Masterarbeit, 2016
86 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zu den Begriffen Utopie und Dystopie
2.1 Utopie – Zur Begriffsbestimmung
2.2 Dystopie – Zur Begriffsbestimmung
3. Die klassischen ‚schwarzen‘ Dystopien
3.1 Jewgenij Samjatins Wir (1920)
3.2 Aldous Huxleys Schöne neue Welt (1932)
3.3 George Orwells 1984 (1949)
4. Juli Zehs Corpus Delicti - Ein Prozess (2009): Dystopie einer Gesundheitsdiktatur
4.1 Das Leben in der Gesundheitsdiktatur
4.1.1 Allgegenwart der Gesundheitskontrolle
4.1.2 Machtausübung im totalitären Staat
4.1.3 Widerstand gegen die „Methode“
4.2 Der Roman als Dystopie
4.3 Das Menschenbild in Corpus Delicti
4.4 Agambens Homo sacer als philosophischer Hintergrund
4.5 Anknüpfungspunkte an die Gegenwart
5. Marc Elsbergs Zero. Sie wissen, was du tust (2014): Dystopie einer Überwachungsgesellschaft
5.1 Der gläserne Bürger und seine Lenkung durch Telekommunikationssysteme
5.1.1 Die allgegenwärtige Überwachung
5.1.2 Selbstoptimierung als Geschäftsmodell
5.2 Ein neuer ‚Großer Bruder‘
5.3 Widerstand gegen die ‚Datenkraken‘
5.4 Die Gegenwärtigkeit der Zukunft
5.5 Das Menschenbild in Zero. Sie wissen, was du tust
5.6 Gumbrechts „breite Gegenwart“ als möglicher Bezugsrahmen
6. Michel Houellebecqs Unterwerfung (2015): Dystopie einer kulturellen Anpassung
6.1 Das Verhältnis von Gegenwart und Zukunft im Roman
6.2 Unterwerfung statt Widerstand
6.3 Familie und Sexualität – Biopolitische Aspekte
6.4 François und Des Esseintes als Figuren der Dekadenz
6.5 Aspekte des Dystopischen
6.6 Satire und Ironie als Abschwächung des Dystopischen
7. Vergleich der Dystopien
7.1 Die Nahzeit als Dystopie
7.2 Wertungsaspekte
8. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht aktuelle dystopische Romane des 21. Jahrhunderts, um zu analysieren, welche Zukunftsbilder diese entwerfen und welche Gegenwartsphänomene die Befürchtungen vor negativen Entwicklungen motivieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern der technologische Fortschritt und gesellschaftliche Veränderungen die Autonomie des Individuums gefährden und wie sich die Autoren kritisch mit Themen wie Totalüberwachung, Machtstrukturen und der Unterwerfung des Einzelnen auseinandersetzen.
4.1.3 Widerstand gegen die „Methode“
Im Roman kämpft die Gruppierung „Recht auf Krankheit (R.A.K.)“ gegen die Gesundheitsdiktatur der „Methode“ an, allerdings ist von ihr selten die Rede. Moritz wird eine Zugehörigkeit zur „R.A.K.“ nachgesagt, doch hat er sich ihr nie angeschlossen. Ihm genügt es, eine Art passiven Widerstand zu leisten, indem er Zigaretten raucht und oft den unhygienischen Wald aufsucht. Obwohl Moritz die These, dass es den Menschen auszeichnet, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, da er als einziges Lebewesen Todesbewusstsein hat, in Gesprächen mit Mia vertritt, darf nicht übersehen werden, dass er sich im Gefängnis erhängt, weil er eines Verbrechens angeklagt ist, das er nicht begangen hat, und ihm die ‚Todesstrafe‘ (Einfrierung) droht. Es ist also fraglich, ob er damit einen Akt des Widerstands gegen die „Methode“ vollzieht.
Tatsächlich aber stellt sein Freitod in doppelter Hinsicht die Grundlagen des Systems in Frage: Erstens bedeutet das Beharren auf seiner Unschuld den Zweifel an der Unfehlbarkeit der herrschenden „Methode“; und zweitens widerlegt er die offizielle Ideologie, dass der Mensch grundsätzlich von seinem Überlebensdrang geleitet wird. Diese Aspekte werden im Roman nicht als bewusste Motive für Moritz‘ Entscheidung dargestellt, sie sind aber wichtige Bausteine für Mias Angriffe auf die totalitäre Gesundheitsideologie. Der Nachweis, dass Moritz die DNA seines Knochenmarkspenders trägt und daher zu Unrecht angeklagt und verurteilt wurde, ist jedoch in der Romanhandlung der Auslöser für die entscheidende Veränderung in Mias Verhalten. Sie entscheidet sich für den politischen Kampf gegen die „Methode“, indem sie Kramer eine Proklamation diktiert. In ihr entzieht sie allem das Vertrauen: der Gesellschaft, der Moral, dem Recht, der „Methode“, der Politik, der Wissenschaft und der Sicherheit. Ihr Text wird in der Zeitung „Der Gesunde Menschenverstand“ publiziert und führt zu ihrer Verhaftung, die wiederum Demonstrationen für ihre Freilassung zur Folge hat.
1. Einleitung: Die Arbeit stellt drei aktuelle Romane vor, die unterschiedliche Zukunftsbefürchtungen thematisieren und deren Vergleich sich trotz unterschiedlicher Thematiken als produktiv erweist.
2. Zu den Begriffen Utopie und Dystopie: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Utopie und Dystopie und beleuchtet deren historischen Wandel sowie deren Bedeutung in der Literatur.
3. Die klassischen ‚schwarzen‘ Dystopien: Ein kurzer Überblick über die Werke von Samjatin, Huxley und Orwell dient als Grundlage, um Kontinuitäten und Merkmale der aktuellen Dystopien herauszuarbeiten.
4. Juli Zehs Corpus Delicti - Ein Prozess (2009): Dystopie einer Gesundheitsdiktatur: Das Kapitel analysiert Juli Zehs Roman, in dem ein Staat unter dem Vorwand der Gesundheitsvorsorge eine totale Kontrolle über die Bürger ausübt.
5. Marc Elsbergs Zero. Sie wissen, was du tust (2014): Dystopie einer Überwachungsgesellschaft: Hier wird Elsbergs Roman untersucht, der die Gefahren der Überwachung und Manipulation durch Telekommunikationskonzerne und Internetplattformen in den Fokus rückt.
6. Michel Houellebecqs Unterwerfung (2015): Dystopie einer kulturellen Anpassung: Dieses Kapitel betrachtet Houellebecqs Roman über die schleichende Islamisierung Frankreichs und die damit einhergehende Unterwerfung einer dekadenten Gesellschaft.
7. Vergleich der Dystopien: Das Kapitel setzt die drei Romane zueinander in Bezug, vergleicht ihre Ansätze und bewertet ihre Wirksamkeit als Gegenwartsdiagnose.
8. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass moderne Dystopien weniger eine Zukunftsprognose als vielmehr eine dringliche Gegenwartsdiagnose sind, die vor den Folgen menschlichen Handelns warnt.
Dystopie, Utopie, Literatur des 21. Jahrhunderts, Überwachungsgesellschaft, Gesundheitsdiktatur, Politische Literatur, Gegenwartsdiagnose, Macht, Widerstand, Datensicherheit, Islamisierung, Dekadenz, Individuum, Gesellschaftskritik, Kontrolle
Die Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Romane dystopische Ansätze nutzen, um aktuelle gesellschaftliche Ängste und Entwicklungen zu spiegeln.
Im Zentrum stehen Machtstrukturen, das Spannungsfeld zwischen Individuum und Staat oder Konzern, Überwachungstechnologien sowie der Verlust von Werten.
Es soll aufgezeigt werden, welches Bild der Zukunft entworfen wird und welche konkreten Phänomene der Gegenwart zu diesen negativen Zukunftsprognosen führen.
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Romane mit dem Rückgriff auf theoretische Konzepte wie Agambens „Homo sacer“, Foucaults „Biopolitik“ und Gumbrechts Begriff der „breiten Gegenwart“.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte zu den Romanen von Juli Zeh, Marc Elsberg und Michel Houellebecq, gefolgt von einem vergleichenden Analyseteil.
Neben den zentralen Begriffen wie Dystopie und Überwachung sind Begriffe wie Gesundheitsdiktatur, Datenmacht und Gegenwartsdiagnose zentral.
Dieser Begriff kennzeichnet die untersuchten Romane, da sie eher eine Diagnose der gegenwärtigen Situation als eine weit entfernte Zukunftsprognose intendieren.
Während Zeh und Elsberg technologische oder staatliche Unterdrückung kritisieren, fokussiert Houellebecq auf eine gesellschaftliche Dekadenz und die daraus resultierende kulturelle Anpassung an den Islam.
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