Examensarbeit, 2016
65 Seiten
Einleitung
1. Klemens Maria Hofbauer und Kaiser Joseph II. im Kontext des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts
1.1. Das Ende der spanischen Habsburgerlinie und der Spanische Erbfolgekrieg
1.2. Die Pragmatische Sanktion
1.3. Gründung der Kongregation des Heiligsten Erlösers (Redemptoristen)
1.4. Die Französische Revolution (1789-1799) und ihre Folgen
1.5. Die Gründung des Erbkaiserreiches Österreich und der Untergang des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation
1.6. Der Wiener Kongress
2. Klemens Maria Hofbauer
2.1. Vom Bäckerlehrling zum Ordensmann
2.2. St. Benno in Warschau – Die erste Station Klemens Maria Hofbauers als Redemptorist
2.3. Gründungsversuche von Klemens Hofbauer in Süddeutschland
2.4. Das Ende von St. Benno in Warschau
3. Kaiser Joseph II.
3.1. Ein Lebensbild des „Reformer auf dem Kaiserthron“
3.2. Der Josephinismus
3.2.1. Grundlagen (Geistesströmungen) des Josephinismus
3.2.2. Die josephinische Reform
3.2.3. Die Gottesdienstreform unter Kaiser Joseph II.
3.2.4. Der Klerus in der Zeit des Josephinismus
4. Klemens Maria Hofbauer und die Kaiserstadt Wien
4.1. Hofbauers Mission in Wien
4.2. Der Tod und das Erbe Klemens Maria Hofbauers
Zusammenfassung und Schlusswort
Die Arbeit untersucht das Wirken des heiligen Klemens Maria Hofbauer im Kontext der staatlich gelenkten Kirchenreformen unter Kaiser Joseph II. (Josephinismus), um aufzuzeigen, wie Hofbauer trotz widriger Umstände versuchte, das durch diese Reformen geschwächte kirchliche Leben in Österreich zu erneuern.
2.2. St. Benno in Warschau – Die erste Station Klemens Maria Hofbauers als Redemptorist
In Warschau erhielten die drei Redemptoristen Hofbauer, Hübl und Kunzmann vom Nuntius für Polen den Bescheid, dass in Weißrussland bereits genügend Priester vorhanden seien. Er wollte sie daher nach Stralsund im schwedischen Pommern senden. Doch kam es anders als erwartet. In Warschau gab es eine Bruderschaft vom heiligen Benno, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, sich der armen ausländischen Reisenden anzunehmen sowie Kinder und Kranke zu pflegen und zu versorgen. Die Leitung der Bruderschaft lag in deutschen Händen und als man hörte, dass drei deutschsprachige Ordensleute in Warschau seien, wollte man ihnen diese Aufgabe übertragen. Der Nuntius willigte nur ungern ein, auch der König von Polen, Stanislaus II. August Poniatowski (Staatsoberhaupt 1764 – 1795), gab seine vorläufige Erlaubnis zu diesem Vorhaben. Erst danach wurde der Generalobere Pater de Paola angefragt, der ebenfalls seine Einwilligung gab, allerdings nur auf ein Jahr. Es wurden aber 20 Jahre daraus.
Jeder Anfang ist schwer – dies mussten auch Klemens und seine beiden Mitbrüder erfahren. Die Deutschen, die in Warschau lebten, hatten kein Interesse an ihrer Seelsorge. Die Polen wollten im Grunde keine Deutschen, denn diese hatten den Geruch von Preußen und Luther an sich. Selbst der dort residierende Bischof verbot den drei Redemptoristen, in St. Benno ein Kloster zu gründen. Doch Klemens ließ sich nicht entmutigen und gründete statt eines Klosters eine Schule und ein Waisenhaus für Knaben und Mädchen. Das für den Bau benötigte Geld besorgte er sich von seinen Freunden in Wien. Die Stimmung im polnischen Volk den deutschen Priestern gegenüber besserte sich zusehends, da die Menschen merkten, dass die Deutschen nur das Wohl ihrer Kinder im Sinn hatten, und so wuchs die Gemeinde in St. Benno heran. Die Seelsorge nahm laufend zu und es kamen immer mehr Leute, nicht nur Deutsche, sondern auch Polen, zu den Gottesdiensten und zur Beichte.
1. Klemens Maria Hofbauer und Kaiser Joseph II. im Kontext des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel liefert den historischen Rahmen, von der spanischen Habsburgerlinie über die Französische Revolution bis hin zum Wiener Kongress.
2. Klemens Maria Hofbauer: Die biographische Darstellung folgt Hofbauers Weg vom Bäckerlehrling zum Priester und seine erste prägende Wirkungsstätte in Warschau.
3. Kaiser Joseph II.: Das Kapitel analysiert das Leben und die Reformen des Kaisers, insbesondere den Josephinismus als staatliche Einmischung in kirchliche Belange.
4. Klemens Maria Hofbauer und die Kaiserstadt Wien: Der Fokus liegt auf Hofbauers missionarischem Wirken in Wien, seinem Widerstand gegen josephinische Restriktionen und seinem geistigen Erbe.
Klemens Maria Hofbauer, Kaiser Joseph II., Josephinismus, Redemptoristen, Kirchengeschichte, Österreich, Wien, St. Benno, Reformkatholizismus, Aufklärung, Seelsorge, Hofbauerkreis, Kongregation des Heiligsten Erlösers, Wiener Romantik, Priesterseminar.
Die Arbeit beleuchtet das Leben und Wirken des Heiligen Klemens Maria Hofbauer in einem spannungsgeladenen historischen Umfeld, geprägt durch die kirchenfeindlichen oder staatskirchlichen Reformen unter Kaiser Joseph II.
Zentrale Themen sind die Biographie von Hofbauer, die staatlichen Reformmaßnahmen des Josephinismus sowie die Bedeutung der Redemptoristen für die kirchliche Erneuerung in Österreich.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hofbauer als Gegenspieler zur kargen, staatlich gelenkten Reformpolitik Josephs II. versuchte, das religiöse Leben durch eine lebendige, volksnahe Seelsorge zu reaktivieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten historisch-biographischen Analyse unter Einbeziehung von Primärquellen (Briefe, Berichte) und einschlägiger kirchengeschichtlicher Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der biographischen Entwicklung von Hofbauer, die Analyse des Josephinismus als historisches Phänomen und die detaillierte Beschreibung von Hofbauers Wirken in der Kaiserstadt Wien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Klemens Maria Hofbauer, Josephinismus, Redemptoristen, Kirchenreform, Wien, Aufklärung und Seelsorge.
Viele der Professoren während Hofbauers Studienzeit waren vom Geist der Aufklärung und teilweise vom Jansenismus geprägt, was zu einer distanzierten Haltung gegenüber der kirchlichen Tradition und dem Papsttum führte, worauf Hofbauer mit starker Ablehnung reagierte.
Dieser Kreis, dem bekannte Persönlichkeiten wie Friedrich von Schlegel und Adam Müller angehörten, fungierte als intellektuelles Zentrum, das Hofbauers Anliegen der religiösen Erneuerung in Wien verbreitete und den katholischen Glauben in der Romantik stärkte.
Hofbauer agierte oft geschickt unter Umgehung staatlicher Beschränkungen, suchte direkten Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten und verstand es, trotz polizeilicher Beobachtung durch seine Art des Predigens und seine Zuwendung zum Volk die Menschen zu erreichen.
Während Kaiser Joseph II. die Kirche als Teil des Staatsapparates reformieren wollte und eine karge, rationale Form der Gottesverehrung anstrebte, ging es Hofbauer um die Wiederbelebung einer lebendigen, eucharistisch zentrierten Volksfrömmigkeit, die nicht allein vom Staat kontrolliert werden sollte.
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