Examensarbeit, 2016
75 Seiten
1. Einleitung
2. Gesellschaftsökonomische Strukturen und monetäre Bewertungsmuster der Frühen Neuzeit
2.1 Sozialwirtschaftliche Hintergründe
2.2 Bewertung von Geld und Reichtum
2.3 Bewertung von Armut
3. Exemplarische Textanalyse ausgewählter Erzählungen
3.1 Der Grosse Schauplatz jämmerlicher Mordgeschichte von Georg Philipp Harsdörffer
3.1.1 I. Der unglückselige Geitzhals
3.1.2 VIII. Der falsche Freund
3.1.3 XIV. Straf der Unbeständigkeit
3.1.4 XXXII. Das unglückselige Glück
3.1.6 LIX. Die gottesvergessne Eifersucht
3.1.7 LXVI. Des überwundenen Obsieg
3.1.8 LXXVII. Der treuvergessne Freund
3.1.9 LXXXI. Der unkeusche Wucherer
3.1.10 CIV. Der bestraffte Rauber
3.2 Der Grosse Schauplatz Lust-und Lehrreicher Geschichten von Georg Philipp Harsdörffer
3.2.1 I. Das gluckselige Almosen
3.2.2 CV. Die verkehrte Bekehrung
3.2.3 CXIX. Die kluge Bauren-Magd
3.2.4 CXXV. Saalbader
3.2.5 CXXXIII. Der guldene Zahn
3.2.6 CLXV. Der Gern-Goldmacher
3.2.7 CLXVI. Der betrogene Geiz
3.2.8 CLXXIV. Die Lehn- oder Leyhäuser
3.2.9 CXCVIII. Der Glückstopff
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung und moralische Reflexion von Armut und Reichtum in Georg Philipp Harsdörffers Erzählsammlungen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit Geld und materieller Besitz als Faktoren für charakterliche Korruption oder soziale Ausgrenzung in der Frühen Neuzeit fungieren.
3.1.1 I. Der unglückselige Geitzhals
Diese erste Erzählung verhandelt gleich zwei der großen Sünden der Frühen Neuzeit, avarizia und ira, durch die die gesamte Erzählung bestimmt wird. Konkret wird die Erzählung um den unglückseligen Geizhals Bergold damit eingeleitet, dass dieser gleich zu Beginn als Adeliger, also vermögender Mann, dargestellt wird, dem jedoch sofort die bereits oben genannte Sünde der avarizia zur Last gelegt wird: „In dieser Gegend hatte seine Geburtstat ein unglückseliger geitziger von Adel / welcher diesen grossen Schauplatz jämmerlichen Mordgeschichte eröffnen sol.“
Die Geschichte um Bergold erzählt, dass dieser nach dem Tode seines Vaters dessen großes Vermögen erbte und die Anteile seiner beiden Schwestern so lange verwahren sollte, bis diese heiraten würden. Aber Bergold war mit dem Testament nicht einverstanden und wollte „sich mit so reichem Haab nicht vernügen [lässt] / sondern lüstert auch seiner Schwestern Antheil zu besitzen: massen des Geitzes Eigenschafft ist niemals genug haben / und täglich ein mehrers zu wünschen.“ Diese zitierte Textstelle kann man in zwei Teile untergliedern: Die erste Partie bis zum Doppelpunkt bezieht sich speziell auf Bergold und dessen unersättlicher Gier nach Geld, die derartig stark ausgeprägt ist, dass er sogar das Vermögen seiner Schwestern für sich beansprucht. Hier lässt sich bereits die implizite Interpretation von Geld erkennen, dass es einen Menschen gierig und gewissenlos machen kann.
Die zweite Partie trifft eine allgemeingültige Aussage über die Eigenschaft des Geizes und damit verbundene Tätigkeiten, wie beispielsweise zu immer mehr Geld gelangen zu wollen und sich niemals mit dem eigenen Besitz zufrieden zu geben. Insgesamt bewirkt der Erzähler an dieser Stelle eine untrennbare Verbindung zwischen Geld, Reichtum und Geiz. Es wird vermittelt, dass also derjenige Mensch, der zu großem Besitz gelangt ist, automatisch auch geizig sein muss und so die genannten schlechten Charaktereigenschaften in sich vereint.
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Auswahl der 19 exemplarischen Erzählungen aus Harsdörffers Werken sowie den theoretischen Forschungsrahmen.
2. Gesellschaftsökonomische Strukturen und monetäre Bewertungsmuster der Frühen Neuzeit: Dieses Kapitel skizziert den sozioökonomischen Wandel, den Einfluss von Geld auf soziale Hierarchien und die religiös geprägten moralischen Bewertungen von Reichtum und Armut im Barock.
3. Exemplarische Textanalyse ausgewählter Erzählungen: Dieser Hauptteil bietet eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Erzählungen aus den beiden „Schauplätzen“, wobei besonders die moralischen Konsequenzen von Habgier, Wucher und sozialer Ungerechtigkeit analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die literarischen Mittel der Erzählinstanz zusammen und stellt die konsistente ethische Bewertung von Reichtum als Gefahr für den Charakter einer Person heraus.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die wissenschaftliche Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen aufgeführt.
Georg Philipp Harsdörffer, Frühe Neuzeit, Schauplatz, Armut, Reichtum, Geldgier, Avarizia, Barock, Erzählliteratur, Moraltheologie, Geiz, Tugendlehre, soziale Ungleichheit, Didaktik, Verbrechensliteratur.
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung und moralische Reflexion von Armut und Reichtum innerhalb der Erzählsammlungen „Der Grosse Schauplatz jämmerlicher Mordgeschichte“ und „Der Grosse Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichten“ von Georg Philipp Harsdörffer.
Zentrale Themen sind der sozioökonomische Wandel in der Frühen Neuzeit, die moralische Bewertung von Geldgier (avarizia) und Geiz sowie die Frage nach dem Einfluss von Reichtum auf den menschlichen Charakter.
Die Arbeit fragt danach, wie Geld, Armut und Reichtum innerhalb der Erzählungen durch den Autor gewertet werden und welche Rolle der soziale Stand sowie die moralische Bildung der Leser dabei spielen.
Die Arbeit nutzt die Methode der exemplarischen Textanalyse und Interpretation, um die narrativen Strukturen und die lehrhaften Kommentare Harsdörffers im Kontext barocker Moralvorstellungen zu untersuchen.
Im Hauptteil werden zehn Erzählungen aus dem „Schauplatz jämmerlicher Mordgeschichte“ und neun aus dem „Schauplatz Lust- und Lehrreicher Geschichten“ detailliert analysiert, um die moralische Ausrichtung des Autors gegenüber materiellem Besitz zu belegen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geiz, Avarizia, Barock, soziale Ungleichheit, Tugendlehre, Geldgier und moralische Didaktik.
Die Untersuchung arbeitet heraus, dass der eine „Schauplatz“ eher „ex negativo“ durch die Bestrafung von Sünden belehrt, während der andere „ex positivo“ durch beispielhafte Charaktere oder positive Wandlungen moralische Werte vermittelt.
Harsdörffer betont in seinen Erzählungen, dass Reichtum für die „hitzige Jugend“ besonders gefährlich ist, da erst Lebenserfahrung und moralischer Verstand den korrekten, tugendhaften Umgang mit Besitz ermöglichen.
Das Fazit der Arbeit ist, dass Reichtum für Harsdörffer kein erstrebenswertes Ziel an sich ist, sondern nur dann positiv gewertet wird, wenn es mit Barmherzigkeit, Demut und einer rechtmäßigen Erwerbsweise einhergeht.
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