Bachelorarbeit, 2014
32 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung
II. Lukrez und sein Werk De rerum natura
III. Optik und Spiegelbilder bei Lukrez
III.1. Die simulacra und der Sehvorgang
III.2. Die Bedeutung des Lichts
III.3 Die jenseitige Lage des Spiegelbildes
III.3.a Einordnung in den Kontext von De rerum natura
III.3.b Textversion
III.3.c Übersetzung Luc.rer. 4, 269-288
III.3.d Textkritik
III.3.e Interpretation
III. 4 Die weiteren Eigenschaften der Spiegelbilder
III.4.a Die Spiegelverkehrtheit
III.4.b Die Mehrfachspiegelung
III.4.c Die Parabolspiegel oder rechtwinkeligen Spiegel
III.5 Lukrez und die moderne Optik
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die optischen Theorien des römischen Dichters Lukrez in seinem Lehrgedicht "De rerum natura", mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung und Wahrnehmung von Spiegelbildern. Dabei wird analysiert, wie Lukrez auf Basis eines rein materialistischen, atomistischen Weltbildes komplexe visuelle Phänomene widerspruchsfrei erklären kann und welche rhetorischen Strategien er nutzt, um seine Leser von diesen Thesen zu überzeugen.
III.3.b Textversion
Die Frage, warum wir unser Spiegelbild hinter dem Spiegel erblicken, beantwortet Lukrez folgendermaßen:
Nunc age cur ultra speculum videatur imago
270 percipe: nam certe penitus remmota videtur.
quod genus illa foris quae vere transpiciuntur,
ianua cum per se transpectum praebet apertum,
multa facitque foris ex aedibus ut viedeantur;
is quoque enim duplici geminoque fit aëre visus.
275 primus enim citra postes tum cernitur aër,
inde fores ipsae dextra levaque secuntur,
post extraria lux oculos perterget et aër
alter, et illa foris quae vere transpiciuntur.
sic ubi se primum speculi proiecit imago,
280 dum venit ad nostras acies protrudit agitque
aëra qui inter se cumquest oculosque locatus
et facit ut prius hunc omnem sentire queamus
quam speculum; sed ubi speculum quoque sensimus ipsum
continuo a nobis itidem quae fertur imago
285 pervenit, et nostros oculos reiecta revisit
atque alium prae se propellens aëra volvit,
et facit ut prius hunc quam se videamus, eoque
distare ab speculo tantum semota videtur.
quare etiam atque etiam minime mirarier est par
[quaeque foris res tam simili ratione videri]
290 illis quae reddunt speculorum ex aequore visum,
aëribus binis quoniam res confit utraque.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Absicht des Lukrez ein, den Menschen von der Furcht vor übernatürlichen Naturerklärungen zu befreien und stattdessen eine materialistische Weltsicht zu etablieren.
II. Lukrez und sein Werk De rerum natura: Das Kapitel skizziert das Leben des Autors und bietet eine Übersicht über die Inhalte der sechs Bücher von "De rerum natura", die als Grundlage für die optischen Erläuterungen dient.
III. Optik und Spiegelbilder bei Lukrez: Dieses Kapitel stellt das Herzstück der Arbeit dar und erläutert die atomistische Lehre des Sehens, die Bedeutung des Lichts sowie detailliert die Entstehung und Eigenschaften von Spiegelbildern.
III.1. Die simulacra und der Sehvorgang: Hier werden die simulacra als atomare Ströme eingeführt, die den Sehvorgang ermöglichen und die Basis für die weitere optische Analyse bilden.
III.2. Die Bedeutung des Lichts: Der Text beleuchtet die Rolle des Lichts als Medium und dessen Einfluss auf die Dichte der Luftschichten, die für die Wahrnehmung entscheidend sind.
III.3 Die jenseitige Lage des Spiegelbildes: Dieses Kapitel analysiert anhand einer Textstelle die lukrezische Erklärung, warum Spiegelbilder als "hinter" dem Spiegel liegend wahrgenommen werden.
III. 4 Die weiteren Eigenschaften der Spiegelbilder: Hier werden Phänomene wie die Spiegelverkehrtheit, die Mehrfachspiegelung und spezielle Spiegelformen wie Parabolspiegel untersucht.
III.5 Lukrez und die moderne Optik: Ein Vergleich zwischen der antiken atomistischen Optik und dem heutigen physikalischen Verständnis von Licht und Wellen.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt die in sich konsistente argumentative Leistung des Lukrez bei der Erklärung optischer Phänomene.
Lukrez, De rerum natura, Optik, Spiegelbilder, Atomismus, simulacra, Sehvorgang, Reflexion, Parabolspiegel, Materialismus, Licht, Wahrnehmung, Antike, Wissenschaftsgeschichte, Spiegelverkehrtheit.
Die Arbeit untersucht die optischen Phänomene in Lukrez' Lehrgedicht "De rerum natura", insbesondere wie er auf Grundlage einer atomistischen Naturlehre das Sehen und die Funktionsweise von Spiegeln erklärt.
Die zentralen Themen sind die "simulacra" (atomare Bildströme), der Sehvorgang selbst, die Erklärung von Spiegelbildern sowie der Vergleich zwischen antikem Verständnis und moderner Optik.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lukrez komplexe optische Phänomene innerhalb eines rein materialistischen Rahmens widerspruchsfrei darstellt und welche stilistischen Mittel er einsetzt, um seine Thesen zu vermitteln.
Es handelt sich um eine philologische Untersuchung, die Textanalyse, Interpretation der antiken philosophischen Konzepte und den Vergleich mit zeitgenössischen physikalischen Erklärungsmodellen kombiniert.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Bildern (simulacra), die Rolle von Luftschichten bei der Tiefenwahrnehmung im Spiegel, die physikalischen Besonderheiten von Spiegelungen und die rhetorische Gestaltung der Argumentation.
Besonders prägend sind Begriffe wie "simulacra", "atomistisch", "Spiegelbild", "Optik" und "materialistische Naturlehre".
Lukrez nutzt den Vergleich mit dem Blick durch eine offene Tür; er argumentiert, dass die Addition verschiedener Luftschichten zwischen dem Betrachter und dem Spiegelobjekt dazu führt, dass das Spiegelbild für unser Auge scheinbar in der Tiefe hinter der Spiegelfläche liegt.
Die Spiegelverkehrtheit wird genutzt, um die konsistente Anwendung der atomistischen Theorie auf die räumliche Ausrichtung von Objekten und deren Abbildern zu demonstrieren.
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