Masterarbeit, 2016
52 Seiten, Note: 2,4
Vorwort: Das Theater als Medium im 18. Jahrhundert
1. Gattungstypologie und Analyse der Hauptcharaktere
1.1 Der Groß‐Cophta als Lustspiel
1.1.1 Figuren
1.1.1.1 Graf Rostro
1.1.1.2 Die Marquise und der Marquis
1.1.1.3 Die Nichte
1.1.1.4 Der Domherr
1.1.1.5 Der Ritter
1.2 Die Kokarden als bürgerliches Trauerspiel
1.2.1 Figuren
1.2.1.1 Geheime Rath Bangenau
1.2.1.2 Magister Hahn und Bierbrauer Freund
1.2.1.3 Jürge als Stellvertreter für den Bauernstand
1.2.1.4 Franz und Albertine
1.3 Ludwig Capet als Trauerspiel
1.3.1 Figuren
1.3.1.1 Ludwig Capet
1.3.1.2 Graf de la Tour
1.3.1.3 Merville
2. Verfremdung und Historizität des Stoffs im Hinblick auf die politische Situation
2.1 Der Groß – Cophta
2.2 Die Kokarden
2.3 Ludwig Capet
3. Rezeption der Werke und Intention ihrer Autoren
3.1 Johann Wolfgang von Goethe
3.2 August Wilhelm Iffland
3.3 Ernst Carl Ludwig Ysenburg von Buri
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Französischen Revolution in drei ausgewählten deutschen Dramen um 1800. Ziel ist es, die spezifische Revolutionskritik der Autoren sowie deren intendierte pädagogische und gesellschaftspolitische Botschaften im Kontext der damaligen Zensur und kulturellen Bedingungen zu analysieren.
1.1.1.1 Graf Rostro
Er ist kein gemeiner Schelm. Er ist so unternehmend und gewaltsam als klug, so unverschämt als vorsichtig; er spricht so vernünftig als unsinnig; die reinste Wahrheit und die größte Lüge gehen schwesterlich aus seinem Munde hervor. Wenn er aufschneidet, ist es unmöglich zu unterscheiden, ob er dich zum Besten hat, oder ob er toll ist. - - Und es braucht weit weniger als das, um die Menschen verwirrt zu machen.“
Der Graf alias Groß-Cophta ist eine sehr gewitzte Figur, welche sich als Führer eines Geheimbundes ausgibt und um keine Lüge verlegen ist, wenn es darum geht, dieses Bild aufrecht zu erhalten und die Leute hinters Licht zu führen. Die Figur wird nur von der Marquise von Anfang an durchschaut. Er entpuppt sich auch dem Zuschauer schon vor seinem ersten Auftritt als „unnachahmlicher Schelm! Der meisterhafteste Betrieger!“ Sein Erscheinen im zweiten Auftritt ist dementsprechend: noch bevor er auftritt, ist seine Beschwörung von Engeln und Geistern zu vernehmen.
Assaraton! Pantassaraton! Dienstbare Geister bleibt an der Thüre, laßt Niemand entwischen! leidet [sic!] nicht, daß Jemand über die Schwelle gehe, der nicht von mir bezeichnet ist. […] Uriel, du zu meiner Rechten, Ithruriel, du zu meiner Linken, tretet herein. Bestrafet die Verbrecher, denen ich dieß Mahl nicht vergeben werde.
Diese Situation ist exemplarisch für alle folgenden: Der Graf schüchtert die Anwesenden mithilfe von grotesken und esoterischen Mittel ein. Besonders die der Situation beiwohnenden Frauen, wohl kaum bürgerlicher Herkunft oder gebildet, zweifeln zu keinem Moment an den Aussagen des Grafs. Im Gegenteil: das überzogene Auftreten des Grafen verleitet ein Mädchen dazu, scheinbar „einen Schatten, ganz dicht an ihm“ wahrzunehmen. Selbst die Marquise muss mit sich ringen: „Er ist ein Phantast, ein Lügner, ein Betrieger; ich weiß es, ich bin’s überzeugt; und doch imponirt er mir!“
1. Gattungstypologie und Analyse der Hauptcharaktere: Dieses Kapitel klassifiziert die untersuchten Dramen gattungsspezifisch und analysiert die zentralen Figuren sowie deren soziale Rollen und moralische Ambivalenzen.
2. Verfremdung und Historizität des Stoffs im Hinblick auf die politische Situation: Das Kapitel beleuchtet, wie die Autoren historische Ereignisse und Personen für ihre Zwecke adaptierten, verfremdeten oder namentlich anpassten, um politische Botschaften zu transportieren.
3. Rezeption der Werke und Intention ihrer Autoren: Hier wird untersucht, wie die Stücke von Zeitgenossen aufgenommen wurden und welche pädagogischen Absichten die Autoren mit ihren Darstellungen der Revolution verfolgten.
Französische Revolution, deutsches Drama, Revolutionskritik, bürgerliches Trauerspiel, Johann Wolfgang von Goethe, August Wilhelm Iffland, Ernst Carl Ludwig Ysenburg von Buri, Aufklärung, Zensur, Monarchie, politische Bildung, Märtyrerdrama, gesellschaftliche Ordnung, Symbolik, Literaturgeschichte.
Die Arbeit analysiert die kritische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution in drei ausgewählten deutschen Dramen um 1800.
Im Fokus stehen die Rolle des Theaters als Medium der Meinungsbildung, das Verhältnis zwischen Adel und Bürgertum sowie die Instrumentalisierung von Geschichte für politische Zwecke.
Es soll aufgezeigt werden, mit welchen Mitteln und Intentionen Autoren wie Goethe, Iffland und Ysenburg von Buri antirevolutionäre Botschaften in ihren Stücken verankerten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Vergleich mit zeitgenössischen Rezeptionsdokumenten und historischem Kontextwissen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gattungsanalyse, eine Untersuchung zur Verfremdung des Stoffs und eine kritische Auseinandersetzung mit der Intention der Autoren.
Zu den Kernbegriffen gehören Revolutionskritik, bürgerliches Trauerspiel, politische Didaktik und die literarische Auseinandersetzung mit dem Umbruch um 1800.
Während weibliche Figuren in den anderen Werken oft auf eine untergeordnete Rolle begrenzt sind, durchschaut die Marquise im "Groß-Cophta" das Spiel des Grafen sofort und agiert als raffinierte Mitwisserin.
Das Feuer fungiert als Metapher für die Revolution, die das Ancien Régime stürzt, wobei das Niederbrennen des Hauses Bangenau die zerstörerischen Konsequenzen dieses Umbruchs verdeutlicht.
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