Examensarbeit, 2004
131 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Definitionen von Armut
2.1 Definition von Armut heute
2.2 Definition von Armut im Mittelalter
3. Armutsstufen
3.1 Primäre und sekundäre Armut
3.2 Tertiäre Armut und Almosen
4. Gruppen von Armutsbedrohten und Armutsgruppen
4.1 Tagelöhner, Lohnarbeiter und kleine Handwerker
4.2 Gesellen
4.3 Hausgesinde
4.4 Alte, Kranke und Arbeitsunfähige
4.5 Hausarme
4.6 Bettler
5. Ursachen von Armut und Bedürftigkeit im späten Mittelalter
5.1 Hungersnöte, ihre Ursachen und Folgen
5.2 Krankheit als Ursache von Armut und Bedürftigkeit
6. Armenfürsorge und Bekämpfung der Armut
6.1 Armenhospitäler
6.2 Brotpreis- und Getreidevorratspolitik durch die städtische Obrigkeit
6.3 Städtische Armenpolitik
6.3.1 Ursachen für den Beginn städtisch- obrigkeitlicher Eingriffe in das Bettelwesen
6.3.2 Bettelordnungen
6.3.3 Bettelgericht und Bettlerpolizei
6.3.4 Bettlerzeichen am Beispiel Nürnberg 1478
6.3.5 Arbeitsbeschaffung durch städtische Obrigkeit
7. Zusammenfassung
8. Unterrichtsentwurf:
8.1 Situation der Klasse
8.1.1 Vorbildung
8.1.3 Entwicklung der Allgemeinen Lernziele
8.1.4 Allgemeine Lernziele
8.2 Didaktische Analyse
8.2.1 Frage nach der Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung des Inhaltes
8.2.2 Frage nach der exemplarischen Bedeutung des Inhaltes
8.2.3 Frage nach Situationen, Beispielen, Fällen und Anlässen mit deren Hilfe der Inhalt besonders gut veranschaulicht werden kann
8.2.4 Stundenziel
8.2.5 Entwicklung der konkreten Lernziele
8.3 Methodische Analyse
8.3.1 Angaben zur Art, der in Frage kommenden Methoden
8.3.2 Motivationswirkung der Methoden allgemein
8.3.3 Motivationswirkung der Methoden bezogen auf die Lehr- und Lerngruppen
8.4 Medienanalyse
8.4.1 Analyse der Medien allgemein
8.4.2 Begründung der Medienwahl bezüglich der konkreten Lehr- und Lerngruppe
8.5 Angaben zur Gestaltung des Tafelbildes und zur Foliengestaltung
9. Verlaufsplan
10. Anhang
Die Arbeit analysiert die Situation von Bettlern und Armen im Spätmittelalter mit dem Ziel, Schülern der siebten Klasse die Entwicklung der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Bedürftigen sowie die Entstehung städtischer Armenfürsorge zu veranschaulichen. Dabei soll verdeutlicht werden, wie sich der Status der Bedürftigen vom integrierten Gesellschaftsmitglied zum Randständigen wandelte.
3.2 Tertiäre Armut und Almosen
„[...] Nichts macht so leicht den Menschen gesund, als das Spenden von Almosen. Wer seine Hände nicht nach Möglichkeit den Armen entgegenstreckt, der breitet umsonst nach Gott im Gebete aus. Es sind also Thoren, und sie quälen sich umsonst ab, die da meinen, sie würden Barmherzigkeit von Gott erlangen, wenn sie selbst nicht die Barmherzigkeit ausüben. [...]“
Die Tertiäre Armut (Bedürftigkeit) war im Mittelalter Grundvoraussetzung für die materielle Unterstützung der Armen durch die Gesellschaft. Diese Unterstützung bedeutete, dass die Armut und das daraus resultierende Betteln gesellschaftlich anerkannt wurden. Hauptgrund für diese Unterstützung war der christliche Glaube der Bürger, die durch die Vergabe von Almosen das biblische Gebot der Nächstenliebe ausübten. Almosengebende Bürger erhofften sich durch ihre Gaben, ihr eigenes Seelenheil zu retten, da die Bedürftigen, Fürbitten für die erhaltene Hilfe sprachen. Die Armen gehörten demnach notwendigerweise zur christlichen Gesellschaft, da die wohlhabenden und reichen Bürger auf die Fürbitten durch die Armen angewiesen waren.
Das Geben von Almosen, also die materielle oder finanzielle Unterstützung von sozial schwachen Personen, wurde und wird noch heute in vielen Religionen als Pflicht verstanden. Das Almosengeben ist ein Resultat der Barmherzigkeit, des Mitgefühls für das Leid anderer. Nach dem Neuen Testament ist die Barmherzigkeit eine der Grundeigenschaften eines jeden guten Christen. Die barmherzige Geste des Almosengebens ist eine Möglichkeit neben Fasten und Beten, begangene Sünden wieder gut zu machen.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas Armut als historisches und gegenwärtiges Problem sowie die Relevanz für den Geschichtsunterricht.
2. Definitionen von Armut: Abgrenzung von Armutsbegriffen in der heutigen Zeit und im mittelalterlichen Kontext.
3. Armutsstufen: Systematisierung der Armut in primäre, sekundäre und tertiäre Formen sowie die Rolle von Almosen.
4. Gruppen von Armutsbedrohten und Armutsgruppen: Analyse spezifischer Bevölkerungsschichten wie Tagelöhnern, Gesellen, Hausgesinde und Bettlern hinsichtlich ihrer Armutsgefährdung.
5. Ursachen von Armut und Bedürftigkeit im späten Mittelalter: Untersuchung von externen Faktoren wie Hungersnöten und Krankheiten als Auslöser für Armut.
6. Armenfürsorge und Bekämpfung der Armut: Darstellung der städtischen Maßnahmen, einschließlich Hospitälern, Preispolitik und regulatorischer Eingriffe wie Bettelordnungen.
7. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Entwicklung der Armenfürsorge und der sozialen Stellung von Armen.
8. Unterrichtsentwurf: Didaktische Planung für eine Unterrichtseinheit zur Thematik in der Hauptschule.
Armut, Spätmittelalter, Bettler, Almosen, Armenfürsorge, Soziale Sicherung, Bettelordnung, Städtische Obrigkeit, Bedürftigkeit, Hunger, Krankheit, Zünfte, Arbeitslosigkeit, Bettlerzeichen, Sozialgeschichte
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Armut in deutschen Städten des Spätmittelalters, wobei sie insbesondere die sozialen Gruppen, Ursachen für Bedürftigkeit und die darauf reagierende städtische Armenfürsorge untersucht.
Zentrale Themen sind die Definition von Armut, die Identifizierung betroffener Personengruppen, die Rolle der Kirche und der Obrigkeit sowie die Entwicklung von Armenfürsorgesystemen im Spätmittelalter.
Das Hauptziel ist es, die Entwicklung der Einstellung gegenüber Armen und Bedürftigen im Spätmittelalter aufzuzeigen und dabei den Wandel vom integrierten Gesellschaftsmitglied zum gesellschaftlich Randständigen zu verdeutlichen, um dies als Grundlage für den Geschichtsunterricht an der Hauptschule aufzubereiten.
Es wurde eine fachwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung wissenschaftlicher Literatur, Lexika, Zeitschriftenartikeln sowie der Untersuchung von Primärquellen, wie etwa den Nürnberger Bettelordnungen, basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen von Armut, die Analyse verschiedener Armutsgruppen, die Ursachenforschung hinsichtlich Hungersnöten und Krankheiten sowie die detaillierte Beschreibung der städtischen Armenfürsorge und ordnungspolitischer Maßnahmen gegen das Bettelwesen.
Wichtige Begriffe sind Armut, Almosen, Armenfürsorge, Bettelordnung, Bedürftigkeit, städtische Obrigkeit und Arbeitsbeschaffung.
Die Zünfte waren maßgeblich an der Ausgrenzung von Gesellen beteiligt und spielten zudem eine Rolle bei der Organisation von Unterstützungssystemen, was die Komplexität der sozialen Struktur in mittelalterlichen Städten unterstreicht.
Die Autorin stellt Vergleiche zwischen mittelalterlichen Bettelordnungen und modernen Reformen wie Hartz IV her, um Schülern zu verdeutlichen, dass Armutsursachen und der staatliche Umgang damit historisch verankerte Probleme sind.
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