Magisterarbeit, 1997
125 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Die Notwendigkeit des kommunikationstheoretischen Paradigmenwechsels
2.1. Das Problem der selbstreflexiven Kritik
2.2. Zur Kritik der Kritischen Theorie
3. Das Konzept der kommunikativen Vernunft
3.1. Universalpragmatismus und kommunikatives Handeln
3.2. Die Entwicklung kommunikativer Kompetenz
3.3. Diskursethik als praktische Vernunft
4. Eine Gesellschaftstheorie zwischen Aufklärung und Optimismus
4.1. Das soziologische Lebensweltkonzept
4.2. Die soziale Evolution als Entkoppelung von System und Lebenswelt
4.3. Kolonialisierung der Lebenswelt und Fragmentierung des Bewusstseins als Ausdruck moderner Sozialpathologien
4.4. Die Kolonialisierungsthese vor dem Hintergrund kommunikativer Vernunft
5. Kolonialisierung und Habitus
5.1. Methodische Vorüberlegungen
5.1.1. Der Habitusbegriff
5.1.2. Der Klassenbegriff
5.1.3. Klassenhabitus und Distinktion
5.2. Der Unterklassenhabitus oder Geschmack aus Notwendigkeit
5.3. Die kolonialisierte Lebenswelt und der Habitus
6. Die Diskurstheorie des Rechts
6.1. Der Stellenwert des Rechtsbegriffes
6.2. Das System der Rechte
6.3. Der deliberative Politikansatz
6.4. Das Problem einer autonomen Öffentlichkeit
7. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Vernunftbegriff und Gesellschaftstheorie im Werk von Jürgen Habermas. Das primäre Ziel ist es, die Plausibilität eines kommunikativen Vernunftbegriffs zu bewerten, der die moralischen und soziologischen Herausforderungen der Moderne ohne Rückfall in einen Vernunftobjektivismus oder in pessimistische Aporien zu bewältigen sucht. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern Habermas' Theorie durch eine sozio-ökonomische Fundierung ergänzt werden muss, um soziale Disparitäten adäquat zu erfassen.
Die Notwendigkeit des kommunikationstheoretischen Paradigmenwechsels
Jürgen Habermas charakterisiert seine „Theorie des kommunikativen Handelns“ selbst als „Anfang einer kritischen Gesellschaftstheorie, die sich bemüht, ihre kritischen Maßstäbe auszuweisen.“ Er bezichtigt die Gründungsväter Kritischer Theorie, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, „an dieser Schwierigkeit, über ihre eigenen normativen Grundlagen Rechenschaft zu geben“, seit Anbeginn laboriert zu haben. Mit Hilfe des kommunikationstheoretischen Paradigmenwechsels soll nun die Rückkehr zu dem Unternehmen möglich werden, „das seinerzeit mit der Kritik der instrumentellen Vernunft abgebrochen worden ist.“
Diese, von Habermas selbst suggerierte Interpretation seiner Theorie ist inzwischen des öfteren thematisiert worden. Wenn ich hier nochmals die Kritik Habermas’ an der Kritischen Theorie vorstelle, so dient dies dem Zweck, die Einführung des kommunikativen Vernunftbegriffes vorzubereiten und dessen theoriegeschichtliche Position zu veranschaulichen. Die Aporien, in die Adorno sich verstrickt, sollen als Matrix für den systematischen Gehalt des universalpragmatischen Ansatzes fungieren. Dies wird möglich, da Habermas darauf beharrt, „daß das Programm der frühen Kritischen Theorie nicht an diesem oder jenem Zufall, sondern an der Erschöpfung des Paradigmas der Bewusstseinsphilosophie gescheitert ist.“ Die Frage, inwieweit es Habermas gelungen ist, die Kritische Theorie mit anderen Mitteln zu erneuern, und damit als deren legitimer Nachfolger zu gelten, möchte ich jedoch offen lassen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Niedergang des Vernunftglaubens in der modernen Geistesgeschichte und etabliert Jürgen Habermas’ kommunikativen Vernunftbegriff als einen Versuch, das aufklärerische Erbe unter geänderten soziologischen Bedingungen zu retten.
2. Die Notwendigkeit des kommunikationstheoretischen Paradigmenwechsels: Dieses Kapitel arbeitet Habermas’ Abkehr von der Bewusstseinsphilosophie zugunsten eines kommunikationstheoretischen Ansatzes heraus, um die Aporien der frühen Kritischen Theorie zu überwinden.
3. Das Konzept der kommunikativen Vernunft: Hier wird der Kern von Habermas’ Theorie – der Universalpragmatismus und die Diskursethik – als Grundlage für eine intersubjektive Verständigungspraxis dargelegt.
4. Eine Gesellschaftstheorie zwischen Aufklärung und Optimismus: Dieses Kapitel analysiert die Kolonialisierungsthese, die die Entkoppelung von Lebenswelt und System beschreibt und moderne Sozialpathologien zu erklären versucht.
5. Kolonialisierung und Habitus: Die Integration von Pierre Bourdieus Habitustheorie dient dazu, die sozio-ökonomische Komponente und die vertikale Schichtung in die Habermasche Theorie einzuführen.
6. Die Diskurstheorie des Rechts: Den Abschluss bildet die Untersuchung der Diskurstheorie des Rechts, welche das Ziel verfolgt, vernünftige moralische Prinzipien in die realen Strukturen positiver Rechtsordnungen zu vermitteln.
Jürgen Habermas, Kritische Theorie, Kommunikationstheorie, Diskursethik, Lebenswelt, Kolonialisierung, Systemintegration, Pierre Bourdieu, Habitus, rationales Handeln, Rechtsphilosophie, Moderne, Sozialpathologien, intersubjektive Verständigung, soziale Evolution.
Die Arbeit analysiert kritisch das theoretische Werk von Jürgen Habermas mit Fokus auf seinen Begriff der kommunikativen Vernunft und dessen Anwendung in der Gesellschaftstheorie.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kritischen Theorie, der Begründung von Moral und Recht durch Diskurs sowie der soziologischen Analyse moderner Gesellschaftsstrukturen.
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob Habermas’ Vernunftbegriff eine plausible Grundlage für eine normative Gesellschaftskritik bietet, ohne in einen naiven Optimismus zu verfallen.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Habermas' Ansätze systematisch rekonstruiert und durch eine Integration soziologischer Konzepte (insbesondere von Bourdieu) ergänzt und kritisiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Paradigmenwechsel zu kommunikativer Rationalität, dem Konzept der Lebenswelt, der Kolonialisierungsthese sowie der Diskurstheorie des Rechts.
Zentrale Begriffe sind Kommunikatives Handeln, Lebenswelt, Kolonialisierung, Diskursethik, Habitus und soziale Integration.
Die Arbeit nutzt Bourdieus Konzepte, um das bei Habermas als zu formalistisch empfundene Verständnis von Subjektivität und sozialer Schichtung zu konkretisieren und um sozio-ökonomische Barrieren der Verständigung besser abzubilden.
Der Autor argumentiert, dass Habermas’ Rechtstheorie dieselben hohen normativen Ansprüche an die Bürger stellt wie seine Diskursethik, womit die soziologischen Hürden eines realen, chancengleichen Diskurses unterversorgt bleiben.
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