Diplomarbeit, 2009
93 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Einführung in das Thema der Zwangsverheiratung
2.1 Datenlage zur Zwangsverheiratung
2.2 Zwangsverheiratung: ein Verstoß gegen Menschenrechte
2.3 Abgrenzung von Zwangsverheiratungen und arrangierten Ehen
2.4 Folgen von Zwangsverheiratung
3. Die Motivation der Eltern
3.1 Die Bedeutung der Partnerwahl
3.2 Zwangsverheiratung als Disziplinierung oder zum Schutz
3.3 Verwandtschaftliche und gesellschaftspolitische Hintergründe
3.4 Zwangsverheiratung als Einwanderungsmöglichkeit für Familienmitglieder
3.5 Zwischenergebnis
4. Auslösende Faktoren für eine Zwangsverheiratung
4.1 Der Einfluss der ökonomischen Situation in der Familie
4.2 Gestörte Eltern-Kind-Beziehung
4.3 Zwischenergebnis
5. Die Bedeutung des Ehrbegriffs in der türkischen Gesellschaft
5.1 Der Wert Ehre (namus)
5.1.1 Die Ehre des Mannes
5.1.2 Die Ehre der Frau
5.2 Der Wert Achtung (saygi)
5.3 Der Wert Ansehen, Würde (seref)
5.4 Die Bedeutung der Familie und Ehe
5.5 Die islamische Eheschließung
5.6 Zwischenergebnis
6. Lebenssituation türkischer Mädchen
6.1 Die Sozialisation der in Deutschland lebenden türkischen Mädchen
6.2 Fehlende Jugendphase
6.3 Zerissenheitsgefühl der Mädchen
6.4 Die Chance auf eine positive Persönlichkeitsentwicklung
6.5 Die Bedeutung und die Erziehung der Kinder
6.6 Zwischenergebnis
7. Die rechtliche Situation zum Opferschutz
7.1 Zwangsverheiratung im Zivilrecht
7.2 Zwangsverheiratung im Strafrecht
7.3 Problematik und Reformbedarf im Zivil- und Strafrecht
7.3.1 Zwangsheirat-Bekämpfungsgesetz
7.3.2 Beweislast
7.3.3 Antragsberechtigung
7.3.4 Antragsfrist
7.3.5 Unterhaltsrecht
7.4 Aufenthaltsrechtlicher Aspekt der Zwangsheirat und die Problematik
7.4.1 Aufenthaltsrecht bei einer Heiratsverschleppung
7.4.2 Aufenthaltssituation der Importbräute
7.4.3 Aufenthaltssituation bei einer Zwangsverheiratung zum Zwecke eines „Einwanderungstickets“
7.5 Schutzmaßnahmen der Jugendhilfe bei einer Zwangsverheiratung
7.5.1 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
7.5.2 Hilfe zur Erziehung
7.5.3 Inobhutnahme
7.6 Notwendige Änderungen in der Jugendhilfe
7.7 Zwischenergebnis
8. Präventionsmaßnahmen und Interventionsarbeit
8.1 Fortbildungsmaßnahmen
8.2 Die Notwendigkeit der interinstitutionellen Kooperation
8.3 Der Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten
8.4 Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit
8.5 Aufklärung und Thematisierung in und durch muslimische Organisationen
8.6 Pädagogische Aufklärungsarbeit an Schulen und in Jugendeinrichtungen
8.6.1 Die Bedeutung der pädagogischen Aufklärungsarbeit
8.6.2 Die Sensibilisierung der Pädagogen
8.7 Deutsch- und Integrationskurse
8.8 Zwischenergebnis
9. Sozialpädagogische Unterstützung bei geplanter und erfolgter Zwangsverheiratung
9.1 Projektvorstellung Papatya
9.2 Einblick in die Problemlage der Mädchen
9.3 Voraussetzung: Interkulturelle Sensibilität
9.4 Interventionsmöglichkeiten und Betreuungsverlauf
9.5 Die Suche nach einer innerfamiliären Lösung
9.6 Ambivalenz der Mädchen
9.7 Wo bleiben die Mädchen?
9.8 Das Leben in der Anonymität
9.9 Zwischenergebnis
10. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Zwangsverheiratung türkischstämmiger Mädchen und junger Frauen in Deutschland, analysiert die familiären und gesellschaftlichen Ursachen hinter dem Konzept der Ehre und beleuchtet die sozialpädagogischen sowie rechtlichen Handlungsmöglichkeiten im Opferschutz.
2.3 Abgrenzung von Zwangsverheiratungen und arrangierten Ehen
Von einer Zwangsverheiratung ist die Rede, wenn die betroffene Person sich „zur Ehe gezwungen fühlt und entweder mit ihrer Weigerung kein Gehör findet oder es nicht wagt, sich zu widersetzen...“ (Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung, S. 5 und Straßburger, G. 2008, S. 72) und körperliche und psychische Gewalt angewendet werden, um die Person gegen ihren Willen zur Ehe zu zwingen (vgl. Straßburger, S. 72). Mit dieser Definition lässt sich eine Zwangsverheiratung klar erkennen.
Bei einer arrangierten Ehe wird durch die Familie ein geeigneter Ehepartner ausgewählt. Die Tochter oder der Sohn hat die Möglichkeit zur Zustimmung oder Ablehnung des Heiratskandidaten. Zu einer arrangierten Ehe gehört die freiwillige Zustimmung beider Heiratswilligen. Demnach werden beide Heiratskandidaten als eigenständige Personen anerkannt, die die Partnerwahl beeinflussen können, indem ihnen ein Recht auf Ablehnung zuerkannt wird.
Straßburger bezeichnet eine arrangierte Ehe als eine bestimmte Form der Partnerwahl, die nichts mit Unterdrückung oder mit häuslicher Gewalt zu tun hat und die wie die selbstorganisierte Ehe auf einer freien Entscheidung beruht. Bei einer arrangierten Ehe kommt der Entschluss zum Heiraten erst, nachdem der Heiratskandidat gemeinsam mit den Eltern die Kriterien zu einer glücklichen und soliden Ehe gut durchdacht und geprüft hat (vgl. ebd., S. 73ff.).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das sensible Thema ein und begründet die Fokussierung auf türkischstämmige Mädchen in Deutschland durch die persönliche Konfrontation der Autorin im Rahmen ihres Praktikums.
2. Einführung in das Thema der Zwangsverheiratung: Das Kapitel definiert den Begriff, ordnet ihn in einen menschenrechtlichen Kontext ein und grenzt Zwangsehen klar von arrangierten Ehen ab.
3. Die Motivation der Eltern: Hier werden die Beweggründe der Eltern beleuchtet, insbesondere die Bedeutung der Partnerwahl sowie gesellschaftspolitische und verwandtschaftliche Hintergründe.
4. Auslösende Faktoren für eine Zwangsverheiratung: Der Fokus liegt auf externen Einflussfaktoren wie der ökonomischen Situation der Familie und emotionalen Kälte in Eltern-Kind-Beziehungen.
5. Die Bedeutung des Ehrbegriffs in der türkischen Gesellschaft: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Konzepte namus (Ehre), saygi (Achtung) und seref (Würde) und deren Auswirkungen auf das Rollenbild von Mann und Frau.
6. Lebenssituation türkischer Mädchen: Es wird das Spannungsfeld zwischen der Sozialisation in Deutschland und den Erwartungen des Herkunftskulturkreises sowie das daraus resultierende Zerrissenheitsgefühl beschrieben.
7. Die rechtliche Situation zum Opferschutz: Ein ausführlicher Überblick über Zivil- und Strafrecht sowie die Problematik des Aufenthaltsrechts für betroffene Mädchen und junge Frauen.
8. Präventionsmaßnahmen und Interventionsarbeit: Dieses Kapitel diskutiert Strategien wie Fortbildungen, interinstitutionelle Kooperation und pädagogische Aufklärungsarbeit als präventive Mittel.
9. Sozialpädagogische Unterstützung bei geplanter und erfolgter Zwangsverheiratung: Anhand der Kriseneinrichtung Papatya wird aufgezeigt, wie sozialpädagogische Hilfe in der Praxis gestaltet werden kann.
10. Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert ihre Hypothesen, bestätigt die Relevanz des Ehrbegriffs und unterstreicht den dringenden gesetzlichen Handlungsbedarf.
Zwangsverheiratung, Zwangsheirat, Ehre, Namus, Sozialisation, Opferschutz, Migrantinnen, Papatya, Interventionsarbeit, Menschenrechte, Familienrecht, Aufenthaltsrecht, Jugendhilfe, arrangierte Ehe, Prävention.
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von Zwangsverheiratungen bei türkischstämmigen Mädchen und jungen Frauen in Deutschland, wobei besonderer Wert auf die soziokulturellen Ursachen und notwendige Unterstützungsangebote gelegt wird.
Zentrale Schwerpunkte sind das traditionelle Verständnis von Ehre (namus), die Lebensrealität betroffener Mädchen zwischen zwei Kulturen sowie die rechtliche und sozialpädagogische Situation im Kontext des Opferschutzes.
Das primäre Ziel ist es, die strukturellen und familiären Ursachen für Zwangsverheiratungen zu analysieren und aufzuzeigen, wie staatliche, rechtliche und sozialpädagogische Akteure besser zum Schutz der betroffenen Mädchen beitragen können.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und greift auf empirische Studien sowie praktische Erfahrungen aus der Krisenarbeit (beispielsweise der Einrichtung Papatya) zurück.
Im Hauptteil werden Ehrbegriffe, die Motivation der Eltern, die Sozialisation türkischer Mädchen, die rechtliche Lage bezüglich Aufenthalts- und Familienrecht sowie Interventionsmöglichkeiten intensiv diskutiert.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Zwangsverheiratung, Ehrverständnis, Sozialisation, Opferschutz, interkulturelle Arbeit und rechtliche Rahmenbedingungen charakterisieren.
Das Konzept der Ehre fungiert als zentraler sozialer Regulierungsmechanismus, der Mädchen oft dazu zwingt, sich den familiären Normen unterzuordnen, um das Ansehen der Familie zu wahren, was oft den Ausschluss eigener Lebensentwürfe bedeutet.
Papatya fungiert als anonyme stationäre Schutzeinrichtung, die Mädchen einen sicheren Raum bietet, um über eigene Bedürfnisse und Zukunftsperspektiven fernab von familiärem Druck zu entscheiden.
Viele betroffene Frauen befinden sich in einer rechtlichen Abhängigkeit; bei einer Flucht oder einem Aufenthalt im Ausland von mehr als sechs Monaten droht ihnen der Verlust des Aufenthaltsrechts in Deutschland, was sie in einer Zwangslage gefangen hält.
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