physische Grenzüberschreitungen
4.2 Sexuelle Grenzüberschreitungen
4.2.1 Grenzverletzungen und sexueller Missbrauch
4.2.2 Missbrauch von Körperkontakt und Kontrolle
4.2.3 Missbrauch von Hierarchien
4.2.4 „Nein-Sagen“ können, aber nicht müssen müssen
4.3 Psychische und soziale Grenzüberschreitungen
4.3.1 Grenzverletzungen und Selbstkonzept
4.3.2 Traumata und Extremsituationen
4.3.3 Identität und das moralische Prinzip (ein Plädoyer)
5 Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld von persönlichen Freiheiten und Grenzen im Judo. Ziel ist es, aus einer sportwissenschaftlich-pädagogischen Perspektive zu sensibilisieren, inwiefern die Praxis des Judo – bei der körperliche Auseinandersetzung und Kontrolle zentrale Elemente sind – Risiken für Grenzüberschreitungen birgt und wie durch judospezifische Werte, Rituale und Erziehungsansätze ein verantwortungsvoller Umgang gefördert werden kann.
3.1.2 Körperverletzung als besonderer Konfliktbereich
Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“. Im Sport allgemein – und insbesondere unter dem Gesichtspunkt der in dieser Arbeit nachgegangenen Fragestellung nach Grenzüberschreitungen im Judo – stellt sich die Frage, wie mit den Straftatbeständen der Körperverletzung (§§ 223 ff StGB) und der Tötung (§§ 212, 222 StGB) umgegangen wird. Grundsätzlich gilt das staatliche Strafrecht auch im Sport, was sich v.a. aus dem § 1 StGB ableiten lässt, da sonst ein rechtsfreier Raum bestünde (Werkmeister, 2009). Sowohl bei der straf- als auch bei der zivilrechtlichen Haftung nach §§ 823 ff BGB sowie bei weiteren Anspruchsgrundlagen wird unterschieden zwischen nebeneinander durchgeführten Sportarten und Kampfsportarten, zu denen neben den klassischen Zweikampfsportarten wie Boxen auch die meisten Mannschaftssportarten gehören. Dabei wird ein gewisses Verletzungsrisiko in Kauf genommen. Von besonderer rechtlicher Relevanz ist die Einhaltung der Regeln, welche bei Körperverletzungen auch den Unterschied zwischen dem Eingreifen der rechtfertigenden Einwilligung, die ihre Grenzen in § 228 StGB findet, und dem Verstoß gegen die „guten Sitten“ macht. Hier stellt sich erneut die Frage nach der Grenzziehung zwischen sporttypischen, leicht fahrlässigen Regelverletzungen (z.B. aus Übereifer, Unüberlegtheit, Übermüdung, technischem Versagen) und groben, erheblich risikobehafteten Verstößen inkl. der für den Täter subjektiven Vorhersehbarkeit von Verletzung und/oder Tod des Geschädigten, bei denen unter Umständen auch noch vorsätzliches Handeln (inkl. Eventualvorsatz) unterstellt werden kann (Heermann, 2013a, c und d; Muders, 2013; Werkmeister, 2009).
1 Einleitung – oder was es über Grenzen zu sagen gibt: Die Einleitung führt in die Thematik der allgegenwärtigen Grenzen ein und begründet die Relevanz einer sportwissenschaftlichen Untersuchung über Grenzüberschreitungen im speziellen Kontext des Judo.
2 Grundlagen des Judo: Dieses Kapitel erläutert die technischen und moralischen Prinzipien des Judo, die Rahmenbedingungen des Dojo und die erziehungswissenschaftlichen Ansätze von Jigoro Kano.
3 Perspektiven auf Freiheiten und Grenzen: Die Arbeit beleuchtet das Thema aus juristischer, psychologischer und pädagogischer Sicht, um das komplexe Spannungsfeld zwischen Freiheit, Identitätsbildung und sozialen Normen zu analysieren.
4 Formen von Grenzüberschreitungen im Judo: Im Hauptteil werden die verschiedenen Kategorien (physische, sexuelle sowie psychische und soziale Grenzüberschreitungen) analysiert, wobei besonders auf die Rolle der Judo-Lehrer eingegangen wird.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer konsequenten Orientierung am moralischen Prinzip im Judo zur Prävention von Grenzüberschreitungen.
Judo, Grenzüberschreitung, Sportpädagogik, Freiheit, Körperlichkeit, Identität, moralisches Prinzip, Judo-Werte, Körperkontakt, Gewaltprävention, Lehrer-Schüler-Beziehung, Schutzbefohlene, Wettkampf, Selbstkonzept, Ethik.
Die Arbeit thematisiert das Spannungsfeld von Freiheiten und Grenzen im Judo und untersucht, wie in einer Sportart, die körperlichen Kontakt und Kampf beinhaltet, Grenzüberschreitungen vermieden werden können.
Die zentralen Felder umfassen die judospezifischen Grundlagen, die rechtliche Einordnung von Körperverletzungen im Sport, die psychologischen Aspekte der Identitätsentwicklung sowie die pädagogische Reflexion über erzieherisches Handeln.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für Chancen und Risiken im Judo zu schaffen und durch eine fachwissenschaftliche Aufarbeitung eine Diskussionsgrundlage für Judo-Lehrer und Betroffene anzubieten.
Es handelt sich um eine sportwissenschaftliche Arbeit, die eine interdisziplinäre Literaturanalyse (Pädagogik, Psychologie, Jura) nutzt, um das Phänomen der Grenzüberschreitung im Judo theoretisch und praktisch zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Perspektivanalyse (Recht, Psychologie, Pädagogik) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen von Grenzüberschreitungen, inklusive körperlicher, sexueller und psychisch-sozialer Aspekte.
Wesentliche Begriffe sind Judo, Grenzüberschreitung, pädagogische Verantwortung, Identitätsentwicklung, moralisches Prinzip, Körperkontakt und Schutzbefohlene.
Die Anfälligkeit ergibt sich aus dem notwendigen engen Körperkontakt, den bestehenden Macht- und Hierarchieverhältnissen (Graduierungen, Lehrer-Schüler) sowie dem teilweise missverständlichen Ehrgeiz in Leistungs- und Wettkampfsituationen.
Der Judo-Lehrer fungiert als partnerschaftliche Autorität. Er hat eine zentrale Vorbildfunktion und muss durch die Vermittlung der Judowerte sowie eine respektvolle Trainingsgestaltung aktiv dazu beitragen, Grauzonen zu reduzieren und Schutzräume für die Judoka zu schaffen.
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