Bachelorarbeit, 2016
79 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Hinweise für gelungene Kommunikation
2.1 Mensch mit der medizinischen Diagnose Wachkoma als subjektives Wesen
2.2 Fähigkeit der Informationsverarbeitung
2.3 Beobachtbares sinnvolles und zielgerichtetes Verhalten
2.4 Befindlichkeitsappräsentationen des wachkomatösen Menschen
3 Hinweise für misslungene Kommunikation
3.1 Abwehrhaltung und Dummheit der Pflegenden
3.2 Fehlende Resonanz und Reziprozität der Pflegenden
3.3 Verdinglichung des Menschen mit der medizinischen Diagnose Wachkoma durch den defektorientierten biomedizinischen Ansatz
3.4 Leugnung der Verletztheit und Verkrüppelung
4 Bewertung der Hinweise für gelungene bzw. misslungene Kommunikation
4.1 Bewusstsein vs. nicht vorhandenes Bewusstsein
4.2 Abwehrhaltung vs. Anerkennung des Traumas
5 Diskussion
Die Arbeit untersucht Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Pflegepersonen und erwachsenen Menschen mit der medizinischen Diagnose Wachkoma. Ziel ist es, Bedingungen für gelingende sowie misslingende Interaktionsprozesse aufzuzeigen und Wege zu einer dialogorientierten, empathischen Pflege zu finden, um die soziale Teilhabe der Betroffenen zu fördern.
2.1 Mensch mit der medizinischen Diagnose Wachkoma als subjektives Wesen
Was macht den "wachkomatösen" Menschen als subjektives Wesen in Bezug zur Kommunikation aus? Zieger beschreibt den Objektstatus, den ein "wachkomatöser" Mensch einnehmen kann, als Körper und Ding mit Form und Gebilde, als einen Gegenstand der aus Materie (Organen und Substanzen) besteht (Zieger 2010, 7). Demgegenüber stellt er den Subjektstatus eines "wachkomatösen" Menschen als persönlich-lebendigen, empfindsamen und verletzlichen Leib oder als das wirklich leibhaftige selbstständige Leben dar (Zieger 2010, 7). Wenn der Leib des Menschen das Subjekt beschreibt, stellt sich die Frage nach der Seele, bzw. dem Geist des Subjektes, da Leib und Seele im allgemeinen Sprachgebrauch untrennbar eine Einheit bilden. Hier verweist Zieger darauf, dass, wenn wir uns die Frage stellen, ob ein Mensch einen Geist hat, prüfen wir damit auch immer die Beziehung, die wir ihm gegenüber einnehmen (Zieger 2015, 4). Er merkt an: "Was auf dem Spiel steht, sind der menschliche Anstand und damit letztlich die Menschlichkeit selbst.“ (Zieger 2015, 4) Somit können Pflegende dem "wachkomatösen" Menschen Geist zuschreiben, wenn sie nicht ihre eigene Menschlichkeit verlieren wollen.
Oder nach den Ausführungen von Aldringe: „Der erlebende Mensch ist nicht nur eine Ansammlung von Hirnaktivitäten, sondern ein verkörperter Geist in aktiver Auseinandersetzung mit einer Umgebung, eine Ökologie von Ereignissen und Ideen, die wir als Bewusstsein bezeichnen.“ (Aldridge O.J. zitiert nach Herkenrath 2016, 1) Betrachten Pflegende den Betroffenen unter dem Gesichtspunkt nach Aldrige als Wesen, welches zur Informationsverarbeitung fähig ist (weil es Geist hat) und sich mit seiner Umwelt aktiv auszutauschen kann, so müssen sie ihm wie auch immer geartetes Bewusstsein zusprechen.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Kommunikation mit Menschen im Wachkoma und Definition der zentralen Begriffe und Forschungsfrage.
2 Hinweise für gelungene Kommunikation: Erläuterung der Voraussetzungen für einen gelingenden Austausch, inklusive des Verständnisses als subjektives Wesen und der Bedeutung von Körpersemantik.
3 Hinweise für misslungene Kommunikation: Darstellung von Barrieren wie Abwehrhaltungen der Pflegenden, der defektorientierte biomedizinische Ansatz und die negativen Folgen der Verdinglichung.
4 Bewertung der Hinweise für gelungene bzw. misslungene Kommunikation: Kritische Diskussion der Bewusstseinsfrage sowie Gegenüberstellung von Abwehrhaltung und Anerkennung des Traumas.
5 Diskussion: Zusammenführung der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage sowie Praxisempfehlungen und persönliche Reflexion des Autors.
Wachkoma, Kommunikation, Pflege, Interaktion, Subjektstatus, Verdinglichung, Resonanz, Reziprozität, Bindung, Körpersemantik, Befindlichkeitsappräsentation, Traumatologie, Bewusstsein, Affektsynchronie, Beziehungsmedizin.
Die Arbeit analysiert die Kommunikationsbedingungen zwischen professionell Pflegenden und Menschen, die mit der medizinischen Diagnose Wachkoma (Syndrom reaktionsloser Wachheit) leben.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen gelingender und misslingender Kommunikation, der Einfluss des biomedizinischen Defektbegriffs sowie die Bedeutung von Beziehung, Bindung und Empathie.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Pflegende eine dialogisch ausgerichtete Kommunikation etablieren können, um die soziale Teilhabe der Betroffenen zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen und systematischen Literaturübersicht sowie der Auswertung von Fachliteratur zur Neuropsychologie, Psychoanalyse und Behindertenpädagogik.
Es werden sowohl die Bedingungen für gelingende Interaktionen (z.B. Spiegelneurone, Körperdialog) als auch Faktoren, die Kommunikation behindern (z.B. Abwehrhaltung, Projektionen), detailliert untersucht.
Wachkoma, Kommunikation, Verdinglichung, Resonanz, Subjektstatus und beziehungsmedizinische Ansätze stehen im Zentrum der Argumentation.
Pflegende nutzen oft Routinen und Rituale, um die eigene Diskrepanz zwischen der fachlichen Diagnose (kein Bewusstsein) und dem menschlichen Bedürfnis nach Interaktion zu bewältigen („so tun als ob“).
Es bezeichnet einen unbewussten Abwehrmechanismus, bei dem Pflegende den Patienten „wegmachen“ oder ignorieren, um sich nicht mit dem schmerzlichen Leid oder der eigenen Hilfslosigkeit auseinandersetzen zu müssen.
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