Magisterarbeit, 2004
76 Seiten, Note: 1,8
1. Zur Figur des Poeten - Einleitung und Problemstellung
1.1. Dichterische Typenlehren - begriffsgeschichtliche Erläuterungen
1.2. Zur Interdependenz von gesellschaftlicher Stellung, poetischer Produktion und Dichterideal – ein kurzgefasster historischer Abriss
1.3. Dichterideale im 18. und am Anfang des 20. Jahrhunderts und ihr Verhältnis zu den typologischen Konstrukten
2. Poetenfigur in Goethes „Tasso“ und Brechts „Baal“ – Selbstverständnis, soziales Umfeld und Natur als Aspekte der Gegenüberstellung
2.1. Das Selbstverständnis der Tasso-Figur
2.2. Das Selbstverständnis der Baal-Figur
2.3. Tassos soziales Umfeld
2.4. Baals soziales Umfeld
2.5. Tasso und die Natur
2.6. Baal und die Natur
3. Vergleichende Beobachtungen zum Genrestil
4. Resultate der Analyse: Goethes „Tasso“ und Brechts „Baal“ – ein Vergleich ohne Gemeinsamkeiten?
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Poeten in Johann Wolfgang Goethes „Torquato Tasso“ und Bertolt Brechts „Baal“. Das Ziel der Studie ist es, anhand einer vergleichenden Figurenanalyse die epochentypischen Merkmale, Probleme und Konflikte der beiden Protagonisten unter Berücksichtigung von Selbstverständnis, Sozialität und Naturbeziehung herauszuarbeiten und die dramaturgische Formgebung beider Werke zu beleuchten.
2.1. Das Selbstverständnis der Tasso-Figur
Es werden im Folgenden die wesentlichen Figurenmerkmale, die mit dem Selbstverständnis und der Weltsicht der Poetenfigur Tasso zusammenhängen, dargestellt und unter Verwendung der typologischen Kategorien sowie historischer und soziologischer Forschungsbefunde interpretiert.
Das Schauspiel „Torquato Tasso“ wurde von Goethe im Revolutionsjahr 1789 fertiggestellt. Erst am 16. Februar 1807 ließ er das Stück anlässlich der Wiedereröffnung des Weimarer Theaters zur ersten Aufführung bringen. 20 Jahre später, am 6. Mai 1827, soll er im Gespräch mit Eckermann über die Idee zum Tasso bemerkt haben:
„Idee? – daß ich nicht wüßte! – Ich hatte das Leben Tassos, ich hatte mein eigenes Leben, und indem ich zwei so wunderliche Figuren mit ihren Eigenheiten zusammenwarf, entstand in mir das Bild des Tasso, dem ich, als prosaischen Kontrast, den Antonio entgegenstellte, wozu es mir auch nicht an Vorbildern fehlte. Die weiteren Hof-, Lebens- und Liebesverhältnisse waren übrigens in Weimar wie in Ferrera, und ich kann mit Recht von meiner Darstellung behaupten: sie ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“
1. Zur Figur des Poeten - Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die historische Problematik des Künstlerdaseins ein und begründet den Fokus auf Goethes „Tasso“ und Brechts „Baal“ als zentrale Fallbeispiele für Dichterfiguren im literarischen Kanon.
1.1. Dichterische Typenlehren - begriffsgeschichtliche Erläuterungen: Es werden antike und neuzeitliche Konzepte wie „poeta doctus“ und „poeta vates“ diskutiert, um methodische Grundlagen für die Figurenanalyse zu schaffen.
1.2. Zur Interdependenz von gesellschaftlicher Stellung, poetischer Produktion und Dichterideal – ein kurzgefasster historischer Abriss: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der soziologischen Position eines Dichters und seiner künstlerischen Produktion vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
1.3. Dichterideale im 18. und am Anfang des 20. Jahrhunderts und ihr Verhältnis zu den typologischen Konstrukten: Hier wird der Wandel des Künstlerbildes vom Hofdichter zum freien Schriftsteller im 18. Jahrhundert sowie dessen Fortwirken im 20. Jahrhundert analysiert.
2. Poetenfigur in Goethes „Tasso“ und Brechts „Baal“ – Selbstverständnis, soziales Umfeld und Natur als Aspekte der Gegenüberstellung: Dieses Kapitel bildet den Kern der Arbeit und untersucht die Protagonisten detailliert nach ihren Selbstbildern, sozialen Einbindungen und ihrem Bezug zur Natur.
2.1. Das Selbstverständnis der Tasso-Figur: Analyse von Tassos elitärem Selbstverständnis und seinem verzweifelten Streben nach Ganzheitlichkeit innerhalb der höfischen Welt.
2.2. Das Selbstverständnis der Baal-Figur: Untersuchung der asozialen Lebenskunst Baals und seiner nihilistischen, hedonistischen Weltanschauung.
2.3. Tassos soziales Umfeld: Darstellung von Tassos Isolation am Hof und des Konflikts mit dem pragmatischen Staatsmann Antonio.
2.4. Baals soziales Umfeld: Analyse der problematischen Beziehungen Baals zu Mitmenschen und der Verweigerung bürgerlicher Tugendwerte.
2.5. Tasso und die Natur: Untersuchung der idealisierten und rein metaphorischen Naturwahrnehmung des Hofdichters.
2.6. Baal und die Natur: Analyse von Baals radikaler und „unsublimierter“ Verbundenheit mit der Natur als Ausdruck seiner Lebensphilosophie.
3. Vergleichende Beobachtungen zum Genrestil: Untersuchung der dramaturgischen Strukturen (geschlossenes vs. offenes Drama) und deren Korrespondenz zu den jeweiligen Dichterfiguren.
4. Resultate der Analyse: Goethes „Tasso“ und Brechts „Baal“ – ein Vergleich ohne Gemeinsamkeiten?: Fazit der vergleichenden Analyse, das trotz struktureller Gegensätze soziologische Parallelen in der Außenseiterrolle beider Dichter aufzeigt.
Goethe, Brecht, Torquato Tasso, Baal, Dichterfigur, Genieästhetik, Künstlerdrama, Poeta laureatus, Poète maudit, Expressionismus, Weimarer Klassik, Typologie, Literaturgeschichte, Asozialität, Gesellschaftskritik
Die Arbeit untersucht die Darstellung der Poetenfigur in zwei bedeutenden deutschen Theaterstücken, Goethes „Torquato Tasso“ und Brechts „Baal“, und setzt diese literarhistorisch sowie dramaturgisch in Bezug zueinander.
Die zentralen Felder sind die Selbstwahrnehmung der Künstler, ihre Stellung zur bürgerlichen oder höfischen Gesellschaft, ihr jeweiliges Naturverhältnis sowie die dramatische Struktur der Werke.
Ziel ist es, zu zeigen, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen das Selbstbild von Dichtern formen und wie sich dies in den unterschiedlichen dramatischen Gattungen (geschlossenes vs. offenes Drama) niederschlägt.
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die typologische, sozialgeschichtliche und dramaturgische Interpretationsansätze miteinander verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Charaktere (Selbstverständnis, Soziales, Natur) sowie eine stilistische Analyse der Dramenform, um die Unterschiede zwischen Tasso und Baal herauszuarbeiten.
Zu den Kernbegriffen gehören Dichterfigur, Genieästhetik, geschlossenes und offenes Drama, gesellschaftlicher Außenseiter, Boheme und die Gegenüberstellung von Tasso und Baal.
Während für Tasso die Natur eine idealisierte Projektionsfläche seiner inneren Gefühle und ein Rückzugsort aus der höfischen Realität ist, zeigt Baal eine unmittelbare, pantheistische und oft raue Naturverbundenheit, die untrennbar mit seiner hedonistischen Lebensweise verknüpft ist.
Der Autor konstatiert, dass Tasso an den strengen Normen einer höfischen Spezialistengesellschaft scheitert, während Baals Scheitern eher aus der Konsequenz seiner eigenen radikalen, asozialen Ideologie resultiert.
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