Magisterarbeit, 2004
86 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Motiv der sprechenden Hunde
2.1 Platons „Politeia“
2.2 Lukians „Totengespräche“
2.3 Das „Cymbalum Mundi“
2.4 Cervantes „El Colloquio de los Perros“
2.5 E.T.A. Hoffmann: „Nachricht von den neusten Schicksalen des Hundes Berganza“
3. Die „Forschungen eines Hundes“ als Fabel?
4. Kafka und E.T.A. Hoffmann
4.1 „Forschungen eines Hundes“ und die „Nachricht von den neusten Schicksalen des Hundes Berganza“
4.2 Zusammenfassung
4.3 Unterschiede
5. Der fehlende Mensch
5.1 Die These Winkelmans’
5.2 Die Musikerhunde
5.3 Die Lufthunde
5.4 Die Quelle der Nahrung
5.5 Der Jägerhund
5.6 Die Fragen des Forscherhundes
5.7 Zusammenfassung
6. Exkurs: Hunde in den Texten Kafkas
7. Interpretation
7.1 Isolation und Kommunikation
7.1.1 Zwischen Fragen und Schweigen
7.1.2 Isolation im Erzählen – zwischen Distanz und Nähe
7.1.2.1 Das Hungerexperiment
7.1.3 Fokalisierung – Erzählen aus dem Off
7.1.3.1 Autor – Leser
7.1.3.2 Figuren und Erzähler
7.2 Natur, Gesetz und Wissenschaft
7.2.1 Wider die Natur: Die Musikerhunde
7.2.2 Die Wissenschaft von der Nahrung
7.2.3 Zwischen Natur und Zwang: Der Jägerhund
7.3 Erkenntnis oder Resignation?
7.4 Schuld am Hundeleben
8. Schluss
Die Arbeit untersucht Franz Kafkas Erzählung „Forschungen eines Hundes“ motivgeschichtlich im Kontext der literarischen Tradition des sprechenden Hundes und analysiert dabei insbesondere das Spannungsfeld zwischen der Isolation des Protagonisten und seiner Suche nach Wahrheit in einer determinierten Welt.
Die These Winkelmans’
Die meisten Interpreten der Kafkaschen Erzählung haben der Abwesenheit des Menschen in den „Forschungen eines Hundes“ keine besondere Bedeutung beigemessen. Vor allem deshalb nicht, weil sie die Hundegeschichte vorrangig als Allegorie oder Parabel der menschlichen Gesellschaft verstanden haben. Doch Winkelman vertritt in seinem Aufsatz „Kafka’s Forschungen eines Hundes“ die These, dass der Mensch eben doch in Kafkas Erzählung vorhanden, allerdings für den Hund nicht sichtbar ist. Winkelmans Ansatz ist für die werkimmanente Untersuchung der „Forschungen eines Hundes“ sinnstiftend, „eine fruchtbare Hypothese“, wie Steinmetz meint. Denn damit sind die Phänomene (Musikerhunde, vom Himmel fallende Nahrung, Lufthunde, Jägerhund), die der Forscherhund wahrnimmt, ohne Allegorisierung erklärbar. Im Folgenden wird die These Winkelmans aufgegriffen und ausgearbeitet.
1. Einleitung: Vorstellung der Erzählung und Einordnung in Kafkas Werk sowie Begründung des interpretatorischen Ansatzes.
2. Das Motiv der sprechenden Hunde: Skizzierung der literarischen Tradition sprechender Hunde von der Antike bis hin zu E.T.A. Hoffmann.
3. Die „Forschungen eines Hundes“ als Fabel?: Analyse, warum die Erzählung trotz Tierfiguren nicht der Gattung der Tierfabel zuzuordnen ist.
4. Kafka und E.T.A. Hoffmann: Herausarbeitung der intertextuellen Bezüge und Parallelen zwischen den beiden Autoren.
5. Der fehlende Mensch: Untersuchung der These, dass der Mensch als unsichtbare, determinierende Instanz in der Welt des Hundes fungiert.
6. Exkurs: Hunde in den Texten Kafkas: Kurzer Überblick über die Hundethematik in anderen Werken Kafkas.
7. Interpretation: Vertiefende Analyse der Isolation, des Sprachproblems sowie der Zusammenhänge von Natur, Gesetz und Wissenschaft.
8. Schluss: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Fazit zur Weltsicht der Erzählung.
Franz Kafka, Forschungen eines Hundes, Motivgeschichte, sprechende Hunde, E.T.A. Hoffmann, Isolation, Kommunikation, Intertextualität, Tierfabel, Mensch-Hund-Beziehung, Wissenschaftskritik, Erkenntnis, Existenzialismus.
Die Arbeit befasst sich mit der motivgeschichtlichen Untersuchung von Franz Kafkas „Forschungen eines Hundes“ unter besonderer Berücksichtigung der Intertextualität zu E.T.A. Hoffmanns Berganza-Erzählungen.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Motiv des sprechenden Hundes, der Rolle des Menschen als unsichtbarer Bestimmer der hündischen Existenz sowie dem Sprach- und Kommunikationsproblem des Protagonisten.
Ziel ist es, einen neuen Zugang zur Erzählung zu schaffen, indem der Mensch als "fehlende", aber determinierende Machtinstanz in der Welt des Forscherhundes freigelegt wird.
Die Autor arbeitet primär werkimmanent und nutzt motivgeschichtliche sowie intertextuelle Textanalysen, um die Weltsicht der Erzählung zu erschließen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung in die literarische Tradition, die Abgrenzung von der Fabel, den detaillierten Vergleich mit E.T.A. Hoffmann sowie die detaillierte Interpretation des "fehlenden Menschen" und der Kommunikationskrise.
Wesentliche Begriffe sind "Determiniertheit", "Isolation", "Ambiguität", "Intertextualität" und "Sprachproblematik".
Die Musikerhunde werden als dressierte Tiere interpretiert, deren Aufrechtgehen und Musikmachen das Forscherhund-Subjekt entsetzen, weil sie gegen das hündische Naturgesetz verstoßen.
Der Forscherhund relativiert seine Erkenntnisse, da er sich in einem Dilemma zwischen Wahrheitssuche und der Angst vor der totalen Hoffnungslosigkeit befindet, die eine Akzeptanz der Wahrheit nach sich ziehen würde.
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